„Auch nächstes Jahr eine Durststrecke“

„Auch nächstes Jahr eine Durststrecke“

Seit bald vier Jahren gibt es im Nordring die Einkaufsadresse für Menschen mit geringem Einkommen. Die Besucherzahlen belegen, dass der Bedarf für eine solche Anlaufadresse besteht. Zu kämpfen hat die Diakonie mit der Kürzung der Fördermittel.

"Das Diakoniekaufhaus wird sehr gut angenommen", sagte Fritz Dreyer vom Diakonischen Werk an der Saar am Mittwochnachmittag im Stadtratsausschuss für Kinder, Jugend und Soziales. Gemeinsam mit seiner Kollegin Bärbel Heil-Trapp präsentierte er positive Geschäftszahlen. Von Januar bis 10. Oktober wurden in der Einrichtung am Nordring rund 12 000 Kunden gezählt, der Gesamtumsatz belief sich im gleichen Zeitraum auf knapp 90 000 Euro.

Zuschuss von 50 000 Euro

Das Sozialkaufhaus ist nicht die einzige Beschäftigungsmaßnahme des Trägers in Völklingen . Insgesamt gibt es zurzeit 148 Teilnehmerplätze und 12,75 Vollzeit-Mitarbeiterstellen. Auch in diesem Jahr bezuschusst die Stadt die Arbeit mit 50 000 Euro. Zu kämpfen hat das Diakonische Werk mit der Kürzung anderer öffentlicher Fördermittel . Wegfallende Bürgerarbeitsplätze konnten bisher zwar durch Ein-Euro-Jobber ersetzt werden. Doch Ende des Jahres läuft die Bürgerarbeit, ein auf drei Jahre angelegtes Bundesprojekt zur Integration von Langzeitarbeitslosen, komplett aus. Und ein entsprechendes Nachfolgeprogramm gibt es noch nicht. Deshalb rechnet Bärbel Heil-Trapp auch 2015 mit einer Durststrecke. Durch Umstrukturierung und Kostenersparnis, erläuterte sie, versuche man, den Nordring zu sichern. Inzwischen ist dort auch eine Sprachwerkstatt für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge gestartet. Die Jugendlichen, die im Clearinghaus auf dem Heidstock wohnen, werden in der Maßnahme für den Schulbesuch fit gemacht.

Und im November soll ein Berufsvorbereitungskurs für junge Flüchtlinge über 18 Jahre beginnen. Die Unterbringung der steigenden Zahl von Flüchtlingen, erklärte Kurt Kasper von der Stadtverwaltung, werde immer schwieriger.

Die Entwicklung, erläuterte der Fachbereichsleiter, sei dramatisch. Er hofft nun, dass Mittel zur Verfügung gestellt werden, um im leer stehenden Teil des städtischen Gebäudes in der Zilleichstraße zwei Flüchtlingsunterkünfte einzurichten.

Ursprünglich für Obdachlose

Früher waren die sanierungsbedürftigen Räume für Obdachlose reserviert. Gelingt dies nicht, befürchtet Kasper, dass Flüchtlinge in Containern oder Turnhallen untergebracht werden müssen. Im Neuen Rathaus berichtete er auch über die Situation des Kindergartens St. Eligius. Nachdem das Land den erhofften Zuschuss für die städtischen Um- und Ausbaupläne nicht gewähren wollte, hatte die Stadtverwaltung eine abgespeckte Ausbau-Version erarbeitet. Und einen neuen Förderantrag gestellt. Über einen möglichen Zuschuss, erklärte Kasper, habe das Land aber noch nicht entschieden. > Weiterer Bericht folgt.

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