Ausmisten in der Unterwelt

Völklingen · Der Abriss selbst geht schnell mit einem Bagger, dessen Schere „Beton wie Butter schneidet“, sagt Polier Joseph Breitkopf. Doch zuvor muss ausgeräumt und entkernt werden, bis nur noch die Mauern stehen.

Montagmorgen, minus sieben Grad in Völklingen . Polier Joseph Breitkopf ist ein Mann mit internationaler Abriss-Erfahrung und ein gläubiger Mensch. Breitkopf hat bereits seit drei Wochen in einem Wohnwagen auf der Baustelle übernachtet. Er war, wie er erzählt, auch am Sonntag im Gottesdienst. Breitkopf wartet nun auf die erhoffte Verstärkung von "mindestens 20 Mann". Doch die steckt offenbar noch irgendwo auf den Straßen zwischen Polen ("dort sind's minus 35 Grad") und Völklingen fest. Und so muss Breitkopf mit der fünfköpfigen Stammtruppe, die bereits vor Ort ist, anfangen.

Ausräumen und Entmüllen war gestern angesagt in der Unterwelt des früheren Parkhauses. Da gab es früher eine Diskothek, eine Spielothek und ein Fitness-Studio. Als dicht gemacht wurde, hat niemand mehr aufgeräumt, und danach hatten sich dort Eindringlinge aller Art gemütlich niedergelassen. So türmen sich dort Abfall (inklusive Ekel erregendem) und Sperrmüll aller Art bis hin zum vergessenen Einkaufswagen, und neben fast noch kunstvoll anmutenden Gemälden prangen Schmierereien aller Art bis hin zum vielsagenden Schriftzug "Hurenbock was here".

Alles muss raus, bevor der Bagger zubeißen kann. Und zudem sortenrein entsorgt werden. Das heißt, dass Hausmüll, Sperrmüll, Türen, Fenster, Läden, Wand-, Decken- und Rohrverkleidungen, alles, was sich so in Gebäuden findet, in die passenden Container wandern. Manfred Schäfer vom Saarbrücker Ingenieurbüro AD Projekt, das im Auftrag der Stadt das Projekt betreut, rechnet mit Größenordnungen von 20 Tonnen (Sperrmüll) über 100 Tonnen (Baumischabfall) bis 450 Tonnen so genanntes A-4-Holz, das nur noch verbrannt werden kann. Sauberer Bauschutt soll, soweit möglich, bereits an Ort und Stelle wieder zum Füllen der Abrisslöcher benutzt werden.

Dann gibt's auch noch Elemente wie Deckenplatten, Rohrflansche und Verkleidungen, in denen Asbest und Glaswolle stecken. Wenn es an diese geht, werden die Arbeiter Schutzanzüge und Atemmasken tragen müssen. Doch danach können sie wenigstens im Warmen duschen. Beheizbare Container stehen inzwischen auf dem Gelände bereit.

Metallteile wie Kabel, die Wertvolles wie Kupfer enthalten, wird man allerdings beim Ausräumen kaum noch finden. Da haben Diebe laut Schäfer bereits alles, was nicht niet- und nagelfest war, ausgeräumt.

Das Ex-Parkhaus ist bei den insgesamt 18 Gebäude, die verschwinden sollen, als Erstes dran. Denn man braucht diesen Platz, um den Schredder für den Bauschutt aufzustellen. Und wann werden die Mauern des Ex-Parkhauses fallen? "Ich hoffe, es ist in 14 Tagen soweit", sagt Joseph Breitkopf. Und bekreuzigt sich dreimal. Erfahrungsgemäß könnten Überraschungen wie nicht vorhersehbare Altlasten auftauchen. Aber wenn der Abriss losgeht, dürfte er in zwei Tagen vorbei sein. Denn, so Breitkopf: "Die Schere an unserem Bagger schneidet durch Beton wie Butter ."