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Finissage
70 Jahre und kein bisschen leise

Horst Reinsdorf (links) mit Volkshochschuldirektor Karl Heinz Schäffner vor einem Reinsdorf-Bild im Alten Rathaus.
Horst Reinsdorf (links) mit Volkshochschuldirektor Karl Heinz Schäffner vor einem Reinsdorf-Bild im Alten Rathaus. FOTO: BeckerBredel
Völklingen. Finissage-Feier mit dem Maler Horst Reinsdorf: Der leidenschaftliche Völklinger hat viele Wünsche an die Stadt. Von Thomas Annen

Der Völklinger Künstler Horst Reinsdorf ist in vielen Techniken zu Hause: Grafik, Holz- und Linolschnitt, Radierung, Öl und Acryl. Seine Motive findet er oft bei Rundgängen in der Hüttenstadt. Sind sie im Kopf zu einem Gesamtbild zusammengefügt, wird eine Entwurfsskizze zu Papier gebracht. Rund 30 seiner Werke zeigte eine Ausstellung, die am Sonntag zu Ende ging.


Im Alten Rathaus schüttelt der Maler viele Hände, nimmt zahlreiche Glückwünsche entgegen. Am Tag der Finissage feiert er seinen 70. Geburtstag. „Haupt- und Nebenwege“ lautet der Titel der Ausstellung. Akribisch beobachtet der Künstler die Situation in Völklingen und setzt sie in seiner Bildersprache um. Der Holzdruck „Wechsel“ symbolisiert den Umbruch an der Verwaltungsspitze im nächsten Jahr. Der Titel „Umbau“ beschreibt künstlerisch das Gelände des ehemaligen Kaufhofs, auf dem ein Modepark entstehen soll. Die Hütte wird ebenfalls thematisiert: Ein Werk zeigt die Stimmungslage bei der Beendigung der Roheisenproduktion im Jahr 1986. Die ausgestellten Bilder wurden in Druckgrafik, Acryl und Mischtechniken erstellt.

Oberbürgermeister Klaus Lorig (CDU) würdigt das Schaffen des Künstlers und seine „kritische Verbundenheit“ mit der Stadt. Horst Reinsdorf scheut sich nicht, den Finger in die Wunde zu legen. „Frag’ mal mich“, fordert ein Junge auf einem Bild mit dem Neuen Rathaus. Er möchte nicht, dass für ihn wichtige Themen über seinen Kopf hinweg entschieden werden.



Vor dem Sektempfang lädt Volkshochschuldirektor Karl-Heinz Schäffner das Geburtstagskind zu einem Dialog ein. Während des Gesprächs erfahren die Besucher, dass Dürer, Monet, van Gogh und Picasso zu den Vorbildern von Horst Reinsdorf zählen, dass er gerne mit Kindern arbeitet und regelmäßig an die Nordsee fährt. Dort sind bereits sehr viele Aquarelle und Zeichnungen entstanden.

Aber auch in seiner Heimat werden Reinsdorf die Motive sicher nicht ausgehen. „Völklingen ist und bleibt eine spannende Stadt“, sagt der Künstler. Er will beobachten, wie es im kommenden Jahr nach dem Wechsel an der Verwaltungsspitze weitergeht. Und gegebenenfalls reagieren: Nicht mit einem Leserbrief in der Zeitung, sondern mit seiner Malerei. Am Ende des kleinen Plauschs, der von Sänger Dietmar Kunzler und Gitarrist Guido Allgaier musikalisch umrahmt wird, fragt Schäffner, ob der Jubilar noch Wünsche an die Verwaltung hat. „Sehr viele“, antwortet Reinsdorf. Eine Galerie, die samstags und sonntags geöffnet hat, steht ebenso auf seinem Wunschzettel wie ein Ausstellungshonorar für Künstler.