Die Kraft der Ausstrahlung

Der. Die. Das. Um die deutschen Artikel herum strickt Pawel Popolski ein abendfüllendes Programm. Vorigen Freitag gastierte Popolski mit seiner Wohnzimmershow in der voll besetzten Wehrdener Kulturhalle.

"Extra in der Schale geworfen" hatte sich Achim Hagemann am Freitag abend. "For the city of polka Wehrden", sagt er. Hagemann ist Pawel Popolski. Eine Kunstfigur aus der polnischen Plattenbausiedlung Zabrze, der mit seiner neunköpfigen Band "Der Popolski-Show" kulturell Furore gemacht hat. Hier, in Völklingen , in abgespeckter Form, sozusagen im "Wohnzimmerformat" , verlässt sich Pawel einzig auf die Kraft seiner Ausstrahlung. 250 Fans wissen das zu schätzen.

Schon früh, mit dem ersten "Da geht der Post ab durch der Decke", jubelt das Publikum. Pawel trägt den altmodischen Anzug polnischer Provenienz "Dolkski & Gabbanski", seinen kecken Oberlippenbart, hat ein frech-flinkes Mundwerk. Er spielt mit den deutschen Artikeln und den weichen Konsonanten der polnischen Nachbarn. Dabei ist Hagemann nicht mal Pole. Er kommt aus Recklinghausen. Die Rolle des Pawel hat er ebenso gut drauf wie das Erfinden unglaublicher Geschichten. Alles dreht sich um den legendären Opa Piotrek Popolski, offensichtlich ein Phänomen. Konnte viel Wodka vertragen, übte emsig das "Kamasutrek" als Lehrbuch polnischer Liebestechniken: "Da riskieren Sie, direkt in das Streckbett zu landen".

Und Opa Popolski komponierte, genau genommen rund 128 000 Poplieder. Elvis hat sich bedient. AC/DC hat sie geklaut. Dieter Bohlen hat sie von den Polen gestohlen. Edith Piaf hat sie verfälscht, Wolfgang Petry verhunzt. Und so fort, behauptet Pawel. Gießt sich einen nach dem anderen hinter die Binde und dem gesamten Publikum Hochprozentiges ein. Zwischen seinen wortreichen Erklärungen schaltet Pawel seinen Bruder Janusz direkt aus der Plattenbausiedlung in Zabrze/Polen auf die Leinwand. Ein etwas dünnhäutiger Versuch, mehr Glanz in die Hütte zu bringen. Gern hätte man von dem sich tumb gebenden Janusz ("Der trubste Tasse in der Familie") ein richtig fetziges Bass-Solo gewünscht, wie überhaupt dem ganzen Abend mehr Musikbeiträge.

Etwas spät bringt Pawel auch seine rothaarige Cousine Dorota ins Spiel. Eine Augenweide für Männeraugen: "Sie ist der Heißeste der Heißen". Dorota trägt Rot, hauteng, singt und tanzt, natürlich "Chits" vom Opa, dass man gerne mehr gehört hätte. Zwei richtig schön erotische Wörter hat Dorota auch schon auf Deutsch gelernt, "Kon-To-Voll-Macht" und "Ak-Tien-Pa-Ket". Alles in allem ein kurzweiliger Abend, in dem Popolski alle Klischees ausreizt, die man hierzulande dem Nachbarland Polen entgegenbringen mag.