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Alte Musik im neuen Gewand

Völklingen. Akkordeon und Blockflöte: Mit dieser ungewöhnlichen Kombination machten zwei Gast-Musiker aus Straßburg bekannte Barock-Kompositionen neu erlebbar. In der Erlöserkirche auf dem Heidstock bekamen sie viel Applaus. Walter Faas

Alte Meister, neue Aufführungspraxis: So wird Barockmusik neu geboren. Am Sonntag spielte das Straßburger Ensemble Le Masque in der Heidstocker Erlöserkirche einen "Dialogue insolite". Das französische Wort "insolite" heißt auf Deutsch "ungewöhnlich". Gemeint ist die Besetzung: Blockflöte und Akkordeon. Gespielt von Meistern ihres Fachs, dem Franzosen Marc Hervieux, Blockflöte, und dem gebürtigen Ukrainer Bogdan Nesterenko, Akkordeon, erlebt das Publikum eine Rarität. Sie wird den barocken Werken wunderbar gerecht.

Kein Wetteifern der beiden Instrumente hören wir, stattdessen ausgewogene Harmonie. Spielfreude, die Lebendigkeit des Vortrages, die Ruhe in langen, fließenden Passagen tun dem Ohr gut. Georg Friedrich Händel , Johann Sebastian Bach und Antonio Vivaldi haben, besonders in ihren schnellen Sätzen, regelrechte Klanggebirge komponiert. Das Ensemble meistert dieses lebhafte Tempo virtuos.

Als ob er ein ganzes Orchester in seinen Fingerspitzen hätte, spielt der Akkordeonist den "Winter" aus den "Vier Jahreszeiten". Vivaldis bekanntes Stück wird zu einem Höhepunkt des Kammerkonzertes, die rund 40 Zuhörer belohnen es mit Sonderapplaus. Und beim Solo-Auftritt des Blockflötenspielers Hervieux mit Joseph-Bodin de Boismortier "Ramage" (auf Deutsch: "Vogelgezwitscher") gelingt der musikalische Bogenschlag zwischen der sakralen Atmosphäre innen und dem vorfrühlingshaften Wald draußen wie selbstverständlich. So wird Alte Musik klangschön im neuen Gewand präsentiert. Das tut den Werken gut. Und die Zuhörer erleben spannende 90 Minuten mit zwei Künstlern, deren Zusammenspiel keine Wünsche offen lässt.

Ein schöner Erfolg für den Veranstalter, den Freundeskreis für Musik in der Versöhnungskirche Völklingen (FMV), der sich, wieder einmal, mit zwei innovativen Künstlern, in diesem Fall aus dem Nachbarland Frankreich auf Ungewöhnliches einließ und also die Bravorufe nach der Zugabe mit verdient hat.