Feiertagsarbeit bei Saarstahl: Der Strom-Chef steht nicht unter Strom

Feiertagsarbeit bei Saarstahl : Der Strom-Chef steht nicht unter Strom

Ohne Hans Günter Hamann und sein Team liefe nichts bei Saarstahl – Hamann ist zuständig für den Produktions-Strom. Und dabei die Ruhe selbst. Dienst an den Feiertagen ist für ihn Routine.

Was haben Hobbyköche am heimischen Herd mit Stahlkochern am Industrieofen gemeinsam? Beide brauchen Elektrizität. Bei Saarstahl in Völklingen sorgt Hans Günter Hamann (65) dafür, dass alle Anlagen mit Strom versorgt werden. „Wir sind ein energieintensives Unternehmen, brauchen also viel elektrische Leistung“, erklärt der Werkstattleiter der Hochspannungsabteilung im Gespräch mit der Saarbrücker Zeitung.

Die Energie bezieht Saarstahl aus dem öffentlichen Netz. Aufgabe von Hamann und seinen Kollegen ist es, den gelieferten Strom zu verteilen. 50 elektrische Schaltanlagen, 200 Transformatoren und rund 140 Kilometer Hochspannungskabel sorgen in den Werken Völklingen, Burbach und Luisenthal dafür, dass die hohe Eingangsspannung richtig portioniert vor Ort ankommt – etwa für die Stahlschmelze im Elektroofenbereich. Reinigen, Messen, Kontrollieren, Warten gehören zu Hamanns Tagesgeschäft. Und bei Störungen wird instand gesetzt. „Am besten ist es, wenn man von uns nichts merkt“, erklärt der gelernte Starkstromelektriker. Heute nennt sich die Ausbildung Energieanlagenelektroniker.

Obwohl er einen spannungsgeladenen Job hat, steht Hamann nicht immer unter Strom. Er wirkt ausgeglichen, gelassen. „Das ist die Routine“, erklärt der Saarstahl-Mitarbeiter. Nach rund 50 Berufsjahren bringt ihn so schnell nichts mehr aus der Ruhe.

Hat er schon mal einen Stromschlag bekommen? „Ein oder zwei Mal, aber nur zuhause“, verrät Hamann. Sicherheit ist im Betrieb oberstes Gebot. Als 15-Jähriger begann der Völklinger seine Ausbildung bei Saarstahl, seit 1972 ist er in der Hochspannungsabteilung. Der Mann der Technik schätzt auch die Botanik. In seinem Büro stehen viele Pflanzen: Palme, Birkenfeige, Dieffenbachie. „Ich habe die ganze Abteilung begrünt“, erzählt er schmunzelnd.

Oft ist Hamann auf dem Firmengelände unterwegs. Auch mit uns dreht der Werkstattleiter eine kleine Runde. An den Eingangstoren wird er durchgewinkt. Man kennt nicht nur den netten Kollegen, sondern auch seinen roten Mercedes 230 E. Hamann sorgt dafür, dass sich der schmucke Oldtimer, Baujahr 1986, stets tiptop gepflegt präsentiert.

Wir parken vor einer 110 000 Volt-Anlage im Blasstahlwerk. „Da brummt ja gar nichts“, stellt der Besucher von der Zeitung drinnen fest. Nein, da brummt nichts, bestätigt der Fachmann. Aber vor der Tür knistern die Isolatoren der Freileitung.

Hamann macht es nichts aus, dass er an den beiden Weihnachtstagen, zwischen den Jahren und an Silvester zum Dienst muss. „Das bin ich gewohnt“, sagt er. Er hat nachgezählt: An 46 Weihnachtsfesten hat er 31 Mal mindestens einen Tag gearbeitet.

In Zukunft kann er immer gemeinsam mit seiner Frau feiern, denn zum 1. Februar verabschiedet sich Hamann in den Ruhestand. „Ich höre nicht gern auf“, sagt der Techniker etwas wehmütig. Er mag seinen abwechslungsreichen Job.

Aber langweilig wird ihm als Rentner sicher nicht. Im Haus und im Garten auf dem Heidstock gibt es immer was zu tun; außerdem trainiert der Hobbyläufer für einen Halbmarathon. Saarstahl wird er wohl während der Recherche für ein anderes Projekt verbunden bleiben. Hamann will die Geschichte der Stromversorgung in der Völklinger Hütte zu Papier bringen.

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