Bunte Ballons gegen braunen Hass

Erst liefen sie schweigend von der Hermann-Neuberger-Halle zum Rathaus, dann schickten sie Botschaften gegen Rassismus in die Welt. Die Sonnenhügel-Schüler demonstrierten am Montag für mehr Toleranz.

Regionalverbandsdirektor Peter Gillo gibt das Startsignal, schiebt die schwere Straßenabsperrung beiseite, die laut über den Asphalt kratzt. Irgendwer macht "Pscht!", dann noch einer, und dann geht es los, und es ist still. 600 Schüler und Lehrer marschieren gemeinsam, und alles, was man hört, ist das Rascheln der Hosenbeine und das Knipsen der Fotografen.

Die Gemeinschaftsschule Sonnenhügel startet ihren alljährlichen Schweigemarsch zum Welttag gegen Rassismus am 21. März. Begleitet wird sie von Gillo, vom Völklinger Bürgermeister Wolfgang Bintz, von weiteren Politikern. Auch Fußballer des 1. FC Saarbrücken und der SV Elversberg , am Wochenende auf dem Platz noch Kontrahenten, laufen zusammen, unterstützen die Aktion.

Von der Hermann-Neuberger-Halle aus laufen sie die Stadionstraße entlang, über den Kreisel, am Jugendamt vorbei, links plätschert der Köllerbach, so kräftig, als wolle er die Stille auf der Straße noch einmal betonen. Die Menge ist bunt, groß und klein, alt und jung, und jeder Einzelne hält in der Hand einen Ballon, rot oder blau, orange oder grün. Einige sind bemalt, mit einem lachenden Gesicht oder einem Schriftzug: "Schule ohne Rassismus ".

Die Schüler , die Lehrer, die Politiker und die Fußballer erreichen schließlich ihr Ziel, das Neue Rathaus. Das Schweigegebot ist nun vorüber, Schulleiterin Gisela Bodamer ruft ihren Schülern freudig zu: "Wir zeigen, wie vielfältig und bunt wir sind!" Auch Bintz spricht, "richtig ans Herz" gehe ihm das bunte Bild, das die versammelte Schülerschaft abgebe. Genau das sei, was Völklingen ausmache. Die Integration der Flüchtlinge habe in der Mittelstadt gut funktioniert. Integration - "das ist das, was ihr an der Schule macht", sagt Bintz zu den Schülern. Auch Gillo betont, Integration sei nicht nur Aufgabe der großen Politik, sondern das, was vor Ort geschehe. "Toll, dass ihr Position bezieht."

Die Fußballer haben dann die Ehre, den Countdown anzusagen: … drei, zwei, eins! Und die Schüler lassen ihre Luftballons los, davonschweben, der Wind trägt sie Richtung Saarbrücken, Richtung Forbach. An jedem Ballon hängt eine Postkarte, auf der Vorderseite eine Erklärung der Aktion und die Adresse der Schule. Die Rückseite hat jeder Schüler selbst gestaltet, mit einer Textbotschaft etwa: "Verurteile einen Menschen niemals anhand seiner Hautfarbe." Viele haben auch etwas gemalt, einen Globus, ein Yin-und-Yang-Zeichen, viele bunte Strichmännchen. Ein junger Mann, im Gesicht schon ein Dreitagebart, hat seine Karte mit Herzchen verziert. Wer eine der Postkarten findet, auf der Straße, in seinem Garten, sollte sie zurückschicken, und so zeigen, dass er die Botschaft verstanden hat.

Derweil haben sich einige Ballons in den Bäumen auf dem Platz verfangen - so bunt und fröhlich sehen die aus, als wären sie schon aufgeblüht.

Zum Thema:

HintergrundDer Tag gegen Rassismus ist ein Gedenktag an das Massaker von Sharpeville am 21. März 1960. Bei einer Demonstration gegen das südafrikanische Apartheid-Regime schoss die Polizei in die Menge. 69 Menschen wurden getötet, darunter zehn Kinder. red