„Das war fast alles wie echt“

Der Affe, den Beatrice Hutter am Mittwochnachmittag den Kindern zeigte, war aus Stoff. War er das? Die Schweizerin spielte mit der Fantasie der kleinen Klamauk-Besucher, dass ihnen fast schwindlig wurde. Aber nur fast.

Am Mittwoch kam der Zirkus in die Stadt. Ein großer Zirkus, und deshalb war schon vorher klar, worauf man sich freuen durfte: Unter einem riesigen Viermastenzelt können die Besucher rings um die Manege herum in Sitzreihen von Loge bis 2. Rang Platz nehmen. Über dem Eingang zur Manege wartet ein leibhaftiges Orchester mit seinem Dirigenten auf seinen Einsatz. Und jetzt tritt der Zirkusdirektor im Frack heraus und begrüßt das hochverehrte Publikum, dem er eine weltweit berühmte Vorstellung verspricht.

Und dann geht es los: Affen hüpfen um die Popcorn-Maschine, der Clown lacht und weint gleichzeitig, Tiger tanzen Polonaise, Löwen balancieren auf dem Hochseil, Elefanten schwingen sich von Trapez zu Trapez, und der Direktor springt wie immer zum Schluss durch einen brennenden Reifen. Oder so ähnlich.

Wer nämlich genau wissen will, was da beim dritten Klamauk geschehen ist, der muss die rund 200 Kinder fragen, die mit Spannung und viel Spaß die Zirkusvorstellung "Poly Popcorn" mit Beatrice Hutter erlebt haben. Denn all das, worauf man sich vorher freuen durfte, war zum Völklinger Kolpingplatz gekommen - zumindest in der Fantasie der Kinder. Real zu sehen waren nur Beatrice Hutter, ein kleines Zelt, eine Haushaltsleiter, eine Popcorn-Maschine und ein Stoffaffe. Aber das genügte der erfahrenen Kindertheaterfrau, in der Vorstellungskraft der Kinder und vieler Erwachsener eine Zirkus-Atmosphäre entstehen zu lassen.

Beatrice Hutter, Schweizerin und gelernte Erzieherin, spielte das Zirkuskind Poly, das eine so berühmte Seiltänzerin wie der Zirkusstar Esmeralda werden will und dies ihrer Familie verkündet. Der Papa ist Clown, der Opa Löwendompteur, der Onkel Messerwerfer, Mama jongliert mit Gemüse, aber sie alle winken ab und vertrösten Poly - mit Stimmen aus dem Off - auf morgen. Denn zuerst müsse sie Lesen und Schreiben lernen. "Das brauche ich doch nicht zum Seiltanzen!", schimpft Poly. Sie muss zunächst mit Opa die Löwen in der Manege begleiten, und dann fällt auch noch der Strom aus, weil ein Löwe seine Mähne mal wieder föhnen will.

Doch heimlich übt sie auf dem Seil, sogar als Geigerin, und mit zwölf kann sie schon unter der Kuppel - hoch oben auf der Haushaltsleiter - balancieren. Als sie volljährig ist, hat sie ihre eigene Zirkusnummer: Seiltanz hoch oben mit Geige-Spiel. "Eine Balancierstange wäre besser", konstatiert der siebenjährige Micha in der zweiten Reihe. Egal, alle rufen "Bravissimo!", und der Beifall tobt auf dem Kolpingplatz und vom Band.

Und zum Schluss treffen sich Realität und Fantasie an der Popcorn-Schüssel. 238 Popcornflocken werden verteilt, und durch krachende Mundgeräusche hindurch murmelt ein Kind: "Das war alles fast wie echt!"

Am nächsten Mittwochnachmittag, 19. August, 15 Uhr, wird Eddi Zauberfinger mit seinem "Liedertheater" die Klamaukserie auf dem Völklinger Kolpingplatz fortsetzen. Der Eintritt ist frei.