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Der „Schwimmkurs“ in der Badewanne - Tipps von DLRG-Schwimmlehrerin

Auch ohne Schwimmbad Kindern die Scheu vor dem Wasser nehmen : Der „Schwimmkurs“ in der Badewanne

Schwimmbäder sind tabu. Kathrin Angnes, Schwimmlehrerin der DLRG-Ludweiler, rät, Kinder zuhause ans Wasser zu gewöhnen.

Kinder können momentan aufgrund der Corona-Krise im Regionalverband nicht mehr Schwimmen lernen. Die Bäder sind geschlossen, die Kurse abgesagt. Schwimmlehrerin Kathrin Angnes aus Bous, die für die DLRG Ortsgruppe Ludweiler ausbildungsberechtigt ist und ihre Kurse in „normalen Zeiten“ im Schwimmbad Völklingen anbietet, rät Eltern allerdings dazu, die Kinder zuhause trotzdem ans Wasser zu gewöhnen.

„Als Lübeckerin bin ich an der Küste mit dem Wasser groß geworden. Als ich meinem Sohn das Schwimmen beigebracht hatte, wollte ich, dass er weiter regelmäßig zum Schwimmen geht und bekam so Kontakt zur DLRG Ortsgruppe im Warndt. Das war vor 17 Jahren. Heute stehe ich selbst am Beckenrand. Mein letzter Schwimmkurs hatte wegen Corona nur noch zwei Stunden, dann wurde alles abgesagt“, berichtet die 51-jährige Sekretärin. Den betroffenen Eltern gibt sie aber Tipps mit, wie man Kinder ans Wasser gewöhnen kann, ohne in ein Schwimmbad zu gehen oder einen Pool zu haben: „Die Kinder haben oft Angst vor dem Wasser. Im Schwimmkurs müssen wir sie dann an Wasser gewöhnen. Der Kurs ist effektiver, wenn diese Gewöhnung schon stattgefunden hat und das geht auch in der Dusche oder Badewanne“, sagt die Ausbilderin.

Beim Baden in der Wanne solle man Kinder anleiten, zunächst nur mit dem Mund unter Wasser zu gehen, dann mit Mund und Nase und schließlich mit dem Kopf. „Lassen sie die Kinder unter Wasser mal ausatmen und blubbern, nach Dingen im Wasser greifen oder die Haare in der Wanne waschen. Das alles hilft dabei, die Scheu zu verlieren und sich im Wasser sicher zu fühlen.“

Die DLRG hat im Internet Wasserspiele aufgelistet, mit denen man schon Kleinstkinder trainieren kann. So werden „Duschpartys“ empfohlen, bei denen es darum geht, Wasser auch immer über den Kopf laufen zu lassen. „Die Kinder sollen früh lernen, Wasserspritzer und Wasser in den Augen zuzulassen. Das ist wichtig, damit sie später mit offenen Augen tauchen, um sich auch in Gefahrensituationen unter Wasser zu orientieren“, so die Schwimmtrainerin. Blubbern sei bei Kindern besonders populär und auch ein geeignetes Spiel für die Badewanne. So nehme man einen Tischtennisball mit ins Wasser, den man durchs Wasser pusten könne. Nach kurzer Zeit hätten die Kinder den Bogen raus und würden lernen, nah an der Wasseroberfläche zu atmen. Das sei später eine wichtige Voraussetzung, um ausdauernd zu schwimmen und sich dabei nicht zu verschlucken.

Auch das Tauchen könne man in der Badewanne üben. Auf der DLRG-Internetseite ist das beschrieben: „Beim Baden in der Badewanne könnt ihr mit einfachen Mitteln das Öffnen der Augen eurer Kinder trainieren. Dazu eignen sich zum Beispiel Tauchringe oder -tiere. Wenn ihr die Möglichkeit habt, könnt ihr auch Zahlenkarten ausdrucken, laminieren und eure Kids danach tauchen lassen. Am einfachsten ist es, unter Wasser mit eurer Hand eine Anzahl Finger zu zeigen, die eure Kleinen nach dem Auftauchen nennen.“ Die Übung diene dazu, die Augen im Wasser nicht zu schließen, für das spätere Schwimmen diene dies der Orientierung im Becken.

Kathrin Angnes Kurse verschieben sich in den Herbst. Das „Badewannen-Seepferdchen“ kann den richtigen Schwimmkurs dabei natürlich nicht ersetzen, denn Schwimmen lernen kann man weder unter der Dusche noch in der Badewanne. Trotzdem seien die Maßnahmen sinnvoll, damit Kinder später angstfrei zum Schwimmkurs gehen. „Vielleicht können wir bald wieder starten, mein an Jahresanfang begonnener Kurs würde dann fortgesetzt, der nächste neue Kurs nach hinten verschoben. Termine gibt es noch keine“, berichtet Angnes und ist sich bewusst, dass die Kinder damit noch länger auf Schwimmkurse warten müssen, da die Wartezeit bei den Kursanmeldungen jetzt schon bei zwölf bis 18 Monaten liege.

„2017 hat die DLRG festgestellt, dass 60 Prozent der Grundschüler nicht sicher schwimmen können. Es ist ein wichtiges Anliegen unseres Vereins, dies zu verbessern. Leider können wir daran jetzt nicht arbeiten“, bedauert Kathrin Angnes.

Die DLRG Ortsgruppe Ludweiler hat aktuell 380 Mitglieder und hat sich der Schwimmausbildung verschrieben. Eine Wasserrettungsgruppe gibt es in Ludweiler nicht, bald aber ein Jugendeinsatzteam in Zusammenarbeit mit der DLRG in Saarbrücken. Das sei quasi die Jugendfeuerwehr der DLRG und ein Angebot, mit dem direkt nach der Krise in Ludweiler weitergemacht werde.

Weitere Infos unter: www.dlrg.de, dann anklicken: Mitmachen / DLRG-Nivea / Seepferdchen für alle / Wassergewöhnung