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Streik
Bürgeramt und Kitas blieben dicht

Vor dem Hintergrund des Tarifstreits des Öffentlichen Dienstes gab es gestern in Völklingen einen Warnstreik. Am Rathaus versammelten sich die Streikenden.  
Vor dem Hintergrund des Tarifstreits des Öffentlichen Dienstes gab es gestern in Völklingen einen Warnstreik. Am Rathaus versammelten sich die Streikenden.   FOTO: BeckerBredel
Völklingen. Große rote Plakate mit der Aufschrift „Heute: Warnstreik!“ prangten an den Türen des Neuen Rathauses in Völklingen, davor standen die Bediensteten: Die Gewerkschaft Verdi hatte städtische Mitarbeiter gestern zum Streik aufgerufen. Von Becker & Bredel

Donnerstagmorgen am Völklinger Neuen Rathaus: Der Mann vor der Glastür des Bürgeramts ist ziemlich sauer. Fluchend geht er aus dem Rathaus, wo das Bürgeramt wegen eines Warnstreiks geschlossen bleibt.


„Ich hatte extra Urlaub genommen – wie erkläre ich meinem Chef, dass ich nochmal einen freien Tag brauche?“, fragt er und geht. „Wir wollen die Menschen nicht treffen, aber wir müssen Druck aufbauen, da die Arbeitgeber uns nicht entgegenkommen“, sagt Stefan Schorr von der Gewerkschaft Verdi. Die letzte Verhandlungsrunde sei geplatzt, ein Angebot der Arbeitgeberseite fehle. Verhandlungsführer sei der Bundesinnenminister. Da habe es einen Wechsel gegeben. Deswegen schleppten sich die Verhandlungen dahin.

Die Bediensteten des Bürgeramtes stehen mit ihm vor dem Rathaus der Hüttenstadt, nach der Kundgebung am Vormittag gehen sie nach Hause. Das Amt bleibt an diesem Tag zu. Rote Plakate weisen darauf hin. Immer wieder kommen Menschen, niemand bedient sie. Sechs Prozent mehr Lohn will die Gewerkschaft und für die niedrigsten Lohngruppen einen Mindestzuschlag von 200 Euro. „Wir haben Arbeiter, die arbeiten die ganze Schicht Vollzeit und haben Kinder. Die müssen aufstocken, um über die Runden zu kommen“, sagt Schorr in seiner Rede zu den rund 100 Beschäftigten der Stadt, die an diesem Morgen zum Rathaus gekommen sind.



Fuhrpark, Gärtnerei, Kindergärten, Müllabfuhr, Stadtwerke und Bürgeramt sind im Ausstand. Die geschlossenen Kindergärten (vier der sechs städtischen Kitas sind zu) haben keinen Notdienst.

Personalrat Mike Sticher: „Wir fordern sechs Prozent, wenn dann ein Abschluss wie bei der IG Metall mit etwas über 4 Prozent herauskommt, ist das angemessen. Der Sockelbetrag für die niedrigen Lohngruppen ist uns aber wichtig. Es stimmt einfach, dass viele einen zweiten Job machen müssen und sich fragen, warum sie überhaupt noch arbeiten gehen. Auch haben wir für diese Berufsgruppen immer weniger Bewerber. Der Job muss attraktiv bleiben“, sagt Sticher. Guido Drozt von der Müllabfuhr sieht das ähnlich. Kollegen von ihm müssten nebenher tätig werden, ihr Geld reiche nicht aus.

Wer eine große Familie habe, bekomme noch Stütze dazu.  „Früher gab es Kinderzuschläge, die wurden abgeschafft. Da fragen sich einige, warum sie nicht gleich nur noch zum Amt gehen. Die könnten doch auch daheim bleiben.“ Die Lage für die Geringverdiener im Öffentlichen Dienst sei ernst und für die gehe man auf die Straße.

Sein Kollege Joachim Stutz pflichtet ihm bei und schildert die Belastungen durch die Grippewelle. Aktuell seien Müllautos mit einem einzigen Müllwerker unterwegs, das sei ein Knochenjob. Und wer den mache, der solle soviel verdienen, dass es für den Unterhalt der Familien ausreiche. Petra Lichter aus der städtischen Gärtnerei sieht das auch so: „Die Forderungen sind nicht unverschämt. Die Arbeitgeber müssen sich da etwas bewegen.“

Heute wird der Streik in Saarbrücken fortgesetzt. Auch hier sind vor allem die städtischen Arbeiter im Ausstand. Gewerkschafter Stefan Schorr sagt: „Wir werden ganz deutlich machen, dass es uns um die Lohngruppen geht, die ganz unten stehen. Wer wenig verdient, hat von einem prozentualen Zuwachs nicht viel. Der Sockelbetrag ist für uns eine soziale und ganz wesentliche Forderung in dieser Lohnrunde.“

Petra Lichter.
Petra Lichter. FOTO: BeckerBredel
Guido Drozt.
Guido Drozt. FOTO: BeckerBredel