Völklingen : Auf der Jagd nach seltenen Marken

Kurt Hoffmann aus Geislautern sammelt alte Briefmarken von der Saar. Manche Rarität hat er dabei schon entdeckt.

„Einer Frau die Briefmarkensammlung zeigen? Das öffnet keine Türen mehr“, scherzt Kurt Hoffmann aus Geislautern. Der 56-jährige EDV-Experte ist der Vorsitzende des Briefmarkensammlervereins 1906 Völkingen-Warndt, und ihn plagen Nachwuchssorgen. Die Briefmarken sterben im E-Mail-Zeitalter langsam aus und schon vor dem elektronischen Postverkehr ließ das Sammeln der Postwertzeichen immer mehr nach.

Heute liege das Durchschnittsalter der Sammler in seinem Klub bei mehr als 70 Jahren, und er gelte noch als junger Mann im Kreise seiner Klubfreunde. Die einst 30-köpfige Jugendgruppe des Sammlervereins habe sich aufgelöst und ein Gegentrend sei nicht erkennbar. Der heute älteste Briefmarkensammlerverein des Landes sei aus einer Fusion der Vereine im Warndt und in Völklingen hervorgegangen, biete aber noch immer regelmäßig Tauschabende an. Trotzdem mache man sich Sorgen, ob das Hobby aussterbe. Das macht sich auch im Wert der Sammlungen bemerkbar, da die Nachfrage sinkt. Häufig übernehme der Verein Bestände, damit diese nicht verloren gehen, weil sie nicht mehr verkäuflich sind, sagt Hoffmann. Lediglich seltene Einzelstücke hätten noch ihren Marktwert. Hofmann sammelt auch alte Ansichtskarten von Völklingen, die Motive aus der Zeit vor 1920 abbilden: „Diese Karten erzählen Geschichten, und oft ist es nicht einfach zu bestimmen, welche Straßen dort heute sind. Daneben sammele ich Einzelstücke, die Geschichten erzählen, wie Briefe aus der Zeit, als es noch gar keine Briefmarken an der Saar gab.“ Als Beleg zeigt er einen Brief mit Völklingen-Stempel ohne Marke, den die Völklinger Hütte 1854 an die Dillinger Hütte verschickte und der dort am selben Tag ankam. Hoffmann interessiert sich dafür, was solche Briefe berichten. Da man keine Umschläge benutzte, sondern das Briefpapier zusammenfaltete und außen frankierte, ist die Nachricht erhalten. Auch aus den Adressen lässt sich vieles ablesen. Wer schrieb wem? Welche Titel hatten die Empfänger, was verraten die Stempel? „Briefe aus der Inflationszeit hatten so viele Briefmarken, dass kaum noch Platz für den Text war. Dann kamen Briefmarken mit Millionen- und Milliardenwerten. Danach die Saargebietszeit. Hier interessieren mich auch wieder die Stempel, vor allem von kleinen Orten, die in der Gebietsreform wegfielen und so nur kurz ein eigenes Postamt hatten. Hier ein Brief aus Carlsbrunn, ein Einschreiben“, sagt Hoffmann und hat den mit zwei Saargebiets-Marken frankierten Umschlag in der Hand.

Das Saarland ist für Sammler ein begehrtes Feld, denn zweimal gab es hier eigene Briefmarken. Und unter diesen sind viele Druckvarianten. Mit der Lupe sucht Hoffmann nach seltenen Farben, da nicht alle Bögen den gleichen Druck hatten. Im Wert kann das beträchtliche Unterschiede machen. „Meist hat man ja nicht die seltenen Drucke, aber manchmal schon.“ Das sind Momente, die Sammlerherzen höher schlagen lassen. Auch einen Poststempel aus Geislautern kann er zeigen, aus seinem Heimatort, der später dem Postamt Großrosseln zugeschlagen wurde. Heimatgeschichte zeigt sich hier im Kleinen. Dass aus Kleinem etwas Großes entsteht, ist der Werbeslogan des Saarlandes. Für die Briefmarkensammler sieht Hoffmann das nicht. „Ich wünsche mir, dass junge Menschen dieses Hobby wiederentdecken. Aber wir haben das Image von Stubenhockern. Die Jugend sprechen wir damit nicht an“, sagt er.

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