Landesbeste im Beruf: Der Banker, der lieber Hotelfach lernte

Landesbeste im Beruf : Der Banker, der lieber Hotelfach lernte

Christopher Rauch ist landesbester Azubi 2017 im Hotelfach, ausgebildet am Völklinger Leonardo Hotel. Welche Auszubildende aus der Region erhielten ebenfalls die Auszeichung der Industrie- und Handelskammer? Wir stellen sie in einer Serie vor.

Wenn ein Banker den sicheren Job bei seinem Finanzinstitut aufgibt, um das Hotelfach zu lernen, dann glaubt man die Geschichte erst mal nicht. Die Bank mit vergleichsweise gutem Lohnniveau und sicheren Arbeitszeiten tauscht man ein gegen einen Job in der Gastronomie? Klingt kurios. Und ist die tatsächliche Geschichte von Christopher Rauch (26). Der Nalbacher hatte einen Traum: „Die Gastronomie steckte mir schon immer in der Nase. Ich wollte mir nicht später einmal vorwerfen, es nicht versucht zu haben“, erzählt er. Inzwischen hat er die Lehre als Hotelfachmann beendet und wurde von der Industrie- und Handelskammer als landesbester Auszubildender ausgezeichnet.

Ausbilderin Silke Huber vom Völk­linger Leonardo Hotel ist begeistert von ihm: „Oft kommen Bewerber, die nur aus Verlegenheit eine Bewerbung bei uns abgeben. Christopher wollte ins Hotelfach. Das erlebt man in dieser Entschlossenheit nicht alle Tage“, berichtet sie und ist nicht sehr glücklich darüber, dass der Vorzeige-Azubi zum Jahresende wieder geht. Er hatte sich bei Leonardo in Hamburg beworben, dann entwickelte sich das Private in eine andere Richtung und damit der Entschluss, im Saarland zu bleiben. „Leider gibt’s bei Leonardo-Häusern gar keine Verwaltung am Ort. Ich hatte keine Aufstiegschancen in Völklingen“, begründet er seine Entscheidung, und Silke Huber nickt. Sie weiß um das Dilemma einer Hotelkette, die nur in regionalen Zentren Verwaltungsstellen hat. Sie hat Verständnis für Rauch, auch wenn sie ihn gar nicht gerne gehen lässt.

Eine Stelle in der Buchhaltung habe er angenommen, bei einem regionalen Unternehmen. Die Zeit im Hotel habe er sehr genossen. „Man hat mit Menschen zu tun und erlebt täglich irgendwelche Überraschungen. Die Stress-Resistenz wird dabei bestens trainiert“, sagt er und meint, dass man sich nach mehreren Jahren im Hotel so schnell nicht mehr aus der Ruhe bringen lasse. „Da macht man auch mal kurzerhand das Frühstück, wenn es eng wird, oder man übernimmt den Job der Hausdame“, so Rauch, dessen Stammplatz an der Rezeption war. „Meine Erwartungen haben sich voll erfüllt“, zieht er Bilanz. Trotzdem wechsele er nun wieder in ein Büro. Ob er die Hotelfachschule noch besuchen wird? Er glaubt nicht daran. Schließt es aber auch nicht aus. Unterdessen sucht das Völklinger Hotel für 2018 wieder einen oder auch zwei Auszubildende. Bewerben kann man sich jetzt schon.

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