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Buddha fährt mit auf dem Gelenkzug

Buddha fährt mit auf dem Gelenkzug

Schon das Kaufhaus Ostrolenk nutzte einen Bus als Werbeträger. Jetzt hat Weltkulturerbe-Chef Meinrad Grewenig sogar einen Gelenkzug gemietet. Werbung hat Tradition und erbringt immerhin 30 000 Euro jährlich für die Verkehrsbetriebe.

Buddha hält es nicht mehr im Lotussitz. Er fährt nun auf einem 18,5 Meter langen Gelenkzug durch Völklingen . Prächtige Figuren in Silber-, Gelb- und Goldton, unterlegt mit einem satten Violett, prangen in durchgezogenen Folien auf dem Gefährt, das Werbung für die aktuelle Ausstellung im Weltkulturerbe macht. Der Buddha-Bus ist gegenwärtiges Glanzstück der Werbeflotte, mit der sich die Völklinger Verkehrsbetriebe (VVB) ein Zubrot von rund 30 000 Euro pro Jahr verdienen. Dies ist ein Betrag, von dem man bereits nahezu einen Busfahrer bezahlen kann, verdeutlicht Geschäftsführer Thorsten Gundacker-Dollak. Und dies tut dem stadteigenen Betrieb gut beim Kampf gegen das allgegenwärtige Defizit.

Werbung auf Bussen hat hier eine lange Tradition. "Bist Du in Völklingen , dann denk'/ an Kaufhaus Ostrolenk", verkündete eine Aufschrift bereits in den 50er Jahren. Auch die heutige Geschäftswelt nutzt die mobilen Werbeflächen. Eine Friseurmeisterin aus der Rathausstraße zum Beispiel zeigt da ihre Kopf-Arbeit in Überlebensgröße. Ein pfiffiger Papagei setzt da auf ganz bestimmte Bürogeräte. Orange unterlegt, wirbt ein Völklinger Kaufhaus für seine Frische. Und einen Bus teilen sich auch ein Malerbetrieb, eine Schreinerei und ein Beerdigungsinstitut für gemeinsame Werbung.

Auch die Gewerkschaft Verdi hat einen Bus gemietet. Umrahmt von Konterfeis zufriedener, fröhlicher Mitarbeiter, wird da verkündet: "Gute Leute, gute Arbeit, gutes Geld." Außerdem heißt die Parole: "Den öffentlichen Personennahverkehr dauerhaft sichern!" - "Das können wir gerne unterschreiben", meint Gundacker-Dollak.

Die VVB - er ist erst seit kurzem deren Geschäftsführer - haben allerdings auch einen Werbevertrag mit einem Spielcasino. 28 Busse haben die VVB auf der Strecke, und gut ein halbes Dutzend ist noch frei. Auf Werbung in Richtung Glücksspiel ("und erst recht keine Rotlichtbetriebe") ist Gundacker-Dollak freilich nicht mehr aus.

Ein ganz besonderer Fall ist der Stadtsparkassen-Bus. Der kam bereits im Sparkassen-Rot gestrichen aus der Werkstatt. Weiße Lettern auf ihm verkünden: "Stadtsparkasse - seit 1888 gut für Völklingen ." Zum Jahreswechsel wird die Stadtsparkasse die Fusion mit der Sparkasse Saarbrücken eingehen. Doch die Schrift ist glücklicherweise nur aufgeklebt. Da müssten nur fünf Buchstaben entfernt werden, damit's dann heißt: "Sparkasse - seit 1888 gut für Völklingen ."

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Hintergrund Werbung auf einem Bus normaler Länge kostet bei den VVB 222 Euro, Werbung auf einem Gelenkzug 333 Euro pro Monat. Hinzu kommt der Aufwand für Entwurf, Foliendruck, Beschriftung und Beklebung. Die Kosten kommen laut Kommunikations-Mitarbeiterin Isabelle Ahr ungefähr denen für eine stationäre Plakatwand gleich mit dem Vorteil, "dass ein Bus sich rund 60 000 Kilometer im Jahr bewegt". Man kann übrigens auch (zum kleinen Preis) Werbezeiten auf den Flachbild-Monitoren in den Bussen mieten. Die Spots werden dann in den Intervallen zwischen der Anzeige der einzelnen Stationen eingeblendet. er