Der Schmerz hält sich in Grenzen

Vor einem Jahr ver hin derte ein Sturm den Völk linger Rosen mon tagszug. Für dieses Jahr fand sich kein Organisator. Wie gehen die Völklinger damit um, und wo rufen sie stattdessen „Helau“?

Schade, aber es geht auch woanders - so ungefähr könnte man die Reaktion vieler Völklinger auf den Ausfall des Rosenmontagsumzugs zusammenfassen. Wir wollten es genauer wissen und haben die Narren kurz vor dem Sturm auf das Völklinger Rathaus zur Seite genommen.

Besonders betrübt reagierte Andreas Schwickert: "Es ist wirklich schade, dass sich in einer Stadt mit 40 000 Einwohnern niemand findet, um den Fastnachtsumzug zu organisieren", sagt der ehemalige Präsident der Großen Völklinger Karnevalsgesellschaft Die Kreisler. Aber seinen Stadtsoldaten, die heute mit ihrem Schlachtruf "Daje!" durch Burbach ziehen, hat es in den vergangenen Tagen nicht an Alternativen gemangelt: "Heidstock, Nachtumzug Gresaubach, Ludweiler."

Auch der Adel scheint den Umzugsausfall in Völklingen gut wegzustecken. So findet Prinz Marc I. von den Ludweiler Beele's diesen Umstand "nicht so schade". Kein Wunder, er hat andere Sorgen - seine Prinzessin Isabel I. ist flüchtig. Die Kreislerin Katrin Rumpf hingegen sagt: "Die Hoffnung stirbt zuletzt." Bis das Narren-Treiben in der Hüttenstadt wieder eine Chance hat, empfiehlt die junge Frau im Schwarzer-Engel-Kostüm die Umzüge in Göttelborn und Großrosseln.

Ihre Narren-Kollegin Renate Hehl weiß dagegen gar nicht, wo sie hingehen soll. Sieben Jahre lang war sie Völklingen an Fastnacht treu. Einen Verlust empfindet auch Claudia Maas. "Es ist schade, dass es in Völklingen keine Alternative gibt. Obwohl ich schon verstehe, dass sehr viel Arbeit hinter der Organisation steckt", sagt sie. Ihre Töchter Johanna (7) und Kathrin (10) verteilen derweil als Flower-Power-Prinzessinnen Schokotaler. Heute tun sie das in Burbach.

Auch die vierfache Mutter Regina Klein hätte sich für ihre kleine Prinzessin Romina einen Umzug "vor der Haustür" gewünscht. "Die Stimmung, die Gestaltung der Wagen, der Witz. Es ist immer der Hit gewesen", schwärmt sie von den Umzügen in Völklingen.

Dass diese nun erst mal der Vergangenheit angehören, ist offensichtlich auch nicht im Sinne der Politik. Berthold Annel, für die Freien Wähler im Völklinger Stadtrat, bedauert den Ausfall und weicht nach Dorf im Warndt aus: "Das Enkelchen marschiert dort in der Garde mit." Neben ihm "wühlt" die als Feldmaus verkleidete Ludweiler Ortsvorsteherin Christiane Blatt nicht lange nach Worten: "Ich gehe seit 46 Jahren mit. Es ist traurig, dass der Rosenmontagsumzug nicht stattfindet."

Pascal Isberner von den Heidstocker Narren befürchtet, dass das Brauchtum verloren geht, und betont: "Selbst ein kleiner Verein wie Heidstock bekommt es jedes Jahr hin, einen Umzug zu organisieren. Obwohl es viel Arbeit ist."

Sein Elferrats-Kollege Dieter Pick sieht in dem, was in Völklingen geschieht, ein weitreichenderes Problem: "Es ist auch woanders zu beobachten, dass der Vorstand geht und dann kein Nachfolger mehr gefunden wird, der sich der Sache annimmt."

Selbst das sonst unbekümmerte Känguru Sebastian Kühn wittert graue Wolken über dem Narren-Himmel: "Ich hab' schon Angst, dass das in Ludweiler auch passiert", sagt der 24-Jährige, der mit Ludweiler Freunden am Rathaus-Eingang herumalbert. Mit von der Partie ist auch Lisa-Maria Weiland alias Olaf der Schneemann. Sie ist nicht allzu traurig, weil sie findet, dass der Völklinger Umzug in den vergangenen Jahren "abgebaut" habe. Sie wird sich heute trotzdem auf dem Feuerwehrgelände tummeln und ihre Botschaft "Ich bin Olaf und liebe Umarmungen" an den Narren bringen. Ihre Freunde feiern dagegen in Dorf im Warndt.

Der Schmerz hält sich insgesamt in Grenzen. Es geht eben auch woanders.