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Neuberger-Stadion
Der FCS stellt bereits Bauantrag

Vor dem Mietvertrag stand im Januar 2016 eine Ortsbegehung im Völklinger Hermann-Neuberger-Stadion.
Vor dem Mietvertrag stand im Januar 2016 eine Ortsbegehung im Völklinger Hermann-Neuberger-Stadion. FOTO: Andreas Schlichter
Völklingen. Wenn der 1. FC Saarbrücken aufsteigt, braucht er schnell ein drittligareifes Stadion. Er hat einen Bauantrag für den Umbau des Hermann-Neuberger-Stadions in Völklingen gestellt. Von Bernhard Geber

Der 1. FC Saarbrücken plant ernsthaft, das Völklinger Hermann-Neuberger-Stadion fit für die dritte Liga zu machen. Wie Oberbürgermeister Klaus Lorig (CDU) gestern unserer Zeitung bestätigte, hat der Fußball-Regionalligist einen entsprechenden Bauantrag im Völklinger Rathaus eingereicht. Dieser ist allerdings noch mit dem Hinweis versehen, es würden nach wie vor Alternativen geprüft. Da ist unter anderem noch Elversberg im Spiel. Oberbürgermeister Lorig betrachtet den Antrag im Prinzip als genehmigungsfähig. Wobei aber Detailfragen offen sind, wie Erik Kuhn, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Stadtrat, betont. Am 22. Februar werden Vertreter des FCS im Stadtrat erwartet, um den Kommunalpolitikern Rede und Antwort zu stehen.


Nach den Vorgaben des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) wäre im Hermann-Neuberger-Stadion eine Menge zu tun. Für Drittliga-Spiele müssen mindestens 10 001 Plätze vorhanden sein. Das hieße, dass die Ränge in der Nordkurve (in Richtung Tennisplätze) wieder freigelegt werden müssten. Diese waren 2007 mit Erdreich bedeckt und begrünt worden, weil der SV Röchling Völklingen damals nicht mehr so viele Plätze brauchte. Die Tribüne müsste erweitert werden, weil der DFB auch ein höheres Kontingent an Sitzplätzen vorschreibt. Da käme auch ein mobiles Tribünen-Element in Frage. Die Flutlichtanlage müsste erheblich aufgerüstet werden. Und auf mittlere Sicht müsste eine Rasenheizung her. Die Rechnung für die nötigen Umbauten dürfte sich auf an die zwei Millionen Euro belaufen. Das Stadion gehört der Stadt. Oberbürgermeister Lorig geht aber davon aus, dass der FCS (wie bereits bisher) alle Baumaßnahmen bezahlt.

Der Bauantrag ist sozusagen auf Vorrat gestellt. Wenn der FCS aufsteigt, müsste das Stadion jedenfalls zu Beginn der Drittliga-Saison startbereit sein. Das heißt, die Bauarbeiten müssten womöglich bereits im Juni beginnen. Das Vorhaben sei positiv zu betrachten, meint Lorig: „Sowohl die Stadt als auch der SV Röchling Völklingen hätten etwas davon.“ Live-Übertragungen von Spielen im TV bedeuteten auch einen Image-Gewinn. Eine Rasenheizung („Fernwärme ist vor Ort vorhanden“) sorge dafür, dass der Platz dauerhaft bespielbar sei. Das Parkplatzproblem könne laut FCS durch ein Abkommen mit dem Völklinger Weltkulturerbe entschärft werden. Vom dortigen großen Parkplatz aus könnten Shuttle-Busse die Fans zum Stadion befördern.



Bisher zahlt der FCS an die Stadt rund 3500 Euro Miete pro Spiel. Angeblich will er, dass sein Invest mit einem Mietnachlass honoriert wird. Lorig dazu: „Das muss man eher umgekehrt sehen. Gleichzeitig steigen ja auch die Kosten der Stadt für Absperrung, Reinigung, Feuerwehr und Kommunalen Ordnungsdienst.“

Die Grünen sind keine Freunde der FCS-Gastspiele in Völklingen. „Ich erwarte, dass die Stadt zumindest keinen finanziellen Schaden davonträgt“, sagt ihr Stadtrats-Fraktionschef Manfred Jost. Was die Stadionfrage angehe, könne der FCS nicht endlos pokern: „Diese Invest-Entscheidung muss rechtzeitig getroffen werden.“ Ansonsten spiele auch das Tempo bei der Fertigstellung des Ludwigspark-Stadions in Saarbrücken („Vielleicht entwickelt sich der zu einem zweiten Stuttgart 21“) eine Rolle. Jost: „Wenn der FCS nur noch zwei Jahre vor sich hat, ist die Miete in Elversberg billiger als ein Invest in Völklingen. Wenn es drei, vier Jahre werden, dann lohnt sich Völklingen.“

„Wir sehen das Projekt eher skeptisch, zumal die Stadt womöglich auf den Folgekosten sitzen bleibt, wenn der FCS dann wieder in den Ludwigspark zurück geht“, meint Paul Ganster, Fraktionsgeschäftsführer der Linken. Ein solcher Ausbau wirke für Röchling Völklingen überdimensioniert. Ansonsten habe Völklingen durch den FCS „zwar ein paar Einnahmen, aber jedesmal chaotische Zustände in der Stadt“.

„Der Ausbau wäre durchaus eine Wertsteigerung für unser Stadion“, sagt SPD-Fraktionschef Erik Kuhn. Es bleibe aber bei dem Prinzip, dass er die Stadt auch in der Folge nichts kosten dürfe. Es sei etwa zu klären, ob die zusätzliche Tribüne wieder abbaubar sei, ob die neue Flutlichtanlage zusätzliche Stromkosten verursache und ob und wie man eine Rasenheizung („Röchling Völklingen braucht sie in der vierten Liga nicht“) warten müsse.

Mit diesem Händedruck besiegelten Oberbürgermeister Klaus Lorig (links) und FCS-Präsident Hartmut Ostermann im Februar 2016 den Mietvertrag für das Hermann-Neuberger-Stadion.
Mit diesem Händedruck besiegelten Oberbürgermeister Klaus Lorig (links) und FCS-Präsident Hartmut Ostermann im Februar 2016 den Mietvertrag für das Hermann-Neuberger-Stadion. FOTO: Wieck / Thomas Wieck