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Bintz will „Vertrauensfrage“ stellen

Völklingen. Wolfgang Bintz (CDU), Völklinger Bürgermeister und derzeit Geschäftsführer der Stadtwerke, plädiert vor der heutigen Stadtratssitzung dafür, die Fischzucht vorerst weiterzuführen. Und denkt über Rückzug vom Stadtwerke-Amt nach. Doris Döpke

"Vom Saulus zum Paulus": So beschreibt Wolfgang Bintz den eigenen Sinneswandel. Im Herbst, kurz nachdem er die Geschäftsführung der Stadtwerke übernommen hatte, wollte er eigentlich schon Insolvenz anmelden für die Meeresfischzucht. Anfang des Jahres zählte er zu den Verfechtern eines raschen Verkaufs. Jetzt sagt er: "Hätte ich allein zu entscheiden, nach betriebswirtschaftlichen Kriterien, würde ich die Fischzucht weiterführen." Und zwar mit einem Partner, der Verarbeitung und Vertrieb der Fische übernehme und mit Blick auf die Absatzmöglichkeiten die Produktionsmenge je Fischart quasi dirigiere. Die Fische "an der Rampe" zu übergeben, als "runde Ware" - also unbearbeitet, nur geschlachtet -, senke deutlich die Kosten, die Zuchtanlage könne wirtschaftlicher arbeiten.

Steht denn ein Partner für eine solche Kooperation bereit? Es gebe ein Angebot, noch nicht verbindlich, aber Bintz hält es für realisierbar. Und wirbt dafür, dass der Stadtrat, der die Entscheidung am Donnerstag vertagt hatte, heute seinen Februar-Beschluss revidiert, nach dem die Fischzucht nicht über den 31. März hinaus betrieben werden soll.

Was hat seine Meinungsänderung bewirkt? "Die Zahlen", sagt Bintz. Die Liquidation der Anlage werde mindestens 18,5 Millionen Euro teuer. Die Fischzucht weiterzuführen, koste hingegen für die nächsten zwei Jahre 10,8 Millionen Euro. Und ohne den Zeitdruck, den die März-Frist des Rates vorgebe, wachse die Chance, einen akzeptablen Verkaufspreis für die Anlage zu erzielen, da Kaufinteressenten nicht mehr pokern könnten (wir berichteten bereits). Für einen Weiterbetrieb spreche auch, dass man dann mit Fisch besetzte Becken verkaufen könne. Bei einer leergefischten Anlage müsse der Käufer von vorn anfangen, habe also Anlaufverluste. Und das bedeute einen schlechteren Verkaufspreis.

In der heutigen Stadtratssitzung will Bintz auch seine eigene Rolle als Interims-Geschäftsführer der Stadtwerke thematisieren: "Ich habe immer gesagt, dass ich Ende März aufhöre." Wenn - falls - er noch eine Zeitlang weitermache, dann nur, wenn er den Rat dabei hinter sich wisse. Daran zweifle er nach den Ereignissen der vorigen Woche (wie berichtet, wurde eine Aufsichtsratssitzung nach heftigem Streit abgebrochen). Er möchte jetzt, dass die Kommunalpolitiker Farbe bekennen: "Ich will in der Ratssitzung die Vertrauensfrage stellen."