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Nichtstun gegen Risiko
Absolute Sicherheit ist nie zu haben

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Wie viel Risiko nimmt man für welches Ziel in Kauf? In der aktuellen Debatte ums Grubenwasser stecken sehr grundsätzliche Gesellschafts-Fragen. Von Doris Döpke

Besorgnisgrundsatz, auf den ersten Blick klingt das Wort aus der Grubenwasser-Debatte gut: Es sollen nur dann Dinge erlaubt sein, wenn dabei Gefahren für Menschen und Umwelt „zuverlässig ausgeschlossen sein werden“. Auf den zweiten Blick hat es der „Besorgnisgrundsatz“ aber in sich. Ihm zu folgen, heißt: Man braucht absolute Sicherheit, dass menschliche Eingriffe ins Bestehende keine schädlichen Nebenwirkungen zeitigen. Fehlt diese Sicherheit, darf der Eingriff nicht sein – dann kann man nur noch nichts tun.


Die Wahrscheinlichkeit, auf diese Art zum Nichtstun verurteilt zu sein, ist groß. Absolute Sicherheit ist nicht zu haben. Nie. Selbst wenn man alles Wissen, das aktuell verfügbar ist, für seine Analysen nutzt und seine Prognosen mit größter Sorgfalt und Vorsicht formuliert, bleiben Rest-Risiken. Es ist letztlich eine gesellschaftliche, eine politische Entscheidung, wie viel Risiko man wo für welches Ziel in Kauf nimmt. Trinkwasser, beispielsweise, ist so elementar wichtig, dass man da wirklich nichts riskieren darf. Zumal man Trinkwasser-Verschmutzungen kaum rückgängig machen kann.

In anderen Punkten kann es sein, dass ein Eingriff zwar Nebenwirkungen hat, der Nutzen aber dennoch überwiegt. Es gilt abzuwägen. Ach, hätten unsere Vorfahren das doch gründlicher getan, als sie begannen mit der Ausbeutung der energiereichen Schichten tief unter der Oberfläche! So manches Kohleflöz wäre wohl auch dann abgebaut worden – doch anderswo hätte man vermutlich die Finger gelassen vom Bergbau, hätte man damals schon über die späteren Umweltfolgen nachgedacht.



Hat man aber nicht. Man brauchte und wollte Energie, um fast jeden Preis. Wir Heutigen müssen uns mit den Konsequenzen herumschlagen. Wir sollten es besser machen als die Altvorderen: mit Nachdenken, ruhig und emotionslos. Mit gründlichem Abwägen. Und auch mit – begrenzter – Bereitschaft zum Risiko.