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Bürger fürchten Lärm wegen Amazon-Zentrum in Völklingen

Infoveranstaltung in Völklingen : Bürger fürchten Lärm wegen Amazon

Internet-Riese will Verteilzentrum in Völklingen bauen und Arbeitsplätze schaffen. Anwohner haben aber Bedenken.

Bis zu 200 Arbeitskräfte sollen zum Weihnachtsgeschäft des nächsten Jahres im neu zu bauenden Amazon-Verteilzentrum auf dem ehemaligen Kraftwerksgeländes in Völklingen-Wehrden ihren Lebensunterhalt verdienen. Diese Zahl nannte der Internet-Verkaufsriese am Donnerstag vor mehr als 50 Bürgern während einer Informationsveranstaltung der Stadt Völklingen in der Wehrdener Kulturhalle.

Die übrigen Monate des Jahres über, nämlich von Januar bis einschließlich Oktober, soll die Wehrdener Amazon-Belegschaft 110 Mitarbeiter stark sein. Im Drei-Schichtbetrieb, rund um die Uhr, an sechs Tagen die Woche. Dazu kommt noch ein Heer von Arbeitskräften aus den Kurier-, Express- und Paketdienstleistungen, nämlich bis zu 600 Fahrer und Disponenten, bei lokalen Amazon-Vertragspartnern. Rund 20 Lkw sollen das Verteilerzentrum mit 6700 Quadratmetern Hallenfläche nachts anfahren, um Waren aus den teilweise mehr als 100 000 Quadratmeter großen Logistikzentren nach Wehrden zu bringen. Waren, die Kunden aus dem ganzen Saarland und einem Teil der Westpfalz tags zuvor per Mausklick bestellt haben, und die nach Tagesanbruch die letzten Kilometer bis zum Kunden transportiert werden. Amazon spricht deshalb von einem Verteilerzentrum „für die letzte Meile“.

Nach einem bestimmten System werden die Waren im Zentrum so gesteuert, dass sie schnell in bereitgestellte Transportsäcke gepackt werden, mit denen sie binnen kürzester Zeit auf Kleintransporter zur Auslieferung verladen werden können. Was dann nochmal einige hundert Fahrzeugbewegungen zwischen dem an der Kurt-Nagel-Straße ansässigen Unternehmen und dem nahen Autobahnanschluss bedeutet. Und das bringt die Anwohner auf den Plan. Sie fürchten noch mehr Lärm in dem ohnehin schon von viel Brummiverkehr gebeutelten Völklinger Stadtteil. Das machten sie während der Veranstaltung deutlich.

Wie die SZ in der Vergangenheit mehrfach berichtete, quält sich der unter anderem von der Völklinger Industrie verursachte Lkw-Verkehr den Wehrdener Berg hoch. Über die Jahrzehnte haben verschiedene Stadtoberhäupter zugesagt, das Problem zu lösen – jetzt will es Oberbürgermeisterin Christiane Blatt (SPD) angehen. Das hat sie während der Veranstaltung am Donnerstag zugesagt.

Zurück zu Amazon, das sich ja extra eine Gewerbefläche nahe der Autobahnanschlussstelle ausgeguckt hat, um sein Verteilerzentrum zu bauen. Wie gesagt, sollen die Lkws nachts Waren anliefern. Die Lärmbelastung, die dabei entsteht, hofft Amazon schon gelöst zu haben. Denn zwischen Lkw-Entladezone und Wohnsiedlung steht eine Halle, die den Großteil des Lärms abblocken soll. Das könnte laut eines Gutachters funktionieren, den das Unternehmen beauftragt hat. Werden die behördlich festgelegten Lärm-Richtwerte nicht eingehalten, müsse nachgebessert werden. Die vielen Kleintransporter sollen sich tagsüber auf den Weg machen. Nach Angaben Amazons bis zu 40 die Stunde, im Weihnachtsgeschäft auch mehr. Jedoch will Amazon diese Fahrten so steuern, dass sie nicht zu den Stoßzeiten, also zum Berufsverkehr morgens und abends, losfahren sollen. Außerdem würden die Transporter, sobald sie die Autobahn erreicht haben, sehr schnell in alle Richtungen verschwinden.