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Synode des Kirchenkreises Saar-West
„Wir müssen die evangelische Kirche neu denken“

Christian Weyer, Superintendent des Kirchenkreises Saar-West.
Christian Weyer, Superintendent des Kirchenkreises Saar-West. FOTO: Kirchenkreis Saar-West / Thomas Seeber
Völklingen. Bei der Synode des Kirchenkreises Saar-West erklärte Superintendent Weyer, dass die Volkskirche am Scheideweg stehe. red

Auf der Synode des Evangelischen Kirchenkreises Saar-West im Kongresszentrum der SHG-Klinik in Völklingen hat Superintendent Christian Weyer dafür plädiert, Kirche zu reformieren. „Ich bin der Überzeugung, dass wir die evangelische Kirche neu denken müssen – weg von den starren gemeindlichen Grenzen hin zu einer Struktur, die es uns ermöglicht, flächendeckend und übergreifend für unsere Gemeindeglieder und für unsere Mitmenschen da zu sein.“


Weyer ergänzte bei der Versammlung am Samstag: „Wenn wir kein sektiererisches Grüppchen werden wollen, müssen wir den Menschen nachgehen und sie dort aufsuchen und begleiten, wo sich ihr Leben abspielt.“ Die Volkskirche stehe am Scheideweg. „Will sie weiterhin Kirche mitten im Volk und für das Volk sein? Oder zieht sie es vor, einen gänzlich anderen Lebensentwurf am Rande oder neben der Gesellschaft zu leben?“

Weyer regte den Ausbau der Zusammenarbeit der Gemeinden in den Kooperationsräumen an. Das könnte zu verlässlicher Seelsorge, besserem Gottesdienst-Angebot, Konfirmanden-Unterricht im Team und mehr führen. Kirche dürfe aber nicht nur um sich selbst kreisen, etwa wenn es um das Thema „Flucht und Migration“ gehe, sagte Weyer. Er wandte sich gegen rechtsradikale Parolen und stellte sich hinter Gemeinden, die Kirchenasyl anbieten. „Sie verdienen unser aller Unterstützung und wenn es nötig ist, auch unseren Schutz.“ Kirchenasyl werde nicht leichtfertig gewährt. Es gelte, drohende Verletzungen von Menschenrechten abzuwenden. „Wir stehen für eine offene Gesellschaft, die jedem Menschen mit Respekt begegnet“, sagte Superintendent Weyer.



In ihrem Grußwort forderte Kirchenrätin Barbara Rudolph von der Evangelischen Kirche im Rheinland die 105 Synodalen aus den 26 Kirchengemeinden dazu auf, sich nach all den Strukturdiskussionen wieder stärker Inhalten zuzuwenden: „Wir müssen wieder zu den Kernaufgaben der Kirche kommen.“ Sie nannte die Seelsorge, das diakonische Engagement oder die Jugendarbeit.

Kontrovers wurde dann diskutiert, wo die Grenzen für Veränderungen sind. So werden Trauungen oder Taufen an ungewöhnlichen Orten durchgeführt, obwohl das Kirchenrecht eigentlich dagegen steht. Pfarrerin Andrea Sattler aus Lebach sagte: „Wir müssen schauen, was brauchen die Menschen und nicht, was sind unsere Ordnungen.“

Die Synodalen beschäftigten sich am Samstag in Völklingen auch mit den Berichten aus den Gemeinden, den Ausschüssen, der Synodalbeauftragten und der Einrichtungen wie die Telefonseelsorge oder die Diakonie an der Saar. Weiteres Thema war die Werbung und Förderung von theologischem Nachwuchs, denn nur noch wenige junge Menschen wollen Pfarrer oder Pfarrerin werden. Eine Arbeitsgruppe will Schüler für das Studium interessieren und Studierende durch Angebote zur praktischen Ausbildung ins Saarland locken.

Bei der Synode wurde auch die Finanzplanung für das kommende Jahr beschlossen mit den Umlagen für gemeinsame Einrichtungen, für die Landeskirche und die Pfarrbesoldung. Den Kirchengemeinden stehen fürs Jahr schließlich durchschnittlich 86,75 Euro pro Gemeindeglied zur Verfügung.

Der Evangelische Kirchenkreis Saar-West erstreckt sich von Rilchingen-Hanweiler im Osten entlang der Saar bis nach Perl im Westen und bis Lebach und Wadern im Norden. Derzeit leben dort rund 81 000 Protestanten in 26 Gemeinden.