Die rechte Hand des Notarztes

Zwischen den Jahren dürfen sich die meisten Menschen in der Region gemütlich zurücklehnen. Aber einige müssen arbeiten – oder sie tun das aus freien Stücken. In der Serie „Unterwegs mit . . .“ begleiten wir sie. Heute sprechen wir mit Daniel Paulus (35), Rettungssanitäter beim DRK in Völklingen.

Wenn Sie während der Feiertage den medizinischen Notdienst benötigt haben, dann erinnern Sie sich dankbar an Männer oder Frauen in ähnlichen Uniformen wie auf unserem Foto. Es sind Rettungssanitäter , die selbstständig oder als Unterstützung des Notarztes kranken und verletzten Menschen helfen können.

"Ja, wir können helfen, das haben wir gelernt", sagt Daniel Paulus, den wir im Bereitschaftsraum des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Völklingen treffen, "aber zu unserem Beruf gehört auch, dass wir es jederzeit wollen." Jederzeit - das heißt, auch an Weihnachten, auch an Heiligabend . In den vergangenen zehn Jahren hat der 35-Jährige meistens an diesen Tagen gearbeitet, denn er ist ledig und will den Kollegen mit Familie den Heiligabend zuhause überlassen. Sein Dienst dauerte vom 24. Dezember, sieben Uhr, bis zum ersten Weihnachtstag, sieben Uhr. Zum Wachdienst gehören 24 Rettungskräfte, zwölf pro Schicht, rund ein Viertel davon sind Frauen.

"Wir hatten zwar größtenteils normale Einsätze, aber auch dramatische Vorkommnisse", sagt er. Normal, das sind Krankentransporte, Alarmierungen wegen Kreislaufstörungen, Frakturen, Herzbeschwerden. "Eine Intervention allerdings war vergeblich", sagt er knapp: Die Reanimation eines Patienten war trotz aller Bemühungen nicht erfolgreich. "Gerade an diesen emotionalen Tagen spielen psychische Probleme eine große Rolle", betont Paulus. Dazu gehören Einsamkeit, familiäre Unstimmigkeiten, auch versuchter oder vollendeter Suizid.

"Bei unseren Einsätzen erleben wir die Menschen in ihren Lebensumständen, in ihrem Umfeld, während sie dann im Krankenhaus als Patienten gesehen werden." Als Rettungssanitäter sei man für "präklinische Notfallmedizin" zuständig, also für erste Maßnahmen wie Verbände, Medikamente und Infusionen, bevor Notarzt oder Klinik eingeschaltet werden.

"Wir haben es eben immer nur mit Menschen zu tun, die Hilfe brauchen", sagt Paulus, "dazu ist nicht jeder geeignet, und deshalb ist vor der Ausbildung ein Schnupperpraktikum Pflicht, wobei schon einige Bewerber abspringen." Und natürlich brauchen auch die Sanitäter Hilfe, besonders nach emotional belastenden Einsätzen. Dazu stehen Gesprächsrunden und persönliche psychologische Betreuung zur Verfügung. Hilfreich sei auch, dass die Rettungskräfte immer wieder viel Unterstützung und Dankbarkeit erhielten.

Daniel Paulus hat vor seiner Ausbildung beim DRK als Energieelektroniker in der Grube Ensdorf gearbeitet. Nach einem Jahr Zivildienst ließ er sich drei Monate lang zum Sanitäter ausbilden und absolvierte dann die zweijährige Weiterbildung zum Rettungsassistenten. "Als Assistent ist man die rechte Hand des Notarztes", erklärt Paulus, "man muss über grundlegende medizinische und juristische Kenntnisse verfügen."

Seine Berufswahl hat Daniel Paulus noch nie bereut. "Wir wissen ja bei der Alarmierung nie genau, was uns erwartet", sagt er, "deshalb ist es wichtig, vor Ort die Ruhe zu bewahren und professionell zu handeln. Diese Einstellung kann man nur teilweise erlernen, man muss dafür geeignet sein." Man muss es wollen. Und können.

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