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Kolumne
Der Tag der verhungerten Staubläuse

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Es gibt Dinge, die uns immerfort Rätsel aufgeben. Motto-Tage zum Beispiel. Oder wissen Sie, wie der Tag des Schluckaufs den Weg in die Kalender fand? Vom Tag der skeptischen Ente ganz zu schweigen. Von Ruth Rousselange

Ich bin enttäuscht, warum steht nichts Spektakuläres auf meinem Kalenderblatt? Wieso ist heute kein Thementag? Etwa der Tag der Tiefkühlkost, des Schluckaufs oder der Schoko-Rosinen? Gut, die gab es alle im März schon, außerdem den Tag der Rohrleitungen und den Pflanz-eine-Blume-Tag. Wer denkt sich die eigentlich aus, und weshalb darf der das? Einfach den Weltspatzentag in einen Kalender schreiben? Wissen die Spatzen, dass wir ihnen mit einem besonderen Tag huldigen? Wahrscheinlich ist es ihnen schnuppe, ihre Körnchen und Käfer müssen sie trotzdem ohne Humanbeistand erbeuten. Da nutzt dem Spatz sein Name im Kalendarium wenig. Gibt es verschiedene Themen für einen Tag, je nachdem, wer was zum Motto erklärt? Ehrlich, mir ist das schleierhaft. Dabei gibt es ja auch Tage, die jeder kennt, wie den Frühlingsanfang oder den Valentinstag…


Gerade fällt mir auf, dass an meinem Geburtstag im Januar Tag der Skeptiker war, typisch! Aber auch Tag des Quietscheentchens. Siehste, Doppelbelegung! Vielleicht weil Enten auch zum Skeptiker werden können. Kennen Sie Nick Hornbys Roman „About a Boy“? Verfilmt mit Hugh Grant, als er noch jugendlichen Charme versprühte, hatte er den Untertitel: „Oder der Tag der toten Ente“. Da kriegt diese arme Ente von dem Jungen ein hartes Brot an den Kopf geschleudert, aus Versehen natürlich, und sinkt, blubb und aus. Kurz war sie sicher noch skeptisch.

Wie kam ich drauf? Ja, klar, der Tag der skeptischen Ente. Solche Motto-Tage würde ich auch gerne kreieren, den Reiß-das-Fenster-auf-und-putz-es-Tag, den Es-regnet-mal-wieder-aber-egal-Tag oder den Staub-deine-Bücher-ab-ohne-Hustenanfall-Tag . . . Meine Themenideen ließe ich alle fein säuberlich in einen Kalender drucken und freute mich jedes Mal, wenn ich beim händischen Blattabreißen auf eines meiner berückenden Motti stöße.



Eigentlich ist er ja obsolet, der Kalender aus Papier, oder? Bewahre aber, dass mir irgend so ein Voice-Service morgens entgegensäuselt: „Heute ist der x-und-20. April, der Tag der verhungerten Staub­läuse“. Niemals!