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Polizei
Der Einfallsreichtum der Betrüger ist groß

„Hallo, Oma, ich bin’s“: Ein angeblicher Verwandter ruft an und bittet wegen einer angeblichen Notlage um Geld. So oder ähnlich funktioniert der Enkeltrick, der sich bei Betrügern immer noch großer Beliebtheit erfreut.
„Hallo, Oma, ich bin’s“: Ein angeblicher Verwandter ruft an und bittet wegen einer angeblichen Notlage um Geld. So oder ähnlich funktioniert der Enkeltrick, der sich bei Betrügern immer noch großer Beliebtheit erfreut. FOTO: dpa / Julian Stratenschulte
Völklingen. Polizei Völklingen warnt: Mit Enkeltrick und Internet-Nepp werden Menschen um ihr Erspartes gebracht. Die Fallzahlen steigen. Von Ulrike Paulmann

Die einen sagen, sie hätten einen Unfall gehabt, lägen jetzt im Krankenhaus. Andere geben an, sie säßen gerade beim Notar, seien dabei, eine Wohnung zu kaufen. Wieder andere machen vor, von der Polizei zu sein und bitten um „Mithilfe“, weil beim Nachbar eingebrochen worden sei. Manche gaukeln auch Liebe vor. Und immer endet es damit, dass aus irgendeiner angeblichen Notlage oder sonstigen verzwickten Situation heraus Geld oder Ähnliches gefordert wird.


Nur einige Beispiele für unzählige andere: Wenn es darum geht, sich an anderen zu bereichern, dann sind Betrüger extrem fantasievoll und eifrig. Auch im Einzugsgebiet der Polizeiinspektion (PI) Völklingen. „Der Straftatbestand Betrug ist stetig am Steigen“, berichtet der Leiter der PI, Michael Zapp. Vor allem zwei Bereiche seien sehr massiv, sagt er: der so genannte Enkeltrick und Betrügereien übers Internet. Im Gespräch mit der SZ gibt er zusammen mit der Leiterin des Kriminaldienstes, Susanne Hell, und ihrem Stellvertreter Rüdiger Dilschneider Einblicke in die Thematik. Susanne Hell hat auch  Zahlen parat: Im Jahr 2016 (von 2017 gibt es noch keine Statistik) wurden vom Kriminaldienst in Völklingen etwa 600 Strafanzeigen in Sachen Betrug bearbeitet, „wie viele davon den Enkeltrick oder Internetbetrug betrafen, ist nicht zu sagen“.

Den Beamten ist es wichtig, immer wieder auf die verschiedenen Maschen der Betrüger aufmerksam zu machen. Denn wenn erst etwas passiert ist, ist es oft schwierig, wieder zu seinem Geld zu kommen: „Die Aufklärungsquote ist sehr gering“, sagt Rüdiger Dilschneider. Umso bedeutsamer sei die Vorbeugung und immer wiederkehrende Warnung. „Grundsätzlich sollte man ein gesundes Misstrauen haben“, sagt Michael Zapp. Und niemand habe etwas zu verschenken.



Da wäre zum einen der Enkeltrick. Laut Susanne Hell wurden landesweit im Jahr 2016 etwa 300 Fälle registriert. Und für 2017 werde damit gerechnet, dass die Zahlen im Saarland stark ansteigen. Der Enkeltrick ist nicht neu. Doch „trotz medialer Aufmerksamkeit“, so PI-Leiter Zapp, fallen immer wieder vor allem ältere Leute auf falsche Verwandte herein und verlieren unter Umständen Tausende von Euro. „Im Telefonbuch werden systematisch Namen ausgewählt, die mutmaßlich älteren Menschen gehören“, berichtet Rüdiger Dilschneider. Der angebliche Verwandte bittet kurzfristig um Geld, alles ist sehr dringend. Ein Bote wird angekündigt. Dass das Gegenüber am Telefon eigentlich eine andere Stimme hat, wird gekonnt überspielt, sagen die Polizisten. Mal heiße es, man sei erkältet, mal werde eine Sprachstörung vorgetäuscht, mal rufe jemand im Auftrag des Verwandten an. Und so weiter. „Die Inhalte ändern sich, immer geht es aber darum, dass die Betrüger an das Geld der Menschen kommen wollen“, sagt Zapp. Die Täter gingen sehr professionell vor, die Anrufe kämen nicht selten von Callcentern aus dem Ausland. Er berichtet auch von regelrechten „Anruf-Wellen“, an manchen Tagen gebe es dann zig Hinweise. „Und das sind nur die, die sich melden, die Dunkelziffer ist hoch.“

Wie aber kann man sich vor einem derartigen Betrug schützen? „Wenn es um Geld geht: sofort auflegen, die Nummer notieren und die Polizei verständigen“, sagt Dienststellenleiter Zapp. Wichtig sei, sich nicht in ein Gespräch verwickeln zu lassen und auch keine Daten von sich preiszugeben. Wenn man unsicher sei, könne man ja den angeblichen Anrufer auf der Nummer anrufen, die man selber von ihm habe (nicht etwa geben lassen) oder sich bei einer Vertrauensperson rückversichern. „Man sollte sich nie unter Zeitdruck setzen lassen.“

Fast jeder bewegt sich heutzutage im Internet, viele bezahlen auch darüber – das nutzen Täter, um Daten abzugreifen und die Leute zu neppen. Der Betrug betrifft hier vor allem Menschen mittleren Alters, sagen die Experten. Betrüger kämen beispielsweise über Kontaktbörsen an ihre Opfer, sagt Susanne Hell. Und berichtet von einem angeblichen US-Soldaten, der seine vermeintliche Internetliebe bat, „Zollgebühren“ zu zahlen. Auch anders wird das Geld aus der Tasche gezogen: „Eine Frau hatte übers Netz einen Nebenjob gesucht, sollte ein Paket für jemanden annehmen“, sagt sie. Das Paket kam, wurde später abgeholt. Aber ihr flatterte später die teure Rechnung ins Haus.

Schnäppchenjäger fallen zuweilen auf falsche Shops herein. „Ein teures Telefon gibt es auch im Internet nicht für die Hälfte“, und: „Auch 20 gute Bewertungen können gefälscht sein“, sagen die Beamten der PI und raten zur Vorsicht. Gerade auch bei Gewinnspielen. Oder wenn mit Geldforderungen gedroht wird. Nützlich, sagt Susanne Hell, kann es auch sein, regelmäßig seine Kontoauszüge zu kontrollieren. Manche Betrüger nutzten hier die Masche, nur kleine Beträge abzubuchen. Das falle nicht so auf.

Susanne Hell, 
Leiterin des 
Kriminaldienstes bei der Polizei Völklingen.
Susanne Hell, Leiterin des Kriminaldienstes bei der Polizei Völklingen. FOTO: Ulrike Paulmann
Michael Zapp, Leiter der 
Polizei 
Völklingen.
Michael Zapp, Leiter der Polizei Völklingen. FOTO: Ulrike Paulmann
Rüdiger 
Dilschneider, Susanne Hells Stellvertreter.
Rüdiger Dilschneider, Susanne Hells Stellvertreter. FOTO: Ulrike Paulmann