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Den Kindern über die Schulter schauen

Den Kindern über die Schulter schauen

Das Internet ist voller verlockender Angebote. „Persönliche Daten sind der Preis für kostenlose Geschenke“, warnt aber Referent Daniel Krauß bei der Elternschule der Völklinger Volkshochschule (VHS). Wer etwas preisgebe, solle auch daran denken: „Das Internet vergisst nie.“

Viele Angebote im Internet sind kostenlos. Man hört seinen Lieblingssong auf YouTube , veröffentlicht Party-Fotos bei Facebook , googelt Krankheiten oder führt mit Skype ein Videotelefonat. Den Service gibt es allerdings nicht umsonst. "Persönliche Daten sind der Preis für kostenlose Geschenke", erklärt Daniel Krauß am Dienstagabend in der Grundschule Heidstock-Luisenthal.

"Was weiß das Internet über uns?", lautet die Frage in der Elternschule der Volkshochschule Völklingen. Der Dozent gibt die Antwort: Google merkt sich, was gesucht und angeklickt wird. Das Surfverhalten lässt Rückschlüsse auf Hobbys, gesundheitliche Probleme oder Reiseziele zu. Die Firma erkennt womöglich auch, ob jemand auf Jobsuche ist oder einen Kinderwunsch hat.

Aber wozu der ganze Aufwand? "Wissen ist Macht beziehungsweise Geld", erklärt Wirtschaftsinformatiker Krauß. Aus den gesammelten Daten schlagen die Unternehmen Kapital, der Umsatz wird mit Werbung gemacht. Sie wird zielgruppengerichtet gebucht. Ein Beispiel: Einem Internetnutzer , der in einer von einer Sturmflut bedrohten Gegend wohnt, präsentiert man Reklame für Sandsäcke. "Je öfter Werbung geklickt wird, umso mehr Provision wird gezahlt", erläutert Experte Krauß. Platzhirsch Google machte 2015 weltweit einen Umsatz von 74,54 Milliarden US-Dollar; 90 Prozent davon durch Werbung.

"Das Internet vergisst nie, zumindest nicht freiwillig", warnt Krauß. Infos, die gelöscht scheinen, sind immer noch da. Als Beleg präsentiert der Fachmann einen alten Internetauftritt der Heidstocker Grundschule. Die Erklärung: Es gibt Webseiten , die andere Webseiten speichern.

Und wie kann man sich schützen? Personenbezogene Daten dürfen ohne Erlaubnis nicht gespeichert werden. Internetnutzer wissen allerdings: Wer das Häkchen unter die Nutzungsbestimmungen verweigert, kommt nicht weit. Wer Informationen löschen lassen will, sollte den Webseiten-Betreiber kontaktieren. Laut Europäischem Gerichtshof gibt es ein Recht auf digitales Vergessen.

Vorsorge ist wichtig, man sollte genau überlegen, welche persönliche Daten preisgegeben werden. Wer unterschiedliche E-Mail-Adressen nutzt, Browser-Cookies löscht, sich immer ausloggt und die Satelliten-Ortung auf dem Handy ausschaltet, erschwert der Datenkrake die Arbeit. "Vergeben Sie sichere Passworte", rät Krauß weiter. Sie sollten mindestens zwölf Zeichen lang sein.

Den Eltern rät er, die Kinder im Internet zu begleiten und sich alle Dienste und Programme anschauen, die der Nachwuchs nutzt.