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Zapfenstreich
Da flossen Tränen der Rührung

Feierlicher Abschied – auf dem Podium (von links) Wehrführer Herbert Broy, Oberbürgermeister Klaus Lorig, Bürgermeister Wolfgang Bintz und der Geislauterner Löschbezirksführer Harald Wilhelm.
Feierlicher Abschied – auf dem Podium (von links) Wehrführer Herbert Broy, Oberbürgermeister Klaus Lorig, Bürgermeister Wolfgang Bintz und der Geislauterner Löschbezirksführer Harald Wilhelm. FOTO: BeckerBredel
Geislautern. Mit viel Emotion: Völklingens Feuerwehr verabschiedet die Rathausspitze mit Großem Zapfenstreich. Von Andreas Lang

Die feste Stimme des geübten Redners versagte plötzlich. Als sich Völklingens Oberbürgermeister Klaus Lorig zum Abschluss des Großen Zapfenstreichs, mit dem ihn die Freiwillige Feuerwehr seiner Stadt zum Abschluss der Feierlichkeiten am neuen Geislauterner Feuerwehrgerätehauses als Chef der Wehr verabschiedete, an „seine Kameraden“ wandte, musste er einen Moment innehalten. Erst einige Sätze später hatte die Stimme wieder die Obermacht über die Gefühle des Redners gewonnen.


Dass Emotionen die Rede unterbrechen würden, hatte sich zuvor schon länger abgezeichnet. Den ganzen Großen Zapfenstreich über hatte Lorig schon nahe am Wasser gebaut. Sich hin und wieder eine Träne von der Wange gewischt und war dennoch mit feuchten Augen ertappt worden.

Ja, und als Wehrführer Herbert Broy ihn dann noch, ebenso wie den ebenfalls Ende des Monats aus dem Amt scheidenden Bürgermeister Wolfgang Bintz, zum Ehrenmitglied der Freiwilligen Feuerwehr Völklingen ernannte, da brachen sich die Tränen ihren Weg.

Der Große Zapfenstreich ist die höchste militärische Zeremonie in der Bundesrepublik. Neben den Streitkräften steht sie auch den Feuerwehrleuten zu. Fackeln gehören dazu, Marschieren im Gleichschritt ebenfalls. Und eine ziemlich genau festgelegte Abfolge, dem Publikum ist Applaudieren bis zum Schluss untersagt. Zwischen dem York‘schen Marsch, mit dem die Ehrenformation den Platz betritt, und der abschließenden Nationalhymne gibt es Kür und Pflicht. Zu Letzterer zählt unter anderem das „Locken zum Zapfenstreich“, das meist ein Spielmannszug übernimmt.

Im Geislauterner Fall war das der Spielmannszug der Feuerwehr Sulzbach. Die Kür wird mit dem Kommando „Serenade“ eingeleitet, sie besteht aus bis zu vier Musikstücken, die in der Regel der Geehrte aussucht. Am Sonntagabend waren unter anderem „Preußens Gloria“ und „My Way“ vom Orchester der Musikfreunde Perl-Besch zu hören. Nicht Lorigs ausdrücklicher Wunsch,  sondern: „Ein Vorschlag, dem ich so zugestimmt habe.“ Weiteres Kennzeichen – und ebenso Teil der Pflicht – ist das Gebet, in Geislautern vom stellvertretenden Löschbezirksführer Michael Heusch traditionell eingeleitet: „Helm ab zum Gebet!“



Und das sagten die Verabschiedeten: Lorig: „Selbstverständlich bleibe ich euch erhalten und trete selbstverständlich auch der Alterswehr bei, ich werde euch immer in meinem Herzen tragen.“ Bintz war beeindruckt von der Solidarität innerhalb des Führungspersonals, als es bei einer Tagung in Losheim darum gegangen sei, ob Geislautern ein neues Feuerwehrgerätehaus bekommen soll: „Da waren alle dafür.“

Übrigens wird sich zwischen dem scheidenden Chef der Wehr und seinem Wehrführer demnächst das Vorgesetztenverhältnis umkehren. Bei der Einladung, demnächst offiziell der Alterswehr beizutreten, konnte Broy es sich nicht verkneifen, darauf hinzuweisen: „Ich bin ja dann bald euer Vorgesetzter, und als solcher erwarte ich die Anmeldeanträge pünktlich auf meinem Schreibtisch.“ Beide sagten zu, und  Heiterkeit verdrängte Wehmut.