Im kommenden Juni: Christiane Blatt beerbt Klaus Lorig

Im kommenden Juni : Christiane Blatt beerbt Klaus Lorig

Die Oberbürgermeister-Wahl ist entschieden. Christiane Blatt (SPD) wird im kommenden Juni die Nachfolge von Klaus Lorig (CDU) antreten.

Christiane Blatt (SPD)  wird im Juni 2018 Nachfolger von Oberbürgermeister Klaus Lorig (CDU) im Völklinger Rathaus. Am Sonntagabend kurz vor 19 Uhr  stand nach einem regelrechten Auszählungs-Krimi das Ergebnis der Stichwahl fest: Exakt 51,09 Prozent der Wähler hatten für Christiane Blatt, 48,91 Prozent für Mitbewerber Stephan Tautz (parteilos) votiert. Die Wahlbeteiligung lag diesmal mit 12 514 abgegebenen gültigen Stimmen bei nur 42,2  Prozent.

Christiane Blatt (51), gelernte Kauffrau, Völklinger Landtagsabgeordnete und Ludweiler Ortsvorsteherin, hatte anfangs noch mit ihrer Kandidatur gezögert. Die SPD war  kalt erwischt worden, als Amtsinhaber Lorig (65), eigentlich noch bis September 2019 gewählt, Mitte Mai überraschend bekanntgab, zum 31. Mai 2018 freiwillig auszuscheiden. Anschließend hatte sich Blatt, die auch SPD-Parteichefin in Völklingen ist, aber engagiert in den Wahlkampf gestürzt. Sie werde die Stadt wieder auf die Beine stellen, verkündete sie. Völklingen dürfe kein Vorort von Saarbrücken werden. Am Wahlabend sagte sie, sie sei „sehr erfreut“ über das Ergebnis: „Am Schluss gilt nur noch gewonnen oder verloren.“ Blatt bezeichnete es nun als ihre erste Aufgabe, „mit den Rathaus-Mitarbeitern Gespräche zu führen, damit sie wissen, wie die Chefin tickt“.

Der Kaufmann Stephan Tautz (58) aus Wehrden, bisher politisch nicht engagiert, war als absoluter Überraschungskandidat auf den Plan getreten. Mit solch einem Ergebnis habe er nicht gerechnet, bekannte Tautz. Den Gegenkandidaten aus den Parteien hätten ganz andere Mittel zur Verfügung gestanden, und „mir haben nur 125 Stimmen gefehlt“. Vielleicht hätten nun gerade diejenigen die Wahl entschieden, die zu Hause geblieben seien. Er werde nun zunächst einmal zusammen mit Familie, Freunden und Unterstützern feiern und dann darüber nachdenken, ob er sich weiter in der Politik betätigen wolle. Binnen weniger Tage hatte Tautz die für einen Einzelbewerber nötigen Unterstützungsunterschriften gesammelt  und nahm mit Unterstützung zahlreicher Freunde und Sympathisanten den Wahlkampf gegen die anderen Bewerber samt ihrer Partei-Hilfstruppen auf. „Meine Partei sind die Bürger“, lautete Tautz’ Slogan. Er hatte bis 2011 in einem großen Geschäft am Wehrdener Haller Sportartikel verkauft und sich anschließend auf Internet-Handel spezialisiert. Daneben machte er sich auch als aktives Mitglied und Sponsor in Vereinen einen Namen.

Beim ersten Wahlgang am 24. September hatte Blatt 46,09 Prozent der Stimmen erhalten. 25,51 Prozent entfielen damals auf Stefan Tautz, der damit Mitbewerber Kevin Frank (CDU, 24,91 Prozent) knapp aus dem Felde schlug. NPD-Kandidat Otfried Best war bei 3,49 Prozent gelandet. Die Wahlbeteiligung lag (wohl auch dank zeitgleicher Wahl zum Bundestag) damals bei 65,9 Prozent. CDU-Bewerber Kevin Frank verzichtete anschließend auf eine Wahlempfehlung zu Gunsten eines anderen Kandidaten. Es wird noch zu analysieren sein, wie sich  die Wählerströme entwickelten und wie weit Nicht-Wähler bzw. Nicht-mehr-Wähler den Ausschlag gaben. Die NPD (3,5 Prozent) hatte nun in sozialen Medien zur Wahl von Tautz aufgerufen – ohne sein Zutun, wie der Bewerber betont.

Christiane Blatt bei der Stimmabgabe in Ludweiler. Foto: Andreas Lang

Zeitgleich mit Lorig am 31. Mai 2018 endet übrigens auch die Amtszeit seines Stellvertreters, Bürgermeister Wolfgang Bintz (ebenfalls CDU). Im Gegensatz zum Oberbürgermeister wird der Bürgermeister nicht direkt von den Bürgern, sondern vom Stadtrat gewählt. In diesem Gremium zeichnet sich derzeit eine (prinzipiell mehrheitsfähige) Zusammenarbeit von SPD, Linken und Grünen ab. Linke und Grüne hatten darauf verzichtet, einen eigenen Oberbürgermeister-Kandidaten aufzustellen. Die Bürgermeister-Stelle müsste spätestens im kommenden März neu ausgeschrieben werden.

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