Silvesterabend in Völklingen: Am Völklinger Nachthimmel war was los

Silvesterabend in Völklingen : Am Völklinger Nachthimmel war was los

Die Zuneigung der Völklinger zum Silvesterfeuerwerk ist ungebrochen. Aber mancher andere Brauch hat sich gewandelt. Etwa bei den Speisen für die letzte Nacht des Jahres.

Laut, grell und bunt haben die Menschen aus Völklingen und Umgebung in der Silvesternacht das neue Jahr begrüßt. Auch wenn – beurteilt nach den schmutzigen Hinterlassenschaften der Freizeitfeuerwerker auf den Straßen –  bei weitem nicht so stark geböllert wurde  wie noch vor Jahren. Doch auf jeden Fall haben es die Böllerfans geschafft, die Stadt in buntes, schillerndes und funkelndes Licht zu rücken, von lauten Krachern und schrillem Pfeifen begleitet. Eine gute halbe Stunde lang war da am – nur in der Höhe von Wolken getrübten – Völklinger Nachthimmel so richtig was los. Die prominenten Kirchentürme lieferten ebenso wie der Gasometer der Hütte und die beiden Rathäuser die Fixpunkte zur einzigartigen Kulisse.

Es wurde nicht nur weniger geballert – auch andere Bräuche haben sich zu Silvester geändert, wie unser Streifzug durch die Stadt gezeigt hat. Bereits vor der Mittagsstunde zum Ultimo wird das deutlich, als sich viele Völklinger noch einmal in ihren Lieblingslokalen versammeln. Sei es im Bit am Markt, in der Hüttenschänke oder in der Donnerquelle in der Völklinger Innenstadt oder draußen in den Stadtteilen, wie am Wehrdener Kraftwerk: Jetzt will jeder noch einmal möglichst viele Bekannte an einem Ort versammelt finden, um den obligatorischen „Guten Rutsch“ zu wünschen.

Daneben ist das letzte Mahl des Jahres prägendes Gesprächsthema, wobei sich zeigt, dass der traditionellen Abschlussspeise eine andere den Rang abgelaufen hat. Wo vor wenigen Jahren noch vorwiegend Würstchen oder Kassler Rippchen mit Kraut und Kartoffelsalat verspeist wurden, setzt man jetzt auf ein Eventkochen im kleinen Rahmen. „Wir machen Raclette“, berichten sowohl Helga und Dieter Baldauf als auch Ilse Schön, Volker Groß und viele andere. Ob mit Fleisch, Fisch oder vegetarisch und meistens mit Käse überbacken – die Pfannen im Kleinstformat begeistern die Hungrigen zum Jahresende.

Frühe Feier auch überall in der Region, etwa am Karlsbrunner Wildpark, wo man sich vor Wochenfrist zur „Heilisch Morje Treff“ versammelt hatte. Abends zieht es kaum noch jemanden ins Stammlokal, dementsprechend bleiben die Kneipen ab dem Nachmittag dunkel. Wenn man ausgeht, muss es eine Gala sein. Wie im Alten Bahnhof. Oder auch  im Parkhotel Albrecht. „Meine Frau ist selbstverständlich nicht begeistert, dass ich mittlerweile seit Jahrzehnten so meinen Geburtstag verbringe“, sagt Silvester-Geburtstagskind Giovanni Burgio, der als Sänger der Gruppe DaVinci einmal mehr sein Publikum fest im Griff hat. Auch bei der inzwischen zehnten und letzten Silvestergala bei Silke und Markus Albrecht im Völklinger Parkhotel. „Insgesamt geht das jetzt seit 22 Jahren so, unter anderem in Heusweiler, der vorherigen Station von Silke und Markus“, sagt Giovanni Burgio.  Pausen gönnt er sich und seinen Mitstreitern Markus Krotten, Adriana und Angelo Vita nur, wenn ein weiterer großartiger Gang aus der Küche für die vielen Gäste bereit steht.

Und so vergehen die letzten Stunden des scheidenden Jahres wie im Flug – und trotzdem geht es etlichen Feuerwerkern nicht schnell genug. Weit vor Mitternacht haben erste Kracher und Raketen das bevorstehende Spektakel angekündigt.

Mit jeder Stunde verdichtet sich dann das Knallen, Zischen und Funkeln. Zehn Minuten vor dem Jahreswechsel blitzt und kracht es bereits kontinuierlich, und als die Glocken schließlich das Jahr 2018 begrüßen, ist das Getöse bereits so laut, dass der Glockenklang nur in nächster Umgebung oder bei genauem Hinhören zu vernehmen ist.

Fast eine Stunde dauert das ausgelassene Treiben, bei dem sich auf den Straßen sogar Unbekannte für Sekunden in den Armen liegen und sich „alles Gute“ für das junge Jahr wünschen.

Silvesterparty 2017 im Völklinger Parkhotel mit der Band DaVinci – Dritter von links: Leadsänger Giovanni Burgio, der zu Silvester Geburtstag hat und den seit Jahren mit Auftritten feiert. Foto: Andreas Lang
Auch vom Philosophenweg aus – unweit des Schillerparks – bot sich Feuerwerks-Guckern ein farbenfrohes Bild. Hinten links der Saarstahl-Gasometer; die Raketen übertrafen seine 60-Meter-Höhe ohne Mühe. Foto: Andreas Lang

Und hier und da zeigt sich auch, dass beliebte Bräuche weiter gepflegt werden. „Nach italienischer Sitte werden wir gleich jeder zwei Spaghetti verspeisen“, kündigen Domenico und Doris Gugliotta in Fenne nach vollbrachtem Feuerwerk an. Wichtig sei dabei, dass die Soße noch aus dem alten Jahr stammt, während die Nudeln frisch im neuen Jahr gekocht werden – und: „Genau genommen handelt es sich nicht nur um zwei Spaghetti, sondern um eine kleine Portion.“

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