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„Die Rohr-Idee ist undurchdacht“

„Die Rohr-Idee ist undurchdacht“

Am Fastnachtsdienstag machte Starkregen den sonst trockenen Lauterbach zum Wildwasser. Seither ist die Debatte neu entbrannt, wie man den Bach zähmen kann. Die CDU brachte sogar Verrohrung ins Gespräch.

 Wolfgang Bintz
Wolfgang Bintz
 Das Fastnachts-Hochwasser war erst am Sonntag wieder abgelaufen. SZ-Leser Hartmut Feld hat an der Spitteler Straße fotografiert. Unten: Garten an der Hauptstraße am 9. Februar. Fotos: Feld/Jenal
Das Fastnachts-Hochwasser war erst am Sonntag wieder abgelaufen. SZ-Leser Hartmut Feld hat an der Spitteler Straße fotografiert. Unten: Garten an der Hauptstraße am 9. Februar. Fotos: Feld/Jenal

Zur Fastnacht haben Stürme mit enormen Regenfällen Lauterbachs Straßen und Gärten unter Wasser gesetzt. Das Wasser ist wieder weg. Der Matsch, den es mitgebracht hat, ist noch da. Übel riechender Dreck, sagt SZ-Leser Hartmut Feld. Er sieht die Hochwasser-Reste aus nächster Nähe - der Lauterbach fließt durch sein Grundstück am Anfang der Spitteler Straße. Was jetzt?, fragt Feld. Es sei ja nicht das erste Mal, dass der Lauterbach bei starkem Regen die Wassermassen nicht schaffe. Doch "seitens der Stadt, oder wer auch immer zuständig ist, passiert so gut wie nichts"; nur ganz selten werde mal grob gereinigt. Und mittlerweile sei zu befürchten, dass die Uferbefestigung abrutscht.

Was jetzt?, haben wir Völklingens Bürgermeister Wolfgang Bintz (CDU ) gefragt, in dessen Zuständigkeit die Sache fällt. Wird die Stadt das Bachbett reinigen lassen? Wann? Und was passiert sonst am Lauterbach ?

In den Jahren von 2008 bis 2015 habe die Stadt das Bachbett einmal jährlich ausputzen lassen, Reinigen, Mähen, Grünschnitt, sagt Bintz. Alle zwei Jahre habe es eine "komplette Bachreinigung" gegeben. Den Zeitpunkt wähle man je nach Witterung. Die Kosten: 30 000 bis 50 000 Euro im Jahr.

Viel Geld. Dabei nutzlos für eine nachhaltige Lösung der Hochwasserprobleme am Lauterbach - Bintz macht sich weiterhin stark für eine Sanierung des Bachs. Ein Konzept dafür gibt es längst (siehe Artikel unten). Doch das ist im Ort umstritten. Die SPD hält es für "unwahrscheinlich", dass man es verwirklichen könne. Die CDU hat jüngst im Ortsrat vorgeschlagen, den Bach zu verrohren - er fließe ja nur bei Starkregen , sei gar kein Gewässer mehr, sondern ein Abwasserkanal. Bintz will die Gewässer-oder-Kanal-Frage jetzt amtlich geklärt wissen, er hat sie dem Umweltministerium per Brief gestellt. Auf SZ-Anfrage gab es kürzlich dazu schon Auskunft: Der Lauterbach sei ein Gewässer und Verrohrung "nicht genehmigungsfähig", hieß es. Wenn Antwort auf seinen Brief komme, werde das vielleicht dazu beitragen, dass im Ort "die Akzeptanz für eine Renaturierung des Bachs steigt", sagt Bintz lakonisch.

Er weist auf technische und rechtliche Tücken des Rohr-Vorschlags hin. Um die Wassermassen wegzuschaffen, die Starkregen dem Lauterbach beschert, brauche man Rohre von 2,5 bis drei Metern Durchmesser. Es fließe Schmutzwasser, verunreinigt durch "Abschläge" aus Rückhaltebecken in Frankreich und auch in Lauterbach . Das könne man am Ende der Ortslage nicht einfach freilassen in den nächsten Retentionsraum Richtung Ludweiler - zumal dort Trinkwasser gewonnen wird. Die Rohrfracht müsse also gereinigt werden. Dafür aber sei die Lauterbacher Kläranlage viel zu klein. Zudem werde ein Rohr, das zumeist trocken liegt, schnell zum Dorado für Ratten. "Die Rohr-Idee ist undurchdacht", sagt Bintz.

Er hält deshalb fest am Sanierungskonzept. In dieser Woche gebe es ein Gespräch mit dem Land über die Finanzierung. Und Mitte des Monats will er mit den Planungen beginnen. Ganz handfest, "parzellenscharf", werde dabei ermittelt, was wo und wann zu tun sei und was das kostet. Das Ingenieurbüro eepi hat 2009 eine große Studie zum Lauterbach erarbeitet. 2015 gab es einen Nachtrag dazu: Was kann man tun, um die Lauterbacher vor Hochwasser zu schützen? Nach vielen Computer-Simulationen haben sich die Experten auf "HQ 5" konzentriert, auf ein Hochwasser, wie es statistisch alle fünf Jahre vorkommt. Es ließe die Ortslage unbeschadet, wenn man das Bachbett verbreitern würde, auf vier Meter an der Grenze und bis zu sieben Meter dahinter. Außerdem müsste man die betonierte Bachsohle in Ordnung bringen. Sie ist marode und teilweise abgesackt, so dass das Wasser rückwärts fließt.

Problem dabei: Der Lauterbach verläuft mitten durch Privatgrundstücke. Die Anlieger müssten ihre Stege, Zäune, Gartenhütten am Bach abräumen. Die sind, wasserrechtlich gesehen, seit jeher illegal, aber bisher hat das niemand durchgesetzt. Die Anwohner müssten Grund abgeben, damit das Bachbett breiter werden kann. Das stößt auf wenig Gegenliebe. Und sagt nur ein einziger Anlieger Nein, droht langer Rechtsstreit oder sogar das Scheitern des Projekts. Doch wenn sich nichts ändert, würde ein "HQ 5"-Hochwasser nicht nur Gärten, sondern auch Anrainer-Häuser fluten. Von stärkerem Hochwasser zu schweigen.