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Ein Rechtsanwalt und Imker wird Berufspolitiker
„Die Leidensfähigkeit ist da“

Völklingens designierter Bürgermeister Christof Sellen (CDU) ist begeisterter Hobby-Imker.
Völklingens designierter Bürgermeister Christof Sellen (CDU) ist begeisterter Hobby-Imker. FOTO: BeckerBredel
Völklingen. Er stellt sich nun mit 50 einer neuen Herausforderung. Christof Sellen (CDU), ab 1. Juni neuer Völklinger Bürgermeister, steht Rede und Antwort im SZ-Redaktionsgespräch. Von Bernhard Geber

Zum 1. Juni erhält die Stadt eine völlig neue Verwaltungsspitze. Neben Christiane Blatt (SPD), der ersten Frau auf dem Chefsessel im Völklinger Rathaus, wird dann Christof Sellen (CDU) als Bürgermeister und Stellvertreter amtieren. Der 50-jährige, unlängst überraschend vom Stadtrat gewählt, war bisher politisch nur in der zweiten Reihe tätig. Bei einem Gespräch in der SZ-Redaktion Völklingen erzählt er von sich und seinen Zielen.


Sellen (siehe auch „Zur Person“) arbeitete bisher erfolgreich als Rechtsanwalt und lebt in recht harmonischen Verhältnissen. Warum entschied er sich, in die Politik zu gehen? Die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen: „Bürgermeister ist eine tolle neue Herausforderung im Alter von 50 Jahren. Ich, meine Familie und meine Kinder wohnen in Völklingen. Viele reden die Stadt schlecht. Aber nur meckern geht nicht. Man muss bereit sein, selbst etwas anzupacken.“

Und was will Sellen als erstes anpacken? Eine ebenso spontane Antwort: „Wenn meine Tochter sagt, sie geht jetzt in die Stadt shoppen, fährt sie mit ihren Freundinnen nach Saarbrücken. Für mich ist das Wichtigste die Wiederbelebung der Völklinger Innenstadt“, sagt er. Da müsse man wieder Optimismus hereinbringen. Wie zu Zeiten, wo sein Vater Amtsrichter in Völklingen war. Da erlebte er als Kind sogar noch, wie lebendige Hühner auf dem Wochenmarkt gackerten.



Sellen, in Gersweiler-Ottenhausen geboren, machte in Saarbrücken Abitur, diente bei der Bundeswehr, studierte Jura und landete dann in Völklingen. Das hatte damit zu tun, dass ihm ein  Anwalt  spontan die Übernahme seiner Kanzlei anbot. Aber auch damit, dass er und eine frühere Mitschülerin aus Kleinblittersdorf („wir hatten zusammen Abitur gemacht“)  ihre Zuneigung zueinander entdeckten. Christof und seine Julia heirateten. Die Ehefrau war schon damals in einer Apotheke in der Völklinger Innenstadt tätig, wo sie nun bereits seit Jahrzehnten als Pharmazeutisch-Technische Assistentin arbeitet. Da schien es mehr als logisch, sich gemeinsam in der Stadt niederzulassen.

In einem Haus am Sonnenhügel hat die Familie Sellen die passende Heimat gefunden – auch für die sechs Bienenvölker, um die sich Christof Sellen kümmert. „Bienen sind was ganz Tolles. Ich mache das schon seit fünf Jahren“, sagt der Hobby-Imker. Sie und ihr Flug haben ihn gelehrt, das Werden und Wachsen in der Natur genau zu beobachten. Gelernt hat Sellen die Grundbegriffe in einem der Kurse, die der Bienenzuchtverein (BZV) Völklingen regelmäßig bei der Volkshochschule anbietet. Und die Imkerei breitet sich in der Stadt immer weiter aus: „Der BZV hat rund 120 Mitglieder, und von denen sieht man dann auch immer 40 bis 50 bei den Versammlungen.“

Was lehren Bienen einen künftigen Berufspolitiker? Geduld, Beharrlichkeit und Zielstrebigkeit. Und nicht zuletzt auch Leidensfähigkeit. „Vor allen Dingen wird man oft gestochen, wenn man Imker ist. Man gewöhnt sich aber relativ schnell an das Gift“, sagt Sellen schmunzelnd. „Und das kommt mir nun womöglich auch im Job zu Gute.“ Wobei es aber wahrscheinlich nicht zu giftig wird. „Sellen hat bei seiner Wahl Zustimmung aus allen Fraktionen erhalten“, betont CDU-Fraktionschef Stefan Rabel, der den künftigen Bürgermeister beim Redaktionsgespräch begleitet. „Oberbürgermeisterin und Bürgermeister müssen in unserer Stadt wirklich gut zusammenarbeiten“, unterstreicht Christof Sellen.

Da wird bereits intensiv miteinander gesprochen. Und nicht nur miteinander. „Frau Blatt und ich stehen im regelmäßigen Austausch mit der Verwaltungsspitze im Rathaus“, berichtet Sellen. Im Vorfeld der Übernahme der Amtsgeschäfte solle Aktionismus vermieden werden – sowohl in Hinsicht auf das Personal als auch auf die Aufteilung der Fachbereiche. Es gelte, die Situation bestmöglich zu analysieren und dann erst zu agieren.  Eine zwingend notwendige Juristenstelle, seit dem Abschied von Christina Hennrich vakant, werde aber noch von Oberbürgermeister Klaus Lorig (CDU) ausgeschrieben.

Und wozu steht Christof Sellen eigentlich persönlich? Da möchte er ganz er selbst bleiben. Ein großes politisches Vorbild, sagt er, hat er nicht. Seine Werte seien christlich und konservativ geprägt, aber das schließe zum Beispiel auch „grüne“ Werte mit ein.

Christof Sellen und CDU-Fraktionschef Stefan Rabel beim SZ-Redaktionsgespräch.
Christof Sellen und CDU-Fraktionschef Stefan Rabel beim SZ-Redaktionsgespräch. FOTO: BeckerBredel