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Kolumne
Die Natur hat ihren Eigensinn

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Ökologischer Ausgleich, das hört sich gut an: alles unter Kontrolle. Im richtigen Leben ist es aber selten so einfach. Von Doris Döpke

Wir Menschen haben breite Ellenbogen. Unseren Bedürfnissen zuliebe tun wir vieles, was der Umwelt schlecht bekommt. Wir nehmen uns fürs Bauen Platz, der bis dahin Flora und Fauna allein gehörte, und berauben Tiere und Pflanzen ihres Lebensraums. Hierzulande haben wir gelernt, das nicht ohne Rücksicht auf Verluste zu tun, wir gleichen Eingriffe aus – aber dabei gibt’s Überraschungen.


Auf dem Gelände der Saarland-Raffinerie kommen Ökologie und Wirtschafts-Pläne gerade auf fast komische Weise in Konflikt. Wechselkröten erweisen sich als eigensinnig: Sie bleiben einfach, wo sie immer schon waren, statt brav umzuziehen ins Ersatz-Areal. Nun müssen die seltenen, stark gefährdeten Amphibien mühsam von Hand umgesiedelt werden (andernfalls müssten die Bauarbeiter abrücken) – „Ausgleich“ ist lange nicht so einfach wie gedacht.

Der Biber, einst ausgerottet, hat  Wiedergutmachung erfahren, er wurde neu angesiedelt. Eine Erfolgsgeschichte mit spezieller Ironie: Die Tiere mit den scharfen Nagezähnen sind überraschend robust. Und haben sich so Wohnorte erobert, wo sie nicht erwartet und nicht gern gesehen sind. Alles im Griff? Von wegen, die Biber machen ihr eigenes Ding.

Und dann hatten wir in dieser Woche noch das große, globale Thema Energie. Strom kommt bekanntlich nicht aus der Steckdose, Kohle und Öl sind endlich und verursachen klimaschädliche Verbrennungsgase. Erneuerbare Energie, das klingt nach einer idealen Lösung – Wasser, Sonne und Wind liefert ja die Natur frei Haus. Aber wie ist es mit den Eingriffen durch Riesen-Anlagen, kriegen wir da einen Ausgleich hin? Auch einen für den Lebensraum der Spezies Mensch? Ökobilanzen sind ein schwieriges Kapitel. Und lässt man Geister aus der Flasche, ist es mit der Kontrolle vorbei.