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Migration
Kinder lernen ihre Rechte kennen

 Sie beschäftigten sich einen Nachmittag lang damit, welche Rechte sie als Kinder haben: (v.l.) Helin, Davud, Emine, Kübra, Nergis.
Sie beschäftigten sich einen Nachmittag lang damit, welche Rechte sie als Kinder haben: (v.l.) Helin, Davud, Emine, Kübra, Nergis. FOTO: Helmut Paulus
Saarbrücken. Bei der Diakonie Saar in Völklingen erfuhren junge Menschen ein Jahr lang viel über sich selbst und die Gesellschaft. red

„Wisst ihr, welche Rechte ihr als Kinder habt?“, fragt Tatjana Brauer in die Runde. Die Antworten sind zahlreich: „Das Recht auf Bildung“, „Essen und Trinken“, „medizinische Versorgung“, „Wohnen“, oder „Freiheit“. Die neun Jugendlichen am Tisch im Alter von elf bis 14 Jahren gehören zum Projekt  „Wir und die Welt – gemeinsam eins“, das der Jugendmigrationsdienst der Diakonie Saar in Völklingen seit Anfang des Jahres durchgeführt hat.


Ziel ist es, die Bereitschaft zu demokratischem Denken und Handeln bei den Jugendlichen zu wecken und sie für alle Formen der politischen Beteiligung zu interessieren. Sie lernten bürgerschaftliches Engagement kennen, erwarben soziale Kompetenzen  bei einem Teambildungsworkshop im Klettergarten oder lernten in zahlreichen Übungen ihre eigenen Stärken und Schwächen kennen. Und natürlich viel über die Gesellschaft, in der sie leben.

Es ist eine muntere Gruppe, die Diakonie-Mitarbeiterin Tatjana Brauer und ihre Kollegin im Projekt, Lydia Reuther, um sich versammelt haben. „Einige müssen noch Hausaufgaben machen, deshalb sind sie noch nebenan in unserem anderen Projekt Training Schlüssel- und Sozialkompetenz“, sagt Brauer, „normalerweise sind wir fünfzehn.“  Die teilnehmenden Jugendlichen sind hier geboren und aufgewachsen, ihre Eltern sind aber nach Deutschland eingewandert. Sie besuchen in Völklingen die Gemeinschaftsschule, einige auch ein Gymnasium. „Alle waren von Anfang an jeden Mittwoch mit Freude dabei“, erzählt Brauer.



Begeistert erzählen die Jugendlichen, was sie alles gelernt haben. „Wir haben über uns selbst geredet, was wir mögen und was nicht“, sagt die elfjährige Helin, „und dabei festgestellt, wir sind viele.“ Evin (13) weiß nun, dass „man für Demokratie kämpfen muss“. „Es ist sehr abwechslungsreich, was wir machen“, berichtet Davud. Jede Woche gebe es ein anderes Thema. „Wir haben mit Plakaten gearbeitet, gemalt, fotografiert und gebastelt.“ Kübra (12) erinnert sich noch gut, als es um das Thema „Heimat“ ging. „Heimat ist dort, wo ich aufgewachsen bin, aber auch dort, wo meine Eltern geboren sind. Heimat ist Lieblingsessen, Heimat sind Freundinnen und Freunde. Heimat ist Sprache und Familie“, zählt sie auf. Nergis (12) hat der Nachmittag beeindruckt, der die Themen „Respekt und Anerkennung“ behandelte. „Außerdem weiß ich jetzt, jede und jeder darf anders sein“, sagt sie und kann das schwierige Wort Diversität problemlos aussprechen. Raphaela Leue aus dem Mehrgenerationenhaus arbeitete mit den Jugendlichen zum Thema bürgerschaftliches Engagement. Die Gruppe besuchte die Integrationsbeauftragte der Stadt Völklingen, Gülsa Bora, und startete zu Exkursionen, um die Stadt besser kennenzulernen, in der sie leben.

Tatjana Brauer hat aber auch immer ein offenes Ohr für die Anliegen der Jugendlichen, etwa wenn es um Schwierigkeiten in der Schule oder mit Freundinnen oder Freunden geht. Dann versucht sie zu helfen. Konflikte untereinander werden im Gespräch gelöst. Sie fördert das Selbstbewusstsein der jungen Menschen, geht auf ihre Anliegen und Interessen ein.

Zurück zum heutigen Thema, den Kinderrechten. Brauer stellt zehn Kinderrechte vor und erläutert, dass die UN-Kinderrechtskonvention von fast allen Ländern der Erde unterzeichnet und ratifiziert wurde.

Anschließend überlegen die Jugendlichen anhand eines Arbeitsblatts, was ein Kind alles für seine Entwicklung braucht? All dies wird dann an der Tafel zusammengetragen. Es kommt vieles zusammen, was hierzulande selbstverständlich ist, für Kinder in anderen Ländern aber nicht, wie die Jugendlichen schnell feststellen: „Sicherheit, Freiheit, Eltern, Schutzräume, Bildung, Kindheit, ein Zuhause oder Träume“. Und daraus entwickelt sich dann eine lebhafte Diskussion, wie das zu verbessern wäre.

 Das Projekt wurde über das Bundesprogramm „Demokratie leben! Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit“ und durch den Regionalverband Saarbrücken gefördert.