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Besucher angetan vom Hütten-Paradies

Besucher angetan vom Hütten-Paradies

Kontraste! Ginster vor Gichtbühne, Löwenzahn auf Eisen, Baldrian, Birken und Schmetterlingsblume auf zerbröseltem Beton: Nicht nur das "Paradies" im Weltkulturerbe Völklinger Hütte fand am Sonntag hohes Interesse beim Tag des offenen Denkmals, sondern auch andere Orte der Hüttenstadt.

Völklingen. Eberhard Pfeiffer ist "Rentner im Unruhestand", Gästeführer der Stadt Völklingen und dem "Virus der alten Hütte" verfallen. Sechs Besuchergruppen mit jeweils 30 Teilnehmern brachte Pfeiffer (mit seinen Kollegen Hüttenführern) am Sonntag beim Tag des Denkmals die spektakulären Orte der historischen Eisenhütte nahe - Schrägaufzug, Gichtbühne, Hochofengruppe, Aussichtsplattform, Möllerhalle, Winderhitzer, Trockengasanlage oder Sinterhalle.Im Mittelpunkt der Führung stand allerdings die Natur, der so genannte Paradiesgarten mitten im Industriepark. Damit hat es folgende Bewandtnis: "Nach der Stilllegung der Roheisenproduktion konnte sich ungestört von den Industrieanlagen hier ein neuer Kosmos von Pflanzen und Tieren entwickeln", heißt es auf einer Infotafel. Wo beispielsweise der Platz an der ehemaligen Koksbatterie Nummer sieben den Blick auf die imposante Hochofengruppe ("eine Festung aus Eisen und Stahl") lenkt, wachsen inzwischen Johanniskraut, Huflattich, Mädesüß, Odermennig oder Indianerkraut, auch Wasserdost genannt.

Die Aura der Ruinen schmückt sich mit dem schlichten Grün des Farnkrautes. Wo früher in drei Schichten rund um die Uhr gearbeitet wurde, hat jetzt die bekannte Landschaftsarchitektin Catherina Gräfin Bernadotte von der Insel Mainau ihre ordnende gärtnerische Gestaltungskraft in Verbindung mit der Natur gebracht. Nicht nur die 180 Teilnehmer der Führungen, sondern auch viele Besucher, die das Gelände auf eigene Faust erkunden, lassen sich begeistern. Die Fotoapparate und Camcorder laufen auf Hochtouren.

Blick in zwei Kirchen

Ortswechsel! In der (angenehmen) Kühle der Völklinger Versöhnungskirche offenbart Kantor Reinhard Ardelt, ebenfalls zum Tag des Denkmals, einer Besuchergruppe die verborgenen Werte seiner Walcker/Schuke-Orgel: die Traktur im Boden, Schwellwerk, Hauptwerk und Pedal im begehbaren Orgelinneren und die Klangwelten der allerkleinsten Holz- und Metallpfeifen.

Dazu passend führen Ardelt, die Autorin Annette Philipp aus Forbach und der saarländische Schauspieler Jürgen Reitz als Sprecher das musikalische Märchen für Kinder und jung gebliebene Erwachsene mit dem Titel "Adis, Bea unn die Oarjel vun Siwehiesa im Aichewald" auf.

Am Tag des offenen Denkmals beteiligte sich auch die Auferstehungskirchengemeinde in Wehrden/Geislautern, die über Geschichte und Bedeutung des Gotteshauses, seine künstlerische Ausstattung und ihre Zukunftsperspektiven im Rahmen von Führungen informierte. Zum Abschluss gab's hier ein Konzert mit Dixie- und Swingstandards und der Gruppe Dixie-Jazz-Crew um den Musiker Freimut Mertes.