Denkmalamt lässt sich mit Genehmigung Zeit

Denkmalamt lässt sich mit Genehmigung Zeit

Widersprüchliche Interessen und taktische Manöver prägen die Auseinandersetzung zwischen Stadt, Denkmalbehörde und Bordell-Investor. Die Fenner Bürgerinitiative sorgt sich derweil um Folgen für den Stadtteil.

Gerald Fries, Sprecher der Bürgerinitiative (BI) Rotlicht-freies Fenne , wundert sich über die neuen Baupläne für die Fläche vor dem Bordell Richtung Hausenstraße: Wie berichtet, will ein Geschäftspartner des Bordell-Betreibers dort, wo früher eine Kistenfabrik war, einen Spielbetrieb, mehrere Kneipen errichten. Fries sagte gestern am Telefon, er habe erst aus der Saarbrücker Zeitung erfahren, "was da alles noch entstehen soll".

Entgegen der Einschätzung der planenden Geschäftsleute, dass ein Bauantrag schnell positiv beschieden werde, ließ das zuständige Landesdenkmalamt im saarländischen Kultusministerium jetzt verlauten: "Der Antrag des Investors wird derzeit noch hausintern geprüft. Eine Stellungnahme zur denkmalpflegerischen Entscheidung ist zu diesem frühen Zeitpunkt deshalb nicht möglich."

Die Stadt Völklingen erklärte, die Zulässigkeit von Spielhalle und Imbissbude müsse man in einem Baugenehmigungsverfahren klären oder in einem in einem so genannten Vorbescheidsverfahren. "Bauplanungsrechtlich dürfte eine Spielhalle zulässig sein", teilt die Stadt weiter mit. Jedoch müssten auch die Vorgaben des Saarländischen Spielhallengesetzes erfüllt werden. Und über eine Spielhallengenehmigung entscheide das Landesverwaltungsamt. Und schließlich: "Im Hinblick auf einen Nachtbetrieb bestehen für diese beiden Vorhaben wegen der Lärmkontingente und der Technischen Anleitung (TA) Lärm die gleichen Bedenken wie beim Bordell."

Haus ohne Fenster ist kein Hotel



Aber nicht nur die geplante neue Baumaßnahme beschäftigt BI-Sprecher Fries: "Der Bordell-Betreiber hat verbreiten lassen, dass hier in unserem Quartier schon Wohnungen gesucht werden von den Damen, die anschaffen im Bordell." Seine Angst: "Leider stehen hier einige Häuser leer. Der Investor könnte, wenn er wollte, Immobilien aufkaufen und dann für seine Zwecke nutzen." Fries kennt das vom Bordell-Betreiber gemalte Schreckensszenario, wonach die Prostituierten, wenn sie um 22 Uhr ihre Zimmer verlassen müssen, durch Fenne irren. Er hofft, dass es so weit nicht kommt.

Christina Hennrich, zuständige Fachbereichsleiterin in der Völklinger Stadtverwaltung, erläutert die rechtliche Lage: "Der (Bordell-) Betrieb dient zu gewerblichem Zweck und nicht zu Wohnzwecken. Der Betrieb ist auch kein Hotel, was auch immer der Betreiber sagt. Ein Hotel ohne Fenster würden wir doch nie genehmigen. Ergo dürfen wir nur den Tagbetrieb zulassen."

Wohnen ist im Gebiet unzulässig



Auch auf die Einwände des Investors Norbert Kagarlizkij, dass auch Frauen aus anderen Städten oder sogar Ländern dort arbeiten würden, die dort auch leben wollten, hat sie eine Antwort: "Um 22 Uhr müssen die Prostituierten das Haus verlassen und können sich ausruhen." Im übrigen sei das Gebiet, auf dem die ehemalige Glashütte stehe, Gewerbegebiet und kein Wohngebiet. Wohnen sei also unzulässig dort.

"Wenn sich die Frauen dann eine Wohnung suchen, sind sie dort gemeldet." Ansonsten gelte der Hauptwohnsitz als Lebensmittelpunkt. Wenn Frauen aus Sofia oder Warschau in Fenne arbeiten und Unterschlupf bei Bekannten fänden, spreche rechtlich nichts dagegen. "Es gibt ja Leute, die übernachten - sogar jahrelang - bei ihren Freunden auf dem Sofa und sind somit nicht mit eigenem Wohnsitz gemeldet."

Mehr von Saarbrücker Zeitung