"Barber Angels" machen armen Menschen in Völklingen eine große Freude

„Barber Angels“ im Cafe Valz : Ein Haarschnitt sorgt für Glücksgefühle

Fotograf Bernd Ollinger hat den Besuch der „Barber Angels“ in Völklingen mit der Kamera festgehalten.

Ein neuer Haarschnitt ist für sie etwas Außergewöhnliches. Das macht die Ausstellung im Völklinger Cafe Valz des Diakonischen Werks deutlich. Zufrieden schauen die Erwachsenen und Kinder auf den Fotos in die Kamera, während die „Barber Angels“ mit ihren Scheren ganze Arbeit leisten. Das Besondere daran: Ihre Kunden saßen nicht in einem normalen Friseursalon, sondern eben im Cafe Valz. Es sind arme Menschen, manche von ihnen wohnungslos, andere haben ein Dach über dem Kopf, wissen aber oft nicht, wie sie ihre Miete bezahlen sollen, berichtet Sabrina Sofka-Hell vom Diakonischen Werk. Da ist ein Haarschnitt nicht mehr drin. Also freuten sie sich sehr über den Besuch der Friseure, die an einem Sonntag im Januar gekommen waren. „Die Leute sind total stolz danach“, sagt Sofka-Hell. 60 Personen ließen sich an diesem Tag umsonst die Haare schneiden. Der Kontakt zwischen den „Barber Angels“ und ihr kam auf typisch saarländische Art zustande. Der Friseur ihres Mannes sei Björn Hary, Mitglied der „Barber Angels“ im Saarland, erzählt Sofka-Hell. Ein Telefonat genügte und ein erster Termin im Cafe Valz war 2018 gefunden.

Als sie jetzt im Januar erneut in Völklingen waren, hat der Fotograf Bernd Ollinger die Fotos gemacht, die noch bis 12. März im Cafe Valz ausgestellt werden. Der Betrachter oder die Betrachterin der Fotos kann sehen, dass sich die Menschen mit dem neuen Haarschnitt richtig wohl fühlen. Sie schauen erfreut, manche aber auch ernst in die Kamera, wobei sich nicht jeder ablichten lassen wollte.

Immer mehr kommen zur Diakonie, 2018 waren es rund 150 arme Menschen, sagt Sofka-Hell. Jährlich steige die Zahl um 35 Prozent. Das Problem, plötzlich keine Bleibe mehr zu haben, treffe mittlerweile auch die Mittelschicht. Das passiere, wenn zum Beispiel Frauen vor der Gewalt ihrer Männer fliehen, und sie mit ihren Kindern plötzlich ohne Einkommen und Wohnung dastehen, weil sie nie gearbeitet haben. Dann versucht Sofka-Hell, ihnen bei der Wohnungssuche zu helfen. So arbeite  die Diakonie zum Beispiel eng mit der Gemeinnützigen Städtischen Wohnungsgesellschaft in Völklingen zusammen. Ein großes Problem seien auch die steigenden Mieten, denn der Zuschuss des Jobcenters reiche dafür oft nicht, also müssten sie von dem Geld für den Lebensunterhalt etwas für die Miete abzweigen. Um Zwangsräumungen zu verhindern, wenn jemand länger die Miete nicht mehr zahlt, stehe sie im engen Kontakt mit Vermietern. Die riefen auch schon selbst bei ihr an, sagt die Diakonie-Mitarbeiterin.

Für sie ist klar: Die Besuche der „Barber Angels“ tun diesen Menschen wirklich gut. Und als Geschenk gab es nach dem Haarschnitt dann noch ein Deo oder Shampoo für jeden obendrauf.

Die Ausstellung im Cafe Valz im Haus der Diakonie in Völklingen ist montags bis freitags von 8.30 Uhr bis 14 Uhr zu sehen.

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