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Busse brauchen freie Fahrt durch Poststraße

Busse brauchen freie Fahrt durch Poststraße

Die Völklinger Verkehrsbetriebe stellen Bedingungen für eine Wiederaufnahme der Verbindung. Die Gespräche gehen weiter.

Seit Jahresanfang fahren die Busse der Völklinger Verkehrsbetrieben (VVB) die Poststraße nicht mehr an. Und seither rumort es bei den Geschäftsleuten, Ärzten und Dienstleistungsbetrieben, die die Haltestelle vor ihrer Haustür schmerzlich vermissen. Stefan Rabel, Vorsitzender der CDU-Stadtratsfraktion, bemüht sich um Vermittlung in diesem Konflikt. Auf seine Initiative hin fand nun in neuen Ärztehaus in der Poststraße eine Aussprache zwischen den Beteiligten beider Seiten mit Dr. Matthias Kern als Gastgeber statt.

Die Klagen der Geschäftsleute über rückläufigen Besuch sind bereit bekannt. Orthopäde Dr. Kern schilderte die Lage aus Sicht der medizinischen Dienstleister vor Ort. Allein seine Praxis werde pro Quartal von rund 4000 Patienten aufgesucht. Und rundherum in der Poststraße gebe es wohl mit "die höchste Ärztedichte im ganzen Saarland". Kern: "Da tummeln sich jede Menge Gehbehinderte und Menschen über 70, und mindestens jeden zweiten Tag sehe ich jemand, der nicht einmal mehr 200 Meter zu Fuß schafft."

VVB-Geschäftsführer Thorsten Gundacker-Dollak, begleitet von Stadtwerke-Geschäftsführer Michael Böddeker, verdeutlichte andererseits die Situation der Verkehrsbetriebe. Mit der neuen Linie 184, durchgehend von Bous bis Lauterbach, bedeute ein Weg durch die Poststraße unter aktuellen Bedingungen fünf Minuten mehr Zeit als (neuerdings) durch die Hüttenwerkstraße - und entsprechende Verspätungen. Um die Fahrgäste unterzubringen, müsse ein großer Gelenkbus ("18,75 Meter lang, 19 Tonnen schwer") eingesetzt werden - bei den schon bekannten Schwierigkeiten bereits für kleinere Busse, angesichts der Falschparker in der Poststraße durchzukommen.

"Was müsste geschehen, damit die VVB die Poststraße wieder anfahren können?", fragte Kevin Frank, als stellvertretender CDU-Fraktionschef bei dem Treffen dabei. Nötig wäre laut Gundacker-Dollak zunächst eine neue Haltestelle mit 18 Zentimeter Bordsteinhöhe, die den Anforderungen von Niederflurbussen genüge. Derzeit sei die Poststraße ein verkehrsberuhigter Bereich, in dem maximal sechs Stundenkilometer erlaubt seien. Die VVB benötigten hier eine 30-Kilometer-Zone, um die besagte fünf Minuten längere Fahrzeit aufzuholen. Zudem müssten die Parkplätze ("bisher im Zickzack") anders angeordnet werden, damit der Bus über eine gerade Fahrspur verfüge. Und man dürfe keine Falschparker in der Straße dulden. "Wenn man zwei Wochen lang einen Abschleppdienst bemüht", könnte das vielleicht funktionieren", meinte der VVB-Geschäftsführer.

Hans Agostini, Vorsitzender des Völklinger Wirtschaftskreises und seit fast 30 Jahren als Schuhhändler in der Poststraße, erinnerte an eine lange Leidensgeschichte der Geschäftsleute nach Einrichtung der dortigen Fußgängerzone. Er forderte dazu auf, nun mit Augenmaß vorzugehen: "Wenn wir jetzt gleichzeitig über eine grundlegende Straßenerneuerung reden, dann sind die Geschäfte zu."

"Länger dauernde Maßnahmen sind mit Nachteilen verbunden", hatte Rabel bereits zuvor bekräftigt. Es gehe darum, kostengünstige Vorschläge zu erarbeiten, wie man die zum Beispiel die Autoparkplätze in Fahrtrichtung anlegen und den Fußgängerbereich klar abtrennen könne. An dem Abend wurde allerdings nicht klar, wer nun wann die Intiatitive ergreift. Bei dem Treffen fehlte ein maßgeblicher Vertreter der Stadt. Laut Stefan Rabel hatte sich Bürgermeister Wolfgang Bintz (CDU) angesagt, war dann aber erkrankt. Rabel will nun die Bauverwaltung im Rathaus bitten, Lösungsmöglichkeiten zu erarbeiten. Diese sollten dann mit den Beteiligten in der Poststraße besprochen werden. Denn, so Rabel: "Man darf den Gesprächsfaden nicht abreißen lassen."

Zum Thema:

Immer wieder Streit um die Zwitter-Lösung Der Streit um die Poststraße ist so alt wie die Bäume, die mitten auf ihr gepflanzt wurden. Die Umgestaltung der früheren Hauptgeschäftsstraße zur Fußgängerzone war als ein großer Wurf gedacht, erwies sich aber rasch als ein großer Flop. Die Geschäftsleute setzten durch, dass wieder Autos und Busse durch die verkehrsberuhigte Zone fahren durften. Aus dieser Zwitterlösung entwickelte sich dann die gegenwärtige Konfliktsituation.