Die Marotten des Alltags

SZ-Redakteurin Michèle Hartmann findet es manchmal recht schmerzhaft, den Gesprächen anderer zu lauschen.

Meinung:
Die Marotten des Alltags

Neugier ist eine Gottesgabe, eine Tugend, die ich nicht missen möchte. So stehe ich gern - auch bei gröbster Hitze oder Kälte - auf dem Balkon , schaue die Straße rauf und runter, sehe Bekanntes und Unbekanntes und sortiere das Geschehen in meinen Mikrokosmos ein. So wie einst die berühmte Else Kling, die "Hausmeischdersch" in der Lindenstraße der ARD .

Manchmal höre ich auch - mit völlig unbeteiligtem Gesicht, aber überaus interessiert - den Gesprächen anderer Menschen zu. Das ist hin und wieder erbaulich, gelegentlich aber auch schmerzhaft. Schmerzhaft dann, wenn hinter fast jedem Satz die saarländische Variante von "du weißt, was ich meine" folgt.

Und so standen da am Wochenende drei Frauen auf der Straße beisammen und redeten. Es ging um die Kinder, die Freizeit, um das, was im Alltag wichtig ist. Und, wie gesagt, hinter fast jeder Äußerung das schreckliche Wort: "wääschde". Die Kurzform davon ist auch beliebt: "wäsche". Wääschde hinne, wäsche vorn - irgendwann war's dann genug.

Nach meinen eigenen Sprach-Marotten forschend, fiel mir etwas ein. Und zwar die gern bemühte Formel, die das Abwinken ärgerlicher Themen untermauert. Wenn etwa im Wirtshaus der neueste politische Unfug debattiert wird. "Oh komm, geh fort", heißt da der Kommentar des Saarländers. Also wäschde, das versteht dann aach kenner meeh.