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Der Rosselsprung in Ludweiler ist ein fast vergessenes Naturdenkmal

Naturdenkmäler in der Region : Verschmäht, vernachlässigt und fast vergessen

Der Rosselsprung in Ludweiler zeugt von einem längst vergangenen Erdzeitalter. Als Naturdenkmal ist er nahezu unbekannt.

Wie in allen Kommunen sind auch in Völklingen die schönsten und ältesten Bäume unter Naturschutz gestellt worden. Es gibt aber in der Mittelstadt ein geologisches Naturdenkmal, das entdeckt werden möchte. Die CDU hat es 2019 ins Wahlprogramm geschrieben: „Neben dem Weltkulturerbe gibt es innerhalb des Stadtgebietes zahlreiche Potentiale auf dem Gebiet Naturerlebnis, die drohen, in Vergessenheit zu geraten“, fand die Partei und will sich dafür einsetzen, dass der in einer ehemaligen Ludweiler Sandgrube gelegene Rosselsprung wieder zugänglich gemacht wird.

Der Rosselsprung! Der droht nicht in Vergessenheit zu geraten, denn den kennt kaum jemand. Über die Kirchstraße gehen wir in den kleinen Wald hinter den Häusern, nach 50 Metern steht man vor einer gelben Sandsteinwand. Im Wald liegt Müll, der Weg ist ein schlechter Pfad, selbst in der unter Naturschutz stehenden Sandsteinwand hängen Plastiktüten. Der Fels ist eingezäunt, er ist gesichert vom Eigentümer, der RAG. Das Unternehmen hat Angst, dass spielende Kinder abstürzen könnten. Aber der Zaun hat Löcher, viele davon. Allein die Wildschweine halten wohl wenig von der Barriere und reißen sie regelmäßig auf.

Der Rosselsprung ist im Amtsblatt des Saarlandes als Naturdenkmal gelistet, vor Ort merkt man nichts davon. Geologen schrieben Aufsätze darüber, haben den Eisengehalt des Sandsteins und sein Alter untersucht. Der Rosselsprung gibt demnach Aufschluss über frühere Zeiten der Erdgeschichte vor 260 bis 300 Millionen Jahren. Im vergangenen Jahrhundert wurde der Rosselsprung auf einer Postkarte von Ludweiler verewigt, dann kaum mehr erwähnt, außer in einem Antrag an das Leader-Förderprogramm der Europäischen  Union, das die ländliche  Entwicklung im Warndt unterstützt. Wieder erinnerte man sich an das Naturdenkmal. Aus Brüssel hat wohl keiner nachgesehen, wie es um den Rosselsprung bestellt ist. Bis heute ist der Fels im Dornröschenschlaf, das Wahlprogramm hat offenbar nichts daran geändert.

Weitere Naturdenkmäler sind Bäume. Sieben stehen in der Denkmalliste, auch die, die es nicht mehr gibt, wie die Onkelseiche am Warndtgymnasium. Noch vorhanden sind die Eiche am Ehrenbrünnchen, die Platanen in der Schillerstraße oder am Bahnhof Luisenthal und die Esskastanie am Wasserwerk Simschel, die einzige geschützte Esskastanie im Regionalverband am Ufer des Köllerbachs. Ein Lehrpfad weist hier auf den Wert der alten Bäume hin und beschreibt deren Holz als Lebensraum für 6800 Tier- und 1600 Pilzarten.

Ein alter Baum liefert Sauerstoff für zehn Menschen am Tag, filtert 20 Kubikmeter Luft und schütze die Landschaft vor Erosion, steht hier an einer alten Eiche, die ebenfalls eine Denkmalplakette trägt. Jedenfalls finden die alten Bäume inzwischen mehr Aufmerksamkeit als früher. Dem Rosselsprung kann man sie bisher nur wünschen.