Der vergessene Weinberg von Saarbrücken

Der vergessene Weinberg : Alte Steine, edle Tropfen

Berge bietet das Stadtgebiet so einige. Der Winterberg hat eine Besonderheit, er beheimatete einst „Berge“ am Berg. Davon zeugen heute noch die auf den ersten Blick unscheinbaren Mauerreste am Rand eines Waldweges im südwestlichen Hang.

„Die weiß natürlich kaum jemand zu deuten“, sagt Stefan Weszkalnys, Lokalhistoriker und im nahen St. Arnual aufgewachsen. „Wer hier vorbeiläuft, sieht nur ein paar alte, dunkle Sandsteine.“ Die Geschichte der Mauerreste reicht bis ins erste Drittel des 19. Jahrhunderts. Sie erstreckt sich auch auf die angrenzenden, zum darunter liegenden Kasental hin leicht abfallenden Flächen, und hat mit der Produktion edler Tropfen zu tun. „Das ist der alte Lucas’sche Weinberg“, erläutert der Stadtkenner, „benannt nach dem Familiennamen der Eigentümer.“ Neben der Familie Lucas besaß die Familie Mügel mit dem Petersberg vor allem unterhalb des heutigen „Weinbergweges“ Weingärten, die Dr. Maximilian von Voß mit seiner Frau Clara geb. Röchling, Tochter des Kaufmanns Fritz Röchling, 1893 erwarb und durch Neubau des „Petersberger Hofes“ ab 1896 zu neuer Blüte führen wollte. Einem 1957 erschienen Beitrag des Saarbrücker Oberlehrers Theo Schmidt (1876-1958) ist zu entnehmen, dass es sich bei Lucas und Mügel um markante Persönlichkeiten des 18. und 19. Jahrhunderts handelte. Die Entstehung des Weinguts Petersberg datiert Schmidt ins Jahr 1826/27, ausgehend von einer Statistik über Mostgewichte von 1834. Zuvor hatte es seit 1556 und 1657 keine schriftlichen Belege mehr für den Weinanbau gegeben. „Nach 1830 etwa gehörte es zum guten Ton der wohlhabenden Familien, einen Weinberg zu besitzen“, berichtet Stefan Weszkalnys über die Rückkehr der Rebgärten. „Eigener Wein war der Ausweis gediegenen Bürgertums.“ Aufgrund ihrer Südexposition bot sich die zum Tal hin abfallende Hangseite am Winterberg für den Anbau der begehrten Trauben geradezu an.

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