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Försterin gibt Tipps
Wühlende Wildschweine sorgen in Völklingen für Ärger

Durchpflügter Boden, umgewühlte Steine: Försterin Verena Lamy (mit Dackel Anton) und Ulf Hoffmann von der Stadt Völklingen schauen sich die Spuren der Wildschweine im Wald nahe des Simschelweihers an.
Durchpflügter Boden, umgewühlte Steine: Försterin Verena Lamy (mit Dackel Anton) und Ulf Hoffmann von der Stadt Völklingen schauen sich die Spuren der Wildschweine im Wald nahe des Simschelweihers an. FOTO: BeckerBredel
Völklingen/warndt . Unliebsamer Besuch: Überall suchen Wildschweine derzeit nach Essbarem – leider auch in vielen Gärten. Von Ulrike Paulmann

Der Waldweg am Völklinger Forsthaus hat gerade erst begonnen, da sind sie schon am Wegesrand zu sehen: dunkelbraune Erdhaufen, frisch aufgeworfen. Weiter hinten, nahe des Köllerbachs, liegen auf dem aufgewühlten Waldboden diverse Steinbrocken. Für Stadtförsterin Verena Lamy ein klares Zeichen: Hier waren Wildschweine am Werk. Und wenn’s erfolgsversprechend ist, dann werden mit dem Rüssel eben nicht nur Erdmassen bewegt. Sondern auch schon mal Steine.


Dumm nur: Die Tiere machen sich mit dieser Hingabe nicht nur im Wald auf die Futtersuche. Sondern, zum Leidwesen vieler Menschen in der Region, auch in besiedelten Gebieten, in Gärten und Grünanlagen. Kürzlich berichtete die SZ von umgegrabenen Gärten, beispielsweise in Emmersweiler, Geislautern und St. Nikolaus. So mancher hatte den Eindruck, dass es dieses Jahr besonders heftig sei.

Vielerorts treiben die Wildschweine ihr Unwesen, auch in Emmersweiler.
Vielerorts treiben die Wildschweine ihr Unwesen, auch in Emmersweiler. FOTO: BeckerBredel


Dass Wildschweinschäden derzeit ein großes Thema sind, bestätigt Verena Lamy. Viele Leute melden sich bei ihr, lassen sich beraten. Sie kennt die Hintergründe: „Aktuell ist in ganz Deutschland die Wildschweinpoulation so hoch, wie sie noch nie war.“ Die Tiere fänden momentan sehr gute Bedingungen vor, unter anderem durch den Klimawandel. In der Folge gebe es mehr Nachwuchs, die Population wachse. In jüngster Zeit seien im Jagdjahr in der Gemarkung Völklingen rund 500 Wildschweine geschossen worden. Laut Ulf Hoffmann, Fachbereichsleiter Öffentliche Einrichtungen der Stadt Völklingen, waren es vor sieben, acht Jahren noch viel weniger.

„Die Wildschweine haben sich an die Menschen gewöhnt“, sagt Lamy, so kämen sie auch in der sowieso sehr grünen Region näher an die Siedlungsbereiche heran. Zumal diese futtertechnisch sehr attraktiv für die borstigen Vierbeiner seien: „Neben den Kohlenhydraten, die ihnen Eicheln aus dem Wald liefern, brauchen die Wildschweine auch Eiweiß, sie suchen beispielsweise Engerlinge oder Würmer.“ Letztere gebe es eben in großer Zahl in kultivierten Gartenböden.

Und wenn es darum geht, solche „Köstlichkeiten“ aus dem Boden zu fischen, dann sind die Tiere hartnäckig und clever. Lamy erinnert sich an einen Fall, wo die Schwarzkittel scheinbar von Geisterhand auf ein eingezäuntes Grundstück kamen. Des Rätsels Lösung: Ein Schwein hatte den Maschendrahtzaun von unten angehoben – die Rotte war auf diese Weise herein- und nachher wieder herausspaziert. Danach war der flexible Zaun wieder in die Ausgangspostion zurückgesprungen.

Die Fachfrau weist darauf hin, dass grundsätzlich Gartenabfälle nicht im Wald abgelagert werden dürfen, das ziehe die Tiere an. Und wie verhindert man den unliebsamen Besuch auf dem heimischen Rasen, im Beet? Das Bejagen der Tiere in Siedlungsbereichen sei gesetzlich verboten, sagt sie, darauf angesprochen. Ausnahmen gebe es nur in Einzelfällen, wenn zum Beispiel ein Tier krank sei. Andernorts, dort, wo die Jagd erlaubt sei, werde derweil verstärkt bejagt. Aber, so Lamy: „Über die Jagd allein kann man die Population nicht regulieren.“

Das einzig wirksame Mittel, um Wildschweine von Gärten fernzuhalten, ist der Försterin zufolge „ein stabiler Zaun, zum Beispiel aus Stabmatten“. Bei anderen Zäunen sei ein Betonfundament hilfreich. Und auch ein Elektrozaun halte die Tiere fern, ergänzt Ulf Hoffmann.

 Lamy und Hoffmann können die Betroffenen gut verstehen. Sie wissen selber, wie das ist, wenn mit viel Herzblut angelegte Beete und Flächen über Nacht verwüstet werden. Lamy berichtet von einst frisch gepflanzten Weihnachtsbäumchen, die von Wildschweinen wieder „ausgepflanzt“ wurden. Hoffmann erzählt von umgepflügten Grünanlagen, zum Beispiel im Bereich der Stadionstraße („das ist jedes Jahr das Gleiche“). „Ich kann den Ärger gut nachvollziehen“, sagt Lamy, „aber es gibt keine Ad-hoc-Lösung.“

 Auf was man sonst alles achten soll, darauf weist die Försterin in ihrer Sprechstunde hin. Auch die zuständigen Jagdpächter informieren Betroffene, sagt sie. Und alle Infos finden sich auch in einer Broschüre des Saarforst Landesbetriebes (siehe Artikel unten).

Sprechstunde der Stadtförsterin Verena Lamy: donnerstags, 15 bis 16.30 Uhr, im Forsthaus am Simschel, Zum Wasserwerk 20, Tel. (0 68 98) 13 23 41.