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Afrikaner stürmen für den SV Wehrden

Afrikaner stürmen für den SV Wehrden

Wenn beim SV Wehrden kaum noch Deutsche Fußball spielen - warum nicht Eritrieer und Syrer, die hier als Asylbewerber leben und doch so gern dem Ball nachjagen? Der Vorstand wagt ein Experiment.

Ausgerechnet ein Jahr vor dem 100. Geburtstag ist dem Sportverein Wehrden etwas die Luft ausgegangen. In der laufenden Saison 14/15 kann keine aktive Mannschaft ins Rennen geschickt werden, der Kader war von Anfang an personell zu schwach, um aussichtsreich am Spielbetrieb des Verbandes teilzunehmen.

Also meldete man "die Erste" ab. Nun ist den Verantwortlichen aber eine charmante Idee gekommen, wie man den unhaltbaren Zustand abstellen könnte. Sie wollen um die vielen Asylbewerber und Flüchtlinge, die in Wehrden wohnen, ein neues Team aufbauen. Dem zweiten Vorsitzenden Jürgen Weiland war schon vor längerer Zeit aufgefallen, dass viele Syrer und Eritreer um die Häuser liefen und sich Bälle zuspielten.

Manche zeigten auf dem Bolzplatz gute Anlagen, andere fragten beherzt an, ob sie mit der B-Jugend des SV Wehrden mittrainieren dürften (der Verein hat noch vier Jugendmannschaften: G, E, D und B). Weiland ging darauf hin in die Offensive und konnte mit dem ehemaligen Wehrdener Aktiven Mario Rech einen begeisterten Mitstreiter gewinnen, der möglichst viele Asylbewerber für eine regelmäßige Teilnahme an Trainingseinheiten und später am Spielbetrieb begeistern möchte. Rech fungiert ehrenamtlich als Übungsleiter und kümmert sich darum, für möglichst alle Fußballer Kleidung, Schuhe, Schienbeinschoner und Bälle zu organisieren.

Da der Verein nur 100 Mitglieder und kaum Geld hat, ist die Ausstattung eine große Aufgabe. Wie später einmal der Fahrdienst zu den Spielen organisiert werden soll, steht noch in den Sternen. Man hofft auf Unterstützer und Gönner, die sich hier einbringen können.

Alles in allem hat man eine Gruppe von etwa 25 bis 30 Fußballern zwischen 20 und 30 Jahren im Auge, die für den Neuaufbau der Mannschaft in Frage kommen. Ob sie alle bei der Stange bleiben wollen oder können, ist bei den oft vagen rechtlichen und familiären Situationen nicht sicher vorherzusagen.

Da die wenigsten Deutsch sprechen, ist die Verständigung schwierig. Das fußballerische Potenzial gilt zwar als nicht übermäßig hoch, sollte aber reichen, um in der untersten Liga mit Anstand bestehen zu können. Die Kicker aus Afrika sind überwiegend schlanke, ausdauernde Sportler und sollten den einen oder anderen Punkt allein schon mit ihrer Laufbereitschaft einfahren.

Bei einem ersten Freundschaftsspiel vor einigen Tagen unterlagen sie nur knapp einer eingespielten Reservemannschaft. Und wer ihnen als Vereinsanhänger beim Training auf dem Kunstrasenplatz zusieht (nachmittags, um Licht zu sparen!), wird über Disziplin und Lernbereitschaft staunen.

So könnte es also geschehen, dass der SV Wehrden ein kleines Kapitel saarländische Fußballgeschichte schreibt, indem er als erster Verein ein Team aus Asylbewerbern und Flüchtlingen in die Saison schickt.

Das ist durchaus als Beitrag zur Integration gedacht, aber auch aus Eigennutz, wie Vorsitzender Viktor Mathias einräumt, eben weil es den Verein und seine Spielberechtigung auf dem Wehrdener Platz zu erhalten gilt.