1. Saarland
  2. Saarbrücken
  3. Völklingen

Dauereinsatz gegen Keime und Viren: Hygiene-Team SHG-Klinik Völklingen

Hygiene ist der beste Schutz : Im Dauereinsatz gegen Keime und Viren

Norovirus & Co. auf die Schliche kommen, bevor sie Schaden anrichten: Die Hygiene-Abteilung der SHG-Kliniken in Völklingen

Wer gesund bleiben wollte, der opferte im alten Athen der Göttin Hygieia Trauben und Oliven, vielleicht auch ein Tier. Heute denkt man bei dem Wort „Hygiene“ zwar nicht mehr an die Göttin der Gesundheit, hält aber durchaus Krankheiten fern, wenn man die gefährlichen unter den Keimen, Viren und Bakterien mittels Hygiene in Schach hält. In den Völklinger SHG-Kliniken ist dafür – ganz ohne Opfer – das vierköpfige Team um den Krankenhaushygieniker Dr. Franz Hausinger zuständig. 

Was macht ein Krankenhaushygieniker? Den lieben langen Tag Desinfektionsspray versprühen ... ? Nein, sicher nicht. Wie komplex das Berufsfeld ist, zeigt sich schon daran, dass die drei Hygienefachkräfte im Team des Arztes zwei Krankenschwestern und ein Krankenpfleger sind, die jeweils eine gut zweijährige Zusatzausbildung durchlaufen haben. Auch Franz Hausinger, von Hause aus Herzchirurg und seit 29 Jahren für die SHG-Kliniken im Einsatz, hat Zusatzausbildungen absolviert und ist seit 23 Jahren im Bereich Hygiene tätig. 

Die Hygiene-Abteilung ist unter anderem die Schnittstelle zum Gesundheitsamt und hat darauf zu achten, dass die Vielzahl der sich oft ändernden Hygiene-Verordnungen und -Gesetze eingehalten werden. „Schon um juristisch abgesichert zu sein“, so Hausinger, „müssen wir alles dokumentieren und nachweisen können, dass alle Vorgaben eingehalten werden.“

Die Krankenhaushygieniker machen Schulungen für alle Klinikmitarbeiter, für den Chefarzt genauso wie für die Reinigungskraft (Welche Desinfektions- und Reinigungsmittel setze ich wo ein? Welche Abfälle müssen wie entsorgt werden?). Das Team stellt auch die Desinfektionspläne zusammen, wählt die passenden, möglichst rückfettenden Hand-Desinfektionsmittel, achtet auf deren individuelle Vertrtäglichkeit, begleitet Umbauprojekte. Hausinger: „Wege sollen zum Beispiel so geplant sein, dass Abfälle und gebrauchte Bettwäsche nicht über Flure abtransportiert werden, die auch Patienten benutzen.“ Auch die ZSVA („Zentrale Sterilgut Versorgungs-Abteilung“) wird vom Hygiene-Team überwacht, dort landen insbesondere alle Mehrweg-Instrumente, die bei Operationen benutzt wurden. Die werden erst vorgereinigt, kommmen dann in eine Art übergroße Spülmaschine, die auch vom benachbarten Reinraum aus geöffnet werden kann. Dort werden alle Instrumente noch mit 134 Grad heißem Dampf aus der Zentralen Dampfversorgung sterilisiert, für alle Arten von Operationen vorsortiert, dann steril in Alu-Behälter verpackt. Und natürlich wird immer und immer wieder auf allen Stationen und besonders bei isolierten Patienten kontrolliert; Hausinger überschlägt: „Pro Tag lege ich so etwa zehn Kilometer zurück.“

Die Corona-Pandemie ist eine zusätzliche und besondere Herausforderung. Dabei ist das Team nicht nur für die besonderen Hygiene-Anforderungen, sondern auch für die Kontaktverfolgung innerhalb der Klinik mit ihren rund 1400 Mitarbeitern zuständig. Zudem werde sehr großzügig getestet: „In den vergangen drei Tagen haben wir 150 Tests beim Personal gemacht.“

Und in „normalen“ Zeiten, unabhängig von Corona, wo liegen da besondere Risiken in einer Klinik? Tuberkulose komme zwar relativ selten vor, sei aber sehr ansteckend, da die zum Beispiel ausgehusteten Bakterien lange in der Luft schweben. Und in Sachen Ansteckung geradezu eine Atombombe sei der Norovirus: „Übergibt sich ein Patient und jemand beseitigt das ungeschützt, kann man ziemlich sicher sein, dass derjenige angesteckt ist.“ Daher werden Patienten, die Durchfall bekommen, sofort isoliert, bis die Ursache ermittelt ist.

Und die berühmten „Krankenhauskeime“? „MRSA (Multi-resistenter Staphylococcus aureus“) – das ist nicht mehr das große Problem.“ Etwa drei Prozent der Menschen tragen den Keim auf der Haut, ohne dass sie es merken. Gefährlich wird er insbesondere, wenn er auf Kranke übertragen wird.

Dr. Franz Hausinger, Leiter der Hygieneabteilung der SHG-Kliniken, mit einer Abklatschschale: In einer kleinen Kunststoff-Schale befindet sich steriler Nährboden, der auf einen Gegenstand – hier eine Spüle – oder auf die Haut gedrückt wird und dort etwaige Keime oder Bakterien aufnimmt. Im Brutschrank vermehren sich die Keime und können identifiziert werden. Foto: BeckerBredel
Petrischale mit MRSA-Keimen. Foto: dpa/Armin Weigel

Gefährlicher seien aber inzwischen die 4MRGN – „multiresistente gramnegative Stäbchen“ –, die gegen alle vier bekannten Antibiotika-Klassen resistent sind und, werden sie übertragen, zu Lungenentzündungen oder Wundinfektionen führen können. Vor der Übertragung siedeln diese Keime im Darm mancher Menschen, ohne dass die etwas davon merken. Dr. Hausinger: „Unter den Krankheitserregern sind die Schwarzfahrer die schlimmsten.“