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Auf grünen Wegen durch Bergbaugeschichte

Wehrden. Wälder, Weiher, Carreau Wendel, Kaffeekich und Pestlazarett – das alles erleben Fahrradtouristen im saarländisch-lothringischen Warndt. Unsere heutige Empfehlung führt zum grenzüberschreitenden Radweg „Velo visavis“ und also von Wehrden über Großrosseln nach Frankreich und zurück, das alles auf nur 26 Kilometern. Walter Faas

Ausgangspunkt der Fahrradreise ist die Wehrdener Saarbrücke. Hier, wo der Bildhauer Christian Remchen eine Fährmann-Skulptur zur Erinnerung an alte Zeiten schuf, wo Drachenbootfahrer lautstark trainieren, führt der Saarlandradweg in Richtung Warndtwald erstmal über die Hallerstraße.



Dann, in der Waldstraße, wird's deutlich ruhiger. Nach 1,36 Kilometern bereits bietet sich die erste Einkehrmöglichkeit an, am Sebastian-Riewer-Weiher. Der Angelsportverein Geislautern unterhält hier eine Ausflugsgaststätte, täglich geöffnet. Betreiberin Rebecca Oellerich lockt ihre "Stammgäste", zwei Nilgänse namens Nils und Helga, mit einem Pfiff und den Gast mit der Aussicht: "Vielleicht schauen Sie auf dem Rückweg wieder vorbei?"

Einkehren könnte man im Prinzip auch in der Kaffekich Velsen, der ältesten erhaltenen Grubenkantine des Saarlandes. "Scheen sproche, gudd esse, ääna drinke, sich wohlfiele", lautet die Devise. Hier gibt's tatsächlich noch den legendären Weck mit Lyonerwurst und Flaschenbier, Standardbrunch der Saarbergleute in der Mitte des vorigen Jahrhunderts. Aber nein, keine unnötigen Kalorien aufnehmen.

Zwischen der gigantisch großen Müllverbrennungsanlage und der nach Erdöl stinkenden Rossel (es gibt idyllischere Orte, aber gleichwohl viel Grün) fährt man mittenmang hindurch, unterquert ein Brücklein - und befindet sich im Handumdrehen in der Rue des Fleurs und also in Lothringen. Ein weiterer schöner Angelweiher liegt hier, im Schafbachtal. Die Petrijünger, alte wie junge, haben die Ruhe weg. Im Ortszentrum von Petite-Rosselle, der Partnergemeinde von Großrosseln auf französischer Seite, gibt's erstmal Verwirrung über den richtigen weiteren Weg. Wir entscheiden uns für links, für die Rue du Général de Gaulle, später - nochmal links - für die Vielle Route de Forbach. Dort, in Höhe der Hausnummer 26, lässt man (nach rund 500 Meter recht steilen Anstieges) auch den moderaten Autoverkehr hinter sich und biegt - erneut links über die Rue Joseph Nau - autofrei mit eigener Fahrradspur und wiedergefundener Ausschilderung zum Bergbaumuseum Carreau Wendel ein. Es ist von dienstags bis sonntags jeweils von neun bis 18 Uhr geöffnet. Familie Weber, Vater, Mutter, drei Kinder, arbeiten sich radelnd den Berg hinauf, an den großen Fördertürmen vorbei, in den oberen Teil von Petite Rosselle. Der Weg ist wunderbar beschildert mit dem Symbol "Velo visavis", und schon befindet man sich wieder in Deutschland.

Belohnt für den Anstieg, geht es durch herrlich grüne Mischwälder hinab nach Schoeneck, Krughütte, Aschbach. Der Radwanderer hält an der früheren Aschbacher Kirche, einem Gebäude, das nach dem 30-jährigen Krieg lange Zeit als Pestlazarett diente. Über den Saarradweg von Fenne erreicht man ruckzuck den Ausgangspunkt Wehrdener Brücke wieder. Der Tacho zeigt exakt 26 Kilometer an. Und jetzt auf das Angebot von Rebecca Oellerich zurückkommen!

Zum Thema:

Auf einen Blick Die Radstrecke führt überwiegend über autofreie, jedoch kaum asphaltierte Wald- und Wiesenwege. Daher sind Trekkingräder, Mountainbikes oder E-Bikes mit solidem Reifenmaterial ratsam. Rennräder mit schmalen Reifen sind für diese Tour hingegen nicht zu empfehlen. Für Fahranfänger, insbesondere für Kinder bis zum Alter von etwa zehn Jahren, ist der Weg wegen der zum Teil recht steilen An- und Abstiege kaum geeignet. et