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Die dreisten Tricks der Taschendiebe

Völklingen. Orte, wo sich Menschen drängen, sind ein beliebtes Ziel für Taschendiebe. Täter beobachten ihre Opfer oft minutenlang. Ein Moment der Unaufmerksamkeit reicht. Und schon ist der Geldbeutel verschwunden. Alexander Manderscheid

Kürzlich an einem Samstag gegen 12.20 Uhr: Eine 55-jährige Dame erledigt in einem Supermarkt in der Hallerstraße in Völklingen ihren Einkauf. Vermutlich braucht sie gerade beide Hände, um etwas zu heben. Sie stellt ihre Handtasche im Warenregal ab und dreht sich für einen Moment von ihr weg. Das hat schon gereicht: Als sie sich zurückdreht, sind Handtasche und der darin verstaute Geldbeutel samt wichtiger Papiere verschwunden (wir berichteten kurz).

Einer von vielen Fällen, aber auch ein typischer, wie Stefan Schneider, der Leiter des Ermittlungsdienstes bei der Völklinger Polizei , erklärt. Die Unachtsamkeit des späteren Opfers bereitet oftmals den Tätern den Weg.

In Völklingen mehren sich zur Zeit die Taschendiebstähle. "Aber es besteht kein Grund zur Panik", sagt Schneider. Zwei bis drei Fälle pro Woche erreichen die Beamten in der Hüttenstadt. Auch wenn davon auszugehen ist, dass ihr weitere Taten nicht gemeldet werden, sei dies nur ein Anstieg im gewohnten Maße. Mal gebe es mehr, dann mal wieder weniger Fälle.

Neben Orten, an denen sich die Menschen drängen, sind Supermärkte ein beliebtes Ziel der Taschendiebe . Hier haben die Täter genug Zeit, sich ihre Opfer auszusuchen. Danach beobachten sie sie oft minutenlang, um ihre Gewohnheiten zu erkennen, sagt Schneider, wie sie sich bewegen, wann sie unaufmerksam werden, wo ihr Geld sitzt. Dann nähern sie sich und greifen blitzschnell zu.

Mal handelt es sich um einen einzelnen Täter, mal agieren Gruppen. Oft lenkt ein Täter das Opfer ab, spricht es an, rempelt es an oder verschüttet etwas auf dessen Jacke - mit mehr Absicht, als der Täter vorgibt. Ein anderer nutzt die Verwirrung aus und schnappt sich die Tasche.

Wer dann hofft, dass eine der Überwachungskameras die entscheidende Aufnahme gemacht hat, die auf die Spur des Taschendiebs führt, hat sich getäuscht. Die Männer und Frauen tragen oft Kapuzen, dicke Mützen und vielleicht einen Schal über dem Kinn. Verdächtigt machen sie sich vorher damit nicht, denn auch viele unschuldige Leute liefen so bei kaltem Wetter umher, sagt Schneider, in dessen Abteilung elf Mitarbeiter abwechselnd mit solchen Fällen befasst sind.

Die Polizei schaue sich die Aufnahmen natürlich an, aber die Aufklärungsquote bei Taschendiebstählen sei insgesamt gering. Drum sei es umso wichtiger, dass man selbst vorbeuge. Wer von Fremden angerempelt oder in ein Gespräch verwickelt werde, solle misstrauisch sein und seine Tasche dicht am Körper tragen. Dies gelte ohnehin. "Die Öffnung sollte immer zum Körper hin zeigen oder unterm Arm liegen", sagt Schneider. Niemals die Tasche in den Einkaufswagen legen. Geldbeutel in der Gesäßtasche sind tabu. Und, was immer noch viele tun, obwohl dauernd gewarnt wird: Niemals die PIN mit der Bank-, EC- oder Kreditkarte gemeinsam aufbewahren. "Manche schreiben sie sogar auf die Karte." Hat man dann den Diebstahl bemerkt, kommt man selbst mit der sofortigen Sperrung vielleicht schon zu spät.