Aktionsbündnis hält an Stolperschwelle fest

Völklingen · Generaldirektor Meinrad Grewenig warnt. Aber das Aktionsbündnis Stolpersteine besteht auf der für 19. August geplanten Verlegung einer Stolperschwelle zum Gedenken an die Zwangsarbeiter am Besuchereingang des Völklinger Weltkulturerbes.

 Eine private Aufnahme aus dem Sommer 1943 vom Lager im Völklinger Schulzenfeld, Sollbelegung 1420 Personen, darunter 772 Frauen: Russische Zwangsarbeiter der Röchling'schen Eisen- und Stahlwerke füllen vor dem Lagertor ihre Strohsäcke. Foto: Sammlung Hubert Kesternich

Eine private Aufnahme aus dem Sommer 1943 vom Lager im Völklinger Schulzenfeld, Sollbelegung 1420 Personen, darunter 772 Frauen: Russische Zwangsarbeiter der Röchling'schen Eisen- und Stahlwerke füllen vor dem Lagertor ihre Strohsäcke. Foto: Sammlung Hubert Kesternich

Foto: Sammlung Hubert Kesternich

Der Tag rückt immer näher. Am Dienstag, 19. August, 17 Uhr, soll die Stolperschwelle zum Gedenken an Tausende von Zwangsarbeitern vor dem Besucher-Haupteingang des Weltkulturerbes Völklinger Hütte verlegt werden. Dies soll in feierlichem Rahmen geschehen (siehe "Hintergrund"). Mitarbeiter der Stadt haben bereits für den international bekannten Aktionskünstler Gunter Demnig vorgearbeitet. Sie haben den Gehsteig entsprechend den Maßen (67 mal 10 mal 10 Zentimeter) ausgeschachtet und Verbundsteine als Platzhalter eingesetzt.

Generaldirektor Meinrad Grewenig hat nun am Wochenende in einem offenen Brief vor der Aktion in der geplanten Form gewarnt (die SZ berichtete bereits). Der Gedenkort sei ungeeignet und die vorgesehene Inschrift historisch unangemessen. Doch das Völklinger Aktionsbündnis Stolpersteine, das sich für die Schwelle verantwortlich zeichnet, lässt sich von Grewenigs Darlegungen nicht beeindrucken.

Sprecherin Caroline Conrad erklärte zu Grewenigs Vorstoß kurz und bündig: "Es bleibt dabei." Wenn Grewenig anderer Ansicht sei, sei das seine persönliche Meinung. Das Gegenargument mit der Verkehrssicherheit treffe augenfällig nicht zu. Die Verlegung im Gehsteig, bündig zum Boden, sei mit den Behörden abgestimmt, und die Stadt habe bereits die Blindschwelle für die Stolpersteine an Ort und Stelle verlegt.

Grewenig hatte vorgeschlagen, anstelle der vom Aktionsbündnis vorgesehenen Inschrift folgenden Text "in den entsprechenden Muttersprachen der Opfer" zu verwenden: "Im Gedenken an die Opfer der Zwangsarbeit in der Völklinger Hütte." Conrad meinte dazu, eine solche Inschrift sei so neutral und so verwässert, dass sie den Leiden der Opfer nicht gerecht werde. Man brauche eine Aussage, die die Menschen mitnehme, und der Künstler Gunter Demnig , der auch das Urheberrecht an der Stolperschwelle besitze, habe lange an diesem Text (die SZ berichtete bereits) gefeilt.

Grewenig hatte auch angeregt, die Stolperschwelle am Völklinger Platz auf der Straßenseite gegenüber zu verlegen. Auch hier winkt das Aktionsbündnis ab. Dieser Platz sei für die Stolperschwelle ungeeignet, denn, so Conrad: "Da geht keiner vorbei. Da sitzen die Punker rum und trinken ihr Bier." Die Schwelle gehöre vor den heutigen Eingang des Weltkulturerbes. Conrad: "Da gehen Tausende von Besuchern durch, und diese sollen auch mit der anderen Seite der Völklinger Hütte konfrontiert werden."

Grewenig hat seinerseits darauf hingewiesen, die Hütte zeige ab 13. September die Ausstellung "Die Röchlings und die Völklinger Hütte". Grewenig: "Dabei wird es einen Schwerpunkt zur Zwangsarbeit geben, bei dem unsere neuesten Forschungsergebnisse gezeigt werden und auf die Rastatter Kriegsverbrecherprozesse im Zusammenhang mit Hermann Röchling eingegangen wird."

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HintergrundWährend der Verlegung werden alle in der Opferliste des Friedhofsamtes verzeichneten Namen vorgelesen. Sie stehen stellvertretend für circa 7000 zwischen 1941 und 1944 in den Röchling'schen Eisen- und Stahlwerken eingesetzten Zwangsarbeiter , Zwangsarbeiterinnen und Kriegsgefangene. Die Veranstaltung wird musikalisch umrahmt von dem Chor "Les amis du chant" aus Petite Rosselle. er