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So kann’s gehen
Der ICE der Geschwätzigkeit nähert sich rasant

FOTO: Robby Lorenz / SZ
„Juppefaller“ können ganz schön nerven. Gut, wenn man ein paar passende Abwehrstrategien parat hat. Schließlich treten viele Nervensägen ziemlich  überfallartig auf. Von Michèle Hartmann

Sie kennen den typischen „Juppefaller“. Es ist dies ein Mensch, dessen Naturell einem mit rapider Geschwindigkeit auf den Keks geht. Der ICE der Geschwätzigkeit. Man könnte ihn so nennen. Weil er sich in aller Regel über die Maßen bemerkbar macht mit Anliegen oder Episoden, die ihm wichtig sind. Er nervt. Er nervt entsetzlich. Er ist in der Lage, einem den Feierabend komplett zu vergällen. Mit Worten fällt er seinen Mitmenschen „uff de Juppe“.



Es gibt aber auch Juppefaller, die den Begriff all zu wörtlich nehmen. Die nämlich gleich zur Tat übergehen. Sie begnügen sich nicht mit einer angemessenen körperlichen Distanz. Und merken es nicht einmal. Solch ein Exemplar begegnet einem gelegentlich im Wirtshaus. Sobald der Juppefaller die Tür hereinkommt,  verkrampft man. Es fühlt sich in etwa an, als stünde man im Saloon einem breitbeinigen, brutalen Western-Killer gegenüber, der genüsslich den Revolver zieht und sich auf das Erlegen seines Feindes vis à vis vorbereitet. Waidmannsheil. Man erstarrt und hofft, dass das Martyrium ein schnelles Ende findet.

Man kann aber nicht mehr fliehen. Man ist der Spezies Mensch mit Haut und Haaren ausgeliefert. Denn blöderweise sind die Stühle rechts und links am Büfett just heute Abend nicht besetzt, so dass er ungehindert näher kommt. Er freut sich, dass er mal wieder ein Opfer gefunden hat. Wie eine ausgehungerte Kreuzspinne nähert er sich  seinem Opfer, um es zu lähmen und dann zu verspeisen.

Derjenige, der mir seinen Monolog  aufdrückt, geht nun, während er mich mit seinem Geschwätz zusuddelt, zum finalen Angriff über. Jeder seiner Sätze wird begleitet von einem kleinen Knuff. Hierzu fährt er den Ellenbogen aus und rammt ihn mir in den Oberarm – zur Untermauerung seiner qualvollen Erzählungen. Es folgt das Zoppeln am Ärmel des Oberteils. Nicht einmal, sondern permanent.

Inzwischen hat in Rage geredet. Und derweil hat sein Gesicht auch gleich eine rötliche Färbung angenommen. Das erkenne ich deutlich, weil sein Gesicht nur noch wenige Millimeter von meinem entfernt ist. Bevor sich jedoch seine Augen in meine bohren, weiche ich zurück. Weil auch die Aussprache von trocken zu tröpfelnd übergeht.

Manchmal ist man einfach zu höflich. Man sitzt da und lässt alles über sich ergehen. Anstatt zu sagen: „Alda, gebb dich. Es reicht. Mach moo doucement, so geht das alles nit.“ Oder: „Stopfen Sie mal Ihre hyperaktiven Hände in die Hosentaschen.“ Solche Sätze sollte man können. Für den Notfall.