Bescheidenes Fischen nach Aufklärung

Bescheidenes Fischen nach Aufklärung

Die Vorwürfe sind hinlänglich bekannt: Mangelnde Kompetenz, Naivität, Dilettantismus hätten zum Desaster in Sachen Fischzuchtanlage geführt. Doch in einer Podiumsdiskussion, zu der das Bündnis für verantwortungsvolle Politik Völklingen geladen hatte, verteidigte Wirtschaftsminister a.D. Hanspeter Georgi das Projekt.

Sie wollten Licht ins Dunkel bringen. Erörtern, warum die Völklinger Meeresfischzuchtanlage innerhalb des kommunalen Stadtwerkekonzerns gründlich gescheitert ist. Und welche Lehren aus dem Misserfolg zu ziehen sind. Das Bündnis für verantwortungsvolle Politik Völklingen (BVP) hatte zur Podiumsdiskussion im Alten Bahnhof geladen. Moderiert wurde das Streitgespräch mit dem ehemaligen Wirtschaftsminister Hanspeter Georgi , Landtagsmitglied Stefan Thielen (beide CDU ), Stadtratsmitglied Paul Ganster (Linke) und dem BVP-Vorsitzenden Marc Reinstein von SZ-Redakteuer Daniel Kirch.

Verärgerte Stimmen waren aus dem Publikum zu hören, zwei Stadtratsmitglieder brachten es auf den Punkt: "Ich habe heute nur Schelte gehört", so Sozialdemokratin Sandra Truddi-Bollinger. Der Liberale Manfred Baldauf wetterte: "Ich bin enttäuscht: Zuerst beginnt die Veranstaltung viel später als geplant - und anschließend wurde das Thema verfehlt. Wäre ich ein Lehrer, müsste ich Ihnen heute eine Sechs geben."

Zunächst gab es eine allgemeine Einführung: Welche Aufgaben hat die Kommune, und ist es damit vereinbar, eine solche Anlage aufzubauen und zu betreiben? Um alle im Publikum auf denselben Stand zu bringen. Sicher gut gemeint. Doch dann haarklein jede kommunale Einzelaufgabe im Lehrgespräch zu erarbeiten? Das ging den politisch Interessierten viel zu langsam. Schließlich barg die Thematik Meeresfischzuchtanlage schon genug Diskussionspotenzial.

Schon hier versuchte Baldauf das Gespräch schnell auf den Punkt zu bringen und fand in Bürgermeister Wolfgang Bintz (CDU ), der ebenfalls im Publikum saß, einen Verbündeten. Damit war das Podium erstmals gefordert. "Ich kann Wirtschaftsförderung und Fischzuchtanlage in Einklang stellen. Als mir das Projekt vorgestellt wurde, hielt ich es für innovativ", so der damals zuständige Minister Georgi. Die Fürstenhausener Bergbaubrache wiederbeleben, Arbeitsplätze schaffen - ausreichende Argumente für den heute 73-Jährigen, das Projekt seitens der Kommune anzugehen.

Von Ganster, lange auch im Aufsichtsrat der Anlage, kamen erste Vorwürfe - ohne Namen zu nennen: "Ein ehemaliger Bürgermeister wurde damals Geschäftsführer der Stadtwerke." Der habe seinen Job nicht gemacht, so Ganster in Rage, und: "Da gehören Profis hin." Später meinte er, der Aufsichtsrat hätte seine Aufgaben nicht wahrnehmen können: "Bedarfsanalyse, Wirtschaftlichkeitsprüfung, Dinge, die jede Klitsche vorlegen muss, lagen hier lange nicht vor." Bürgermeister Bintz widersprach vehement mit Zwischenrufen. Reinstein warf ein: "Rund 20 Millionen Euro wurden fast grob fahrlässig verbrannt." Weil einigen der Handelnden der Blick vernebelt gewesen sei, oder schlicht die Kompetenz gefehlt habe. Management-Experte Thielen: "Ich habe für ein halbes Jahr selbst einmal eine Fischzuchtanlage betrieben - die Forellenzucht meiner Mutter." Auch er glaubt, Naivität und Dilettantismus für das Scheitern ausgemacht zu haben. Er meint aber auch: "Urban-Farming und Fischzucht sind Zukunftsprojekte."

Wenigstens war man sich weitgehend einig, dass die Technik der Anlage funktioniere. Georgi vertraut auch weiter auf die einstige Vision. Mit dem Wissen um die Entwicklung würde er als Minister das Vorhaben erneut befürworten. Jedoch: "Wir hätten aber bedingen müssen, dass die Privaten schon zu Beginn stärker darin eingebunden sein müssen."