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Verkehrslärm in Völklingen
Aktionsplan als „Viel Lärm um nichts“?

Brennpunkt Ludweiler Straße in Geislautern: An dieser Landesstraße haben die Anwohner seit Jahrzehnten extreme Verkehrslast mit entsprechendem Lärm zu ertragen. Passiert ist bisher so gut wie nichts.
Brennpunkt Ludweiler Straße in Geislautern: An dieser Landesstraße haben die Anwohner seit Jahrzehnten extreme Verkehrslast mit entsprechendem Lärm zu ertragen. Passiert ist bisher so gut wie nichts. FOTO: bub / BECKER&BREDEL
Völklingen. Ideen, wie man Völklinger Verkehrslärm mindern könnte, gibt es genug. Aber dafür müssten Bund und Land zur Tat schreiten. Von Bernhard Geber

Auf einer Reihe von Straßenabschnitten in Völklingen müssen die Anwohner zu viel Verkehrslärm ertragen. Das ist nicht nur ihre persönliche Ansicht, sondern wird durch wissenschaftliche Untersuchungen des Umweltcampus Birkenfeld untermauert. Doch schnelle Abhilfe ist nicht in Sicht, auch wenn der Stadtrat jetzt einstimmig den so genannten Lärmaktionsplan Stufe II beschlossen hat. Zunächst ist dieser mehr eine Bekundung guten Willens.



Das Europaparlament hatte bereits 2002 mit einer Richtlinie festgelegt, dass alle Kommunen solche Lärmaktionspläne aufstellen müssen. Die Stadt Völklingen hat hier 2008 bei einem Pilotprojekt Vorreiter im Saarland gespielt. Heraus kam zunächst eine Lärmkartierung, also Aussagen darüber, wo in der Stadt es in welchem Maße zu laut ist. Als Sofortmaßnahme wurde das Tempo auf der B-51-Südtangente auf 50 Stundenkilometer reduziert. Doch übrig bleibt eine lange Hitliste von Lärmbelastungen, die es nun in Stufe II, wo es um konkrete Maßnahmen geht, abzuarbeiten gilt.

Ganz oben stehen hier die Bis­marckstraße, die Straße des 13. Januar, die Ludweiler Straße, die Völklinger Straße, die Schaffhauser Straße und die Hallerstraße. Da ist genau gemessen und dann abgeschätzt worden, welche Maßnahme wie viel bringt. Als „erfolgversprechend“ aufgeführt wird die Einführung von Tempo  30, der Einsatz lärmmindernder Fahrbahnbeläge („Flüsterasphalt“)  und „Flüsterabdeckungen“ für Kanaldeckel. Ansonsten werden vom Gutachter verstärkte Kontrollen, Aufstellen von Radarsäulen und Geschwindigkeitsanzeigetafeln, Verengungen an den Ortseingängen angegeben. Und es fehlen auch nicht die üblichen Empfehlungen wie Attraktivierung des öffentlichen Personennahverkehrs, des Fahrrad- und Fußverkehrs, Ausbau des Car-Sharing und „Werben für eine lärmmindernde Fahrweise“.

„Wenn Baumaßnahmen anstehen, ist auf jeden Fall Flüsterasphalt zu verwenden, auch wenn das bis zu 20 Prozent mehr kostet“, unterstrich CDU-Ratsmitglied Ulrike Müller die künftige Zielrichtung. Doch Müller und auch Ratskollege Wolfried Willeke (SPD) gaben gleichzeitig zu bedenken: „Was nützt uns Flüsterasphalt auf den Nebenstraßen, wenn auf den Hauptstraßen nichts geschieht?“ Überall Tempo 30 wegen Lärmschutz einzuführen, sei sicherlich nicht der Weisheit letzter Schluss, so Willeke. In Völklingen am stärksten betroffen seien die Landes- und die Bundesstraßen, bekräftigte Oberbürgermeister Klaus Lorig (CDU). Auf Straßenabschnitten, die zwar durch die Stadt führen, aber für die die Stadt nicht zuständig ist. Beim zuständigen Landesbetrieb für Straßenbau sei Reserviertheit gegenüber Flüsterasphalt zu verspüren. Er wisse nicht, ob hier finanzielle oder technische Gründe die maßgebliche Rolle spielten. In anderen Bundesländern werde dieser Belag sogar auf Autobahnen verbaut. Er werde sich bemühen, den Landesbetrieb in Gesprächen von der Sinnhaftigkeit zu überzeugen, so Lorig. „Wenn Bund und Land nicht handeln, ist unser Völklinger Aktionsplan buchstäblich viel Lärm um nichts“, sagte Paul Ganster (Linke).

Brennpunkt Hallerstraße: Auch Lastwagen quälen sich hier durch – wenn Schnee fällt, kann’s schon mal chaotisch werden.
Brennpunkt Hallerstraße: Auch Lastwagen quälen sich hier durch – wenn Schnee fällt, kann’s schon mal chaotisch werden. FOTO: BeckerBredel
Brennpunkt Straße des 13. Januar: Auf der Bundesstraße 51 fahren sehr viele Autos, und oft zu schnell – zum Leidwesen der Luisenthaler.
Brennpunkt Straße des 13. Januar: Auf der Bundesstraße 51 fahren sehr viele Autos, und oft zu schnell – zum Leidwesen der Luisenthaler. FOTO: Oliver Dietze