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Rufbereitschaft auch bei Nacht
„Anrufbeantworter geht gar nicht“

Sie arbeiten Hand in Hand: das Bestatter-Ehepaar Nadine und Christian Duchene.
Sie arbeiten Hand in Hand: das Bestatter-Ehepaar Nadine und Christian Duchene. FOTO: Thomas Seeber
Völklingen. Besonders schmerzlich trifft Angehörige ein Todesfall in der Zeit um Weihnachten. Auch dann sind Bestatter Christian Duchene und Ehefrau Nadine stets dienstbereit. Von Walter Faas

Dem Tod begegnet Christian Duchene aus Ludweiler seit über einem Vierteljahrhundert, berufsbedingt. Der Mann ist Bestattermeister, geprüfter Thanatopraktiker (siehe Hintergrund), gelernter Kaufmann und gemeinsam mit seiner Ehefrau Nadine Duchene Inhaber des Unternehmens Avalon-Bestattungen  mit Niederlassungen in Völklingen, Überherrn, Ludweiler und Saarbrücken.


Über den schwierigen Umgang mit Tod und Trauer, gerade an Weihnachten, über das Thema Rundum-Bereitschaft im Bestattungswesen, über emotionale Belastungen, aber auch Möglichkeiten, einfach mal abzuschalten, haben wir im Vorfeld des Weihnachtsfestes mit Duchene gesprochen.

Zunächst einmal: Im elterlichen Betrieb -– der Vater war Jahrzehnte in Ludweiler Bestatter – hat sich Duchene schon als 16-Jähriger ganz bewusst für den Beruf entschieden und schließlich im Jahr 2013 mit seiner Frau Avalon gegründet. Zur heute allgemein erwünschten Rundumbetreuung bei Todesfällen bietet Avalon den Hinterbliebenen einen eigenen Trauer- und Abschiedsraum sowie ein „Haus der Begegnung“ in der ehemaligen neuapostolischen Kirche in Ludweiler. Individuelle Trauerfeiern, Beerdigungskaffee, ja sogar kulturelle Veranstaltungen können hier durchgeführt werden.



Aber eigentlich wollten wir mit dem Bestatter-Ehepaar über das Arbeiten an Feiertagen, gegebenenfalls auch mitten in der Nacht sprechen. Eine Belastung? „Nein“, sagt Christian Duchene, „ich bin der Meinung, ein Bestatter muss persönlich erreichbar sein, immer, an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr. Am Anrufbeantworter eine Todesmeldung entgegen zu nehmen, das geht gar nicht.“ Also habe das Unternehmen eine Rufbereitschaft einschließlich eines Mitarbeiterstammes im Hintergrund rund um die Uhr ganzjährig  eingerichtet. „Am Telefon meldet sich dann entweder meine Frau, ein weiterer Kollege oder ich selbst, zumal wir ja auch Vertragsbestatter der saarländischen Polizei sind und auch von dort jederzeit angerufen werden können.“

Kann man unter diesen Umständen überhaupt noch gemütlich Weihnachten feiern? „Aber ja“, antwortet Duchene, „mit einem schönen Essen, mit ruhiger Musik,  natürlich einem Tannenbaum, mit meinen Kindern, aber ohne Alkohol, Sie verstehen?“ Und wenn dann die Bestatter tatsächlich in der Heiligen Nacht oder an den folgenden Feiertagen raus müssen,  „gibt es bei uns kein böses Blut, da wir beide unseren Beruf mit Herzblut ausüben“. Dennoch: „Wir sind aber auch froh, wenn es über die Weihnachtsfeiertage und an Neujahr ruhig bleibt.“ Aber leider werde auch an solchen Festtagen gestorben.

Duchene: „Wenn der Tod mitten im Jahr kommt, ist jeder Tag der falsche. Aber an Weihnachten trifft es die Angehörigen besonders hart.  Auch wenn wir gelernt haben, in unserer Freizeit loszulassen, drückt uns das auch sehr. Dann fällt es schon schwer, die passenden Worte des Trostes und der Zuwendung zu finden.“ Sollte aber gelingen, mit der Erfahrung, denn: „Heutzutage ist man mehr Seelsorger als Bestatter und manchmal die erste Ansprechstation für Menschen, die noch ganz unter dem Schock des Ereignisses stehen.“

Christian Duchene hat neben seinem Bestatter-Telefon einen weiteren Piepser am Bett stehen: „Mein Hobby ist die Freiwillige Feuerwehr. Da steckt man auch nicht drin und kann sich die Zeiten aussuchen: Wenn es brennt, müssen wir raus!“ Und das gilt natürlich genauso an Silvester und den Tagen rund um den Jahreswechsel.