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Arbeitsgemeinschaft Saubere Stadt
Völklingen soll wieder sauber werden

  Mit einer Marjkerungsmaschine zeichnet Alexander Benzmüller Parkbuchten auf den Platz am Alten Brühl.
Mit einer Marjkerungsmaschine zeichnet Alexander Benzmüller Parkbuchten auf den Platz am Alten Brühl. FOTO: BeckerBredel
Völklingen. Eine Arbeitsgemeinschaft kümmert sich um die Müllentsorgung in den einzeln Stadtteilen der Mittelstadt. Von Bernhard Geber

Völklingen ist in Internet-Suchmaschinen immer noch unter dem Begriff „hässlichste Stadt Deutschlands“ zu finden. Diesen Titel hatte ihm 1993 ein privater Fernsehsender verliehen. „Die Kernstadt tut sich schwer, diesen Ruf loszuwerden“, heißt es dazu aktuell im Internet-Lexikon Wikipedia. Solches Getöse stört Alexander Benzmüller (48) und seine Mitstreiter wenig. Sie engagieren sich ruhig, aber beharrlich dafür, dass ihre Heimatstadt Stück für Stück ansehnlicher wird.


„Für mich ist es wichtig, als Beispiel voranzugehen und nicht zuzuschauen, sondern etwas zu tun“, sagt der gelernte Gärtner aus dem Stadtteil Wehrden. Benzmüller ist Sprecher der Arbeitsgemeinschaft (AG) Saubere Stadt, die sich im September 2017 unter dem Dach des Völklinger Sicherheitsbeirats gegründet hat. Die Frauen und Männer, die sich in der AG zusammengefunden habe, arbeiten ebenso ehrenamtlich wie der gesamte Sicherheitsbeirat. Sie haben inzwischen ein beachtliches Pensum hingelegt.

So strahlt das „Völklingen“-Schild am Luisenthaler Saarufer, dem legendären „Hollywood“-Schriftzug nachgebildet und als Wahrzeichen der Stadt gegenüber der Autobahn aufgestellt, wieder im ursprünglichen Weiß. In einer zweitägigen Aktion im vergangenen Mai hatten es Mitglieder der AG von Schmierereien befreit und neu gestrichen. Heimatbewussten Völklingern wie den Mitgliedern der AG liegt der Alte Brühl besonders am Herzen. Dort, in Richtung Saar, lag einmal der historische Ortskern, bevor Bahndamm und Umgehungsstraße ihn von der Innenstadt abtrennten. Martinskirche und umgebende Bebauung waren im Laufe der Jahrzehnte abgerissen worden, und in der Öde entwickelte sich ein rege genutzter wilder Parkplatz, an dessen Rande immer wieder  Müll abgelegt wird.



Ehrgeizige Rathaus-Pläne, den Alten Brühl ansehnlich zu gestalten, scheiterten am Geld. Und so schritt die Arbeitsgemeinschaft im vergangenen November zu einer spektakulären Aktion. Sie lieh sich eine Maschine, mit der der örtliche Fußballclub Röchling Völklingen normalerweise die weißen Linien auf seinem Platz zieht, für einen Tag aus. Und markierte das Gelände am Alten Brühl so, wie es ihrer Ansicht nach aussehen sollte – mit Parkplätzen, Grünflächen und Inseln für Bäume. Walther Göggelmann, AG-Mitglied und Architekt, hatte zuvor den entsprechenden Entwurf gezeichnet.

Der Alte Brühl beschäftigt auch ansonsten regelmäßig die AG-Mitglieder. Normalerweise bemühen sie sich, mit der Kraft der Überzeugung gegen Müllsünden zu wirken. Doch kürzlich kam es am Alten Brühl ganz dicke: Am Rande fanden sich rund 50 alte Autoreifen und ein Kühlschrank. Daraufhin erstattete die AG ausnahmsweise Strafanzeige.

Ansonsten nehmen sich die Mitglieder Brennpunkte in den einzelnen Stadtteilen vor. Bei Rundgängen untersuchten sie bereits das Umfeld der Kulturhalle Wehrden, die Skateranlage und das Spielgelände an der Stadionstraße, die Hausenstraße und Umgebung im oberen Fenne, den Haldenweg rund um den Sportplatz Heidstock. Müll, der ins Auge fiel, wurde eigenhändig eingesammelt. Und ansonsten gingen Berichte an die zuständigen Ämter der Stadtverwaltung. Diese beschrieben nicht nur Missstände, sondern gaben auch Anregungen, was man tun könnte: zum Beispiel einen störenden Mauerrest beseitigen, mehr oder größere Müllgefäße oder eine Tütenspender für Hundekot vor Ort aufstellen. Wie Benzmüller unterstreicht, klappt die Zusammenarbeit mit Betriebshof und Grünamt in dieser Beziehung hervorragend.

Nach solchen Begehungen übernehmen dann AG-Mitglieder aus dem jeweiligen Stadtteil jeweils so genannte Sauberkeitspatenschaften. Sie achten darauf, dass alles in Ordnung bleibt. Für Wehrden, Fenne, Heidstock und Luisenthal gibt es bereits solche Paten, und weitere werden gesucht. In der nördlichen Innenstadt könnte sich eine Lücke auftun, wenn der Vertrag des so genannten Quartiershausmeisters, der über ein Sozialprojekt angestellt ist, im März ausläuft, befürchtet Hans-Jürgen Georges (66). Georges ist AG-Mitglied, Sprecher des Stadtteilforums Nördliche Innenstadt und stellt fest: „Hier bei uns hat sich die Lage gebessert, und so sollte es auch in der ganzen Stadt sein.“

AG-Mitglied Iris Thul-Scher (57) ist gebürtige Saarbrückerin, aber besuchte bereits als Kind das heutige Marie-Luise-Kaschnitz-Gymnasium in Völklingen. Sie wohnt heute in der Danziger Straße, durch die auch ihr damaliger Weg zur Schule führte. „Ich hatte damals die Planatenallee, die gepflegten Vorgärten im Blick und habe heute viel Freude daran, die mittlerweile etwas verwahrlost wirkende Schönheit Völklingens wieder freizulegen“, erklärt sie ihr Engagement in der Gruppe.

Da gibt es aber auch Rückschläge zu verkraften. Alexander Benzmüller hatte eine junge Platane am Aussichtspunkt Wehrdener Brücke den ganzen Sommer über gepflegt. Dann knickten Unbekannte das Bäumchen über Nacht mit brutaler Gewalt um. Benzmüller bemüht sich derzeit um Ersatz an dieser Stelle, „aber dann mit einem Schutzgitter“.

Die AG hat auch die Forderung nach einem betreuten Taubenhaus in Völklingen wieder aufgegriffen. Mit der Einrichtung soll die unkontrollierte Vermehrung der Stadttauben gebremst werden. Es soll den Vögeln eine Heimat bieten, in der sie artgerecht gefüttert werden und auch brüten können – allerdings überwiegend auf Gipseiern, die ihnen die Betreuer unterschieben. Solche Einrichtungen gibt es bereits seit Jahren in Saarbrücken und Saarlouis. „Völklinger, die derzeit verbotener Weise die Stadttauben füttern, können es dann dort ganz legal tun“, sagt Benzmüller mit einem Augenzwinkern.