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Auseinandersetzung mit den Röchlings

Völklingen. Autor Bernd Rausch stellt neues Buch über die Familie bei Lesung in Völklingen vor. Thomas Annen

"100 Jahre Röchling - Ausbeutung, Raub, Kriegsverbrechen", heißt das neue Buch von Bernd Rausch (64), das am Freitagabend im Alten Rathaus in Völklingen vorgestellt wurde. Die Bürgerinitiative "Bouser Höhe - Gegen das Vergessen und die Gleichgültigkeit", und die Stadtratsfraktion der Linken hatten zu der Lesung eingeladen.

"Hermann Röchling", behauptet Bernd Rausch, "war Judenhasser", und er sei stets bemüht gewesen, das Nazi-Regime noch effizienter zu gestalten. "Hermann Röchling, Hitlers Mann an der Saar", heißt denn auch ein Kapitel. Rausch beleuchtet zudem die Rastatter Prozesse: Im Januar 1949 verurteilte ein französisches Militärgericht den Unternehmer zu zehn Jahren Haft wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Das Buch, erläuterte Rausch den acht Zuhörern, habe eine Doppelfunktion. Zum einen informiere es über den Röchling-Komplex vom Ersten Weltkrieg bis 2016. Zum anderen sei es eine Streitschrift für einen grundlegend anderen Umgang mit dem Weltkulturerbe. Die Völklinger Hütte sei der Ort gewesen, schreibt Rausch, "wo die Röchlings sich ihr Vermögen mit Ausbeutung, Zwangsarbeit, Waffenproduktion und Kriegsverbrechen angeeignet haben."

Kritik übt er auch an Weltkulturerbe-Chef Meinrad Grewenig. Als "Statthalter" der Röchlings wahre der Generaldirektor deren Interessen in Völklingen, behauptet Rausch. Der Autor möchte, dass der heutige Röchling-Konzerns aufgefordert wird, die Zwangsarbeiter und deren Familien zu entschädigen. Außerdem solle am Eingang zum Weltkulturerbe ein Denkmal errichtet werden, das an die Leiden der Zwangsarbeiter erinnert. Eine weitere Forderung: "Die politisch Verantwortlichen in Völklingen müssen Hermann Röchling als Ehrenbürger ihrer Stadt ersatzlos aus der Liste streichen."

Das DIN-A-5-Taschenbuch (102 Seiten) ist im Buchhandel erhältlich (9,90 Euro). ISBN 978-3-00-053761-5

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