Cartoonist Kurt Heinemann wird 80: Bald 80 Jahre und kein bisschen leise

Cartoonist Kurt Heinemann wird 80 : Bald 80 Jahre und kein bisschen leise

Am Sonntag, 10. Februar, feiert der Cartoonist und Grafiker Kurt Heinemann aus dem Völklinger Stadtteil Geislautern runden Geburtstag. Öffentlich, mit vielen Gästen: Dann beginnt nämlich in Saarbrücken eine Ausstellung.

Wer mal die Monatszeitschrift der saarländischen Arbeitskammer in der Hand gehabt hat, kennt seinen charakteristischen Strich: Mehr als 45 Jahre lang hat Kurt Heinemann die Titelseite gestaltet. Lesern der Völklinger SZ-Lokalausgabe waren seine Zeichnungen um „Mister“, einen sehr menschlichen Hund, fünf Jahre lang wöchentliche Begleiter. Für Menschen im Völklinger Stadtteil Geislautern ist er „de Kurt“, ein Nachbar, mit dem man plaudern, in der Kneipe sitzen, lachen und über Fußball fachsimpeln kann – gerne auch über die Belange der örtlichen Mannschaft. Und den man ohne Zögern fragt, wenn man für eine lokale Firma oder einen Verein ein pfiffiges Logo braucht – „de Kurt“ hat da ein offenes Ohr. Zugleich ist Kurt Heinemann in der internationalen Zeichner-Szene zu Hause; dort genießt er Respekt und Wertschätzung, hat für den einen oder anderen Cartoon Auszeichnungen erhalten.

Nach der Ausbildung an der Saarbrücker Schule für Kunst und Handwerk ist Kurt Heinemann erstmal in die Welt gezogen, nach New York, nach Paris. Ist dann zurückgekehrt nach Geislautern, wo er seine Kindheit verbracht hat. Mit allem, was damals dazugehörte, kollektive Kloppereien der Geislauterner Jungs mit den ungeliebten Wehrdener Nachbarn inklusive; davon kann er lebhaft erzählen, und es klingt nicht übertrieben – und nicht verklärt, sympathisch ist’s ihm in der Rückschau nicht. Aber vor Jahrzehnten waren derlei Nachbar-Feindseligkeiten halt Tradition, ohne viel Nachdenken fortgeführt.

Sowas ist Kurt Heinemanns Sache nicht. Etwas tun, bloß weil es schon immer so war? Nein. In seinen Zeichnungen fordert er zum Selberdenken auf, mischt sich ein. In einem Bilder-Streifen mit dem Text „Meiner ist ganz lieb“ hat er zum Beispiel die überkandidelte Liebe zu PS-starken Autos ironisch aufs Korn genommen. Anderswo den desolaten Zustand der Völklinger Innenstadt und die Völklinger Neigung, mehr zu jammern als zu handeln. Und auch zur Völklinger Debatte um die Benennung des Stadtteils Röchlinghöhe hat er Position bezogen: Röchling als Namenspatron ist für ihn nur in einem Sinne „würdig“, nämlich „frag-würdig“. Heinemann kann da manchmal ganz schön auf die Pauke hauen. Und manchmal ganz schön um die Ecke denken. Aber er riskiert da einfach was. Und das hat mit seinem Zeichner-Selbstverständnis zu tun: „Ich zeichne Cartoons, keine Karikaturen“, sagt er.

Wobei ihn nicht nur Alltägliches und Lokales umtreibt. Sondern auch das Erstarken rechter Strömungen, das in jüngster Zeit zu beobachten ist. Diesen Aspekt seiner Arbeit rückt die Arbeitskammer in der Ausstellung, mit der sie seinen 80. Geburtstag feiert, in den Blickpunkt.

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